Flughäfen
Hochtief peilt Beteiligung an Köln-Bonn an

Der Essener Konzern Hochtief bewirbt sich darum, den Flughafen Köln-Bonn zu betreiben: gemeinsam mit dem Airport Düsseldorf soll der Standort entwickelt werden. Von der Zusammenarbeit der benachbarten Flughäfen nach der möglichen Privatisierung verspricht sich der Bauriese starke Synergien. Einen großen Verlierer gäbe es in diesem Fall allerdings auch.

TIRANA/DÜSSELDORF. Deutschlands größter Baukonzern und Flughafenbetreiber, Hochtief, hat ein Auge auf den Flughafen Köln-Bonn geworfen. "Sollte der Flughafen Köln-Bonn privatisiert werden, gehört Hochtief zu den Interessenten“, sagte Reinhard Kalenda, Flughafenchef des Konzerns dem Handelsblatt. Hochtief ist bereits am benachbarten Flughafen Düsseldorf beteiligt. Um die Privatisierung des ehemaligen Regierungsflughafens voranzutreiben, führt Hochtief nach Informationen des Handelsblatts mit der Landesregierung bereits Gespräche über mögliche Kooperationen der beiden Flughäfen.

Hochtief habe Interesse daran, beide Flughäfen gemeinsam zu vermarkten, um Synergien zu nutzen, sagte Kalenda. Dazu müssten die Airports aber verkehrstechnisch besser vernetzt werden. Es fehlt insbesondere eine schnelle, direkte Verbindung zwischen den Flughäfen auf der Schiene. Dem Verkehrsminister des Landes hat Hochtief nach Informationen des Handelsblatts bereits eine eigene Studie dazu präsentiert. Land, Bund und Stadt Köln halten jeweils ein Drittel an dem ehemaligen Regierungsflughafen. Die Stadt Bonn ist mit rund sechs Prozent beteiligt. Auch die beiden Landkreise Rhein-Sieg-Kreis und Rheinisch-Bergischer Kreis halten noch geringe Anteile. Bund und Land sind grundsätzlich bereit, ihre Anteile zu verkaufen. Bisherige Privatisierungs-Anläufe scheiterten aber an unterschiedlichen Interessen der Eigentümer und werden von einem Streit über Mietforderungen überschattet.

Branchenexperten begrüßen die Pläne von Hochtief. "Eine Arbeitsteilung der Flughäfen Düsseldorf und Köln-Bonn, die ein strategischer Investor wie Hochtief vorantreibt, wäre für das Land Nordrhein-Westfalen wünschenswert“, sagte Jürgen Ringbeck, Luftfahrtexperte der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton. Düsseldorf könnte sich aufgrund der zentralen Lage im Land auf den Linien- und Interkontinentalverkehr fokussieren und Köln-Bonn aufgrund der Nachtflugerlaubnis auf das Fracht-, Charter- und Billigfluggeschäft. Verlierer einer Kooperation könnte Mönchengladbach sein. Der Regionalflughafen profiliert sich bislang als Ergänzung von Düsseldorf.

Als Vorbild für einen strategischen Investor, der eine Region entwickelt, gilt BAA. Der britische Flughafenbetreiber ist bei allen drei Londoner Flughäfen, London-Heathrow, London-Gatwick und London-Stansted, engagiert. In Deutschland ist neben Hochtief noch der Betreiber des größten deutschen Flughafens, Frankfurt, aktiv. Fraport ist neben Frankfurt noch an den Flughäfen Hannover und Frankfurt -Hahn beteiligt. An Köln-Bonn ist Fraport grundsätzlich auch interessiert. Wegen einer Kooperation hatten die Hessen schon mal vorgefühlt. "Wir beobachten die Privatisierungs-Vorgänge mit großer Aufmerksamkeit“, bestätigte ein Fraport -Sprecher.

Die Flughafeninfrastruktur in Deutschland ist in Bewegung. Den internationalen Drehkreuzen Frankfurt und München machen die aufstrebenden Fluggesellschaften aus dem Nahen Osten, Emirates und Qatar Airways, mit ihren Drehkreuzen in Dubai und Doha zu schaffen. Im Mai hat die Initiative Luftverkehr, zu der die Flughäfen Frankfurt und München zählen sowie die Deutsche Lufthansa, die Politik um Schützenhilfe in diesem ihrer Meinung nach unfairen Wettbewerb gebeten. Den Flughäfen der zweiten Reihe wie Hamburg und Düsseldorf machen von Billigfluggesellschaften wie Ryanair neu entwickelte Landepisten wie Weeze und Bremen zu schaffen. Ein Masterplan für die Luftverkehrsinfrastruktur in Deutschland ist in Berlin in Arbeit und soll bis Anfang 2008 vorliegen.

Für Hochtief ist Köln-Bonn nicht das einzige Investitionsziel. Etwa alle zwei Jahre soll künftig ein neuer Flughafen dazukommen, kündigte Kalenda an. Sechs Flughäfen mit einem Portfoliowert von 1,25 Mrd. Euro werden von Hochtief gemanagt. In der Sparte Airports steigerte Hochtief das Ergebnis vor Steuern in den ersten neun Monaten von 15,1 auf 117 Mill. Euro. Das Passagierwachstum lag bei sieben Prozent.

Ein weltweit erwartetes stürmisches Wachstum und hohe Renditen rufen aber auch Finanzinvestoren wie die australische Investmentbank Macquarie oder Konkurrenten wie den spanischen Baukonzern Ferrovial auf den Plan. Bei weltweit durchschnittlich zehn erwarteten Flughafen-Privatisierungen pro Jahr werde sich Hochtief jährlich an ein bis zwei Ausschreibungen beteiligen, kündigte Kalenda an. Mindestens alle zwei Jahre wolle Hochtief zum Zuge kommen. Im Visier hat Hochtief dabei nicht die großen internationalen Drehkreuze. "Wir beteiligen uns in der Regel an Flughäfen mit einer Vorreiterrolle in der jeweiligen Region“, sagte Kalenda. Als interessant gelten die anstehenden Privatisierungen der Flughäfen Chicago Midway und Lissabon. Aber auch in Südosteuropa sieht Hochtief weiter Potenzial, etwa in Skopje oder Pristina.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%