Flughafen-Ausbau And the winner is… Heathrow

Nach drei Jahren Prüfung ist klar: Die britische Regierung wird den Londoner Mega-Flughafen Heathrow weiter ausbauen. Premier David Cameron bricht damit ein Wahlversprechen – und legt sich nicht nur mit der Queen an.
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Der Ausbau des Flughafens dürfte für noch stärkere Lärmbelastung der Anwohner im Westen Londons sorgen. Quelle: AFP
A380 im Anflug auf Heathrow

Der Ausbau des Flughafens dürfte für noch stärkere Lärmbelastung der Anwohner im Westen Londons sorgen.

(Foto: AFP)

LondonJohn Holland-Kayes Antwort ließ nicht lange auf sich warten. „Diese Debatte ging nie nur um eine Rollbahn“, erklärte der Chef des größten britischen Airports Heathrow, „sie ging immer auch um die Frage, welche Zukunft wir uns für Großbritannien vorstellen.“ Es sind hehre Worte, die Holland-Kaye wählte, aber sein Pathos hat einen triftigen Grund: Nach rund drei Jahren intensiver Prüfungen, Diskussionen und Gutachten hat die unabhängige britische Regierungskommission zum Ausbau der Londoner Flughäfen am Mittwoch ihre finale Empfehlung abgegeben – und für eine neue Landebahn in Heathrow plädiert.

Der britische Regierungschef David Cameron will seine politische Entscheidung zwar erst im Herbst vorlegen – das Votum der Kommission lässt ihm allerdings nur wenig Spielraum, doch noch dem weniger umstrittenen kleineren Flughafen Gatwick weiter außerhalb der britischen Hauptstadt den Zuschlag zu geben.

Ein jahreslanges erbittertes Tauziehen findet damit in London sein vorläufiges Ende. Bereits 2009 wollte die damalige Labour-Regierung den Airport schon ausbauen, was aber am vehementen Widerstand der Londoner Bevölkerung und des damaligen Oppositionsführers David Cameron scheiterte. Cameron hatte versprochen, dass es mit ihm keinen Ausbau geben werde. Nach seiner Wahl setzte Cameron darum später die sogenannte Davies-Kommission ein, die alle Optionen prüfen sollte – was sie seit drei Jahren ausgiebig tat. Ein vom Londoner Bürgermeister Boris Johnson vorgeschlagener neuer Mega-Airport am Themseufer wurde seitdem – ebenso wie andere Optionen – aussortiert. Übrig waren am Ende noch drei Varianten: zwei Ausbau-Optionen für Heathrow und eine für Gatwick.

Für die 8,3 Millionen Einwohner zählende Metropole ist das Votum der Kommission eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen: Wäre Heathrow leer ausgegangen, wäre der Airport bald seinen Titel als größter Flughafen Europas los gewesen, da er kaum mehr Kapazitäten besitzt, um noch mehr Flugverbindungen anzubieten. So betonte Finanzprofessor Howard Davies bei der Begründung seiner Entscheidung ausdrücklich, dass eine neue Nordwestbahn für Heathrow den größten Vorteil für die britische Wirtschaft bringen werde und in den nächsten 60 Jahren einen Beitrag von 147 Milliarden Pfund (etwa 207 Milliarden Euro) zur Wirtschaftsentwicklung abliefern sowie 70.000 neue Jobs bis 2050 schaffen werde. Zugleich empfahl die Arbeitsgruppe jedoch, den Ausbau mit neuen Auflagen, darunter einem verschärften Nachtflugverbot, zu versehen.

Schon heute platzt Heathrow aus allen Nähten. Der Airport sei bereits zu 98 Prozent ausgelastet, so dass kaum noch zusätzliche Flüge abgewickelt werden könnten, betonte John Holland-Kaye jüngst. Die Passagierzahl sei 2014 dank größerer und besser ausgelasteter Maschinen 1,4 Prozent gewachsen, künftig sei aber nur noch ein Plus von jährlich 0,5 Prozent möglich. Heathrow hatte unlängst den Titel des passagierreichsten Flughafens der Welt bereits an Dubai verloren.

Doch der Widerstand in der Bevölkerung gegen einen Ausbau ist erheblich. Denn der Flughafen im Westen der Stadt, eingekeilt zwischen Wohngebieten, Wasserreservoirs und den Autobahnen M25 und M4, ist inzwischen gefährlich nah an den Ballungsraum gerückt. Für die lärmgeplagte Stadt sei die Grenze des Getöses erreicht, warnte bereits vor längerer Zeit Londons Bürgermeister Boris Johnson. Bereits heute leben 725.000 Menschen unter Heathrows Einflugschneise. Künftig dürften es rund eine Million Menschen sein, die in Mitleidenschaft gezogen werden. Darunter ist künftig auch eine der prominentesten Repräsentanten Großbritanniens: Königin Elisabeth II. Die nun geplante neue „Startbahn Nordwest“ wird den größten Flughafen der Insel weiter in Richtung Windsor Castle schieben, den Wohnsitz der Queen.

Das sind die Flughäfen mit den kürzesten Wegen
It's up in the air
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Bis das Flugzeug in der Luft ist, vergeht für gewöhnlich erstmal eine Menge Zeit: Die Wege in den Flughäfen sind meist lang, wie etwa am Moskauer Airport Domodedovo. Hier benötigen die Passagiere vom Eingang bis in den Flieger eine geschlagene Stunde. Die Reisesuchmaschine kayak.de hat die durchschnittlichen Gehzeiten vom Eingang bis zum Flugsteig an 14 Flughäfen Europas mit mehr als zehn Millionen Passagieren untersucht – und herausgefunden, an welchen Airports es besonders schnell geht.

Quelle: kayak.de, die Informationen wurden von Flughafen-Pressestellen eingeholt oder von Kayak kalkuliert

8. Platz – Mailand-Malpensa, Italien
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Mailand-Malpensa ist der größte der drei Flughäfen der italienischen Metropole – die Weitläufigkeit bekommen die Passagiere allerdings auch bei der Gehzeit zu spüren: 27 Minuten benötigen sie durchschnittlich vom Eingang bis ins Flugzeug. Durch die Eingangshalle dauert es 15 Minuten, nach der Sicherheitskontrolle noch maximal zwölf Minuten.

7. Platz – Madrid Barajas, Spanien
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Der Flughafen der spanischen Hauptstadt schafft es locker in die Top 10 der größten Flughäfen Europas. Dafür sind die Wege noch relativ überschaubar: Knapp 20 Minuten benötigen die Passagiere durchschnittlich, um ihre Maschine zu erreichen. Die Eingangshalle ist schnell durchlaufen, nach der Sicherheitskontrolle dauert es noch 15 Minuten bis zum Gate.

6. Platz – Barcelona El Prat, Spanien
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Im spanischen Duell mit Madrid hat Barcelona die Nase vorn: Am zweitgrößten spanischen Flughafen durchqueren Passagiere die Eingangshalle in durchschnittlich acht Minuten, nach dem Sicherheitsbereich dauert es nochmal sieben Minuten – macht 15 Minuten Gesamtgehzeit.

5. Platz – Zürich, Schweiz
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Wer von Terminal A oder B abfliegt, ist in Zürich klar im Vorteil: Die Gesamtgehzeit beträgt hier nur 15 Minuten. Reisende, die vom Terminal E starten, sind deutlich länger unterwegs. Sie müssen durchschnittlich 22 Minuten einplanen, bis sie ihren Flieger erreichen.

Platz 4 – Nizza, Frankreich
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Der drittgrößte Flughafen Frankreichs an der Côte d’Azur sticht den Pariser Flughafen Charles-de-Gaulle in einer Disziplin locker aus: In Nizza sind Passagiere in nur 15 Minuten an ihrem Gate. In Paris ist dagegen eine kleine Wanderung nötig: Reisende sind in Frankreichs Hauptstadt 55 Minuten unterwegs – nur in Moskau dauert es noch länger.

Platz 3 – Wien-Schwechat, Österreich
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Der größte Flughafen im Alpenland liegt etwa 20 Kilometer vom Wiener Zentrum entfernt. Die Wege am Flughafen selbst sind noch kürzer: Vom Eingang bis in den Flieger sind Passagiere nur 10 Minuten unterwegs.

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1 Kommentar zu "Flughafen-Ausbau: And the winner is… Heathrow"

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  • And the looser is the population !! Wir bauen die stadtnahen Flughäfen aus, egal was das kostet. So machen wir das in Rhein-Main doch auch. Merkel schwadroniert von der Decarbonisierung der Wirtschaft und die Flughäfen werden weiter ausgebaut wie bescheuert.
    Wenn die Luftfahrtindustrie Steuern bezahlen müsste wie alle anderen auch und für die von ihr verursachten Kosten für Umwelt, Leben und Gesundheit aufkommen müsste, dann brauchte Heathrow keine dritte Landebahn, Frankfurt keine NW-Landebahn und keinen Terminal 3. Es wäre für Alle besser. Der Preis ist zu hoch.

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