Flughafen Berlin Brandenburg
Ein Großprojekt mit Fragezeichen

Der geplante Großflughafen für die Hauptstadt Berlin ist seit vier Jahren im Bau und soll Berlin zum internationalen Drehkreuz machen. Doch der Berlin Brandenburg International stand von Anfang an in der Kritik - auch aus wirtschaftlichen und verkehrstechnischen Gründen.
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FRANKFURT. BBI - diese drei Buchstaben standen von Beginn an unter keinem guten Stern. BBI, das steht für Berlin-Brandenburg International, den geplanten Großflughafen für die Hauptstadt Berlin. Die Experten zweifeln nicht nur an der Wirtschaftlichkeit des neuen Flughafens. Auch unter verkehrstechnischen Gesichtspunkten ist der Standort bereits seit Jahren unter Beschuss.

Kurz nach der Wiedervereinigung begann in Berlin die Debatte, wie die Bundeshauptstadt ein international bedeutsames Drehkreuz erhalten könne. Es ging um mehrere Standorte, unter anderem um den alten DDR-Flughafen Schönefeld sowie den von den Russen aufgegebenen Militärflughafen im 40 Kilometer südlich von Berlin liegenden Sperenberg.

Noch heute schwärmen Topmanager der Lufthansa hinter vorgehaltener Hand von der Idee, einen Flughafen zwischen Berlin und Leipzig zu bauen. Dort gäbe es Platz genug, um zu wachsen. Vor allem aber hätten in einer dünn besiedelten Region problemlos Flugzeuge die ganze Nacht durch starten und landen können - ein unschätzbarer Vorteil für die Wirtschaft. Entsprechend sprachen sich der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände Berlin und Brandenburg (UVB), Hartmann Kleinert, sowie der Industrie- und Handelskammer, Thomas Hertz, für Sperenberg aus.

Doch daraus wurde nichts. In der Flughafenholding setzt sich nur der damalige brandenburgische Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) für Sprenberg ein. "Ich bin der Meinung, Schönefeld ist ein menschenunfreundlicher Standort", sagte er damals. Die anderen Gesellschafter, das Land Berlin und der Bund, Verkehrsminister Matthias Wissmann (CDU) und der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU), sprechen sich für Schönefeld aus - auch wenn das vergleichende Raumordnungsverfahren zu dem Schluss kam, dass Sperenberg besser geeignet sei als Schönefeld. 2004 endete das Planfeststellungsverfahren mit einem positiven Bescheid für Schönefeld.

Während Berlin-Chef-Air Joachim Hunold stark für den Flughafen wirbt, findet Michael O?Leary, Gründer und Chef von Europas größter Billig-Fluglinie Ryanair, drastische Worte gegen das Projekt: "Der neue Berliner Flughafen ist eine Schwachsinnsidee. Das wird ein sehr teurer, sehr komplizierter Flughafen", wetterte der wortgewaltige Airline-Manager im "Tagesspiegel". Für seine Gesellschaft ist Schönefeld bislang ein optimaler Flughafen - dank der niedrigen Gebühren. Diese aber werden mit der Neueröffnung steigen, damit der Flughafenbetreiber seine Investitionen von mindestens 2,5 Milliarden Euro wieder einspielt.

Die große Schwäche des Flughafens, da sind sich die Experten einig, ist sein Standort. So ist der Flughafen, der auf dem Gelände des bestehenden Flughafens Berlin-Schönefeld entsteht, von Wohngebieten umrahmt. Ursprünglich hatten die Planer errechnet, dass etwa 25.500 Wohnungen für insgesamt 43.000 Menschen mit zusätzlichem Lärmschutz ausgestattet werden müssen. Die Kosten: 140 Millionen Euro.

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  • ich kann Rick nur recht geben - die Luftverkehrsplanung in berlin läßt wirklich zu wünschen übrig. Die Flugroutenplanung folgt iCAO-Vorgaben und ist für jemanden, der sich halbwegs auskennt, nicht wirklich überraschend.

    Seltsam auch, daß man in berlin glaubt, mit einem riesigen Flughafen alles abdecken zu können, während man in London über einen weiteren Flughafen nachdenkt (zustätzlich zu Heathrow, Gatwick, City und Luton + biggin Hill speziell für die Allgemeine Luftfahrt)

    Seltsam, daß in den USA ganz selbstverständlich auch auf größeren Verkehrsflughäfen die Allgemeine Luftfahrt willkommen ist - oder es sinnvolle Alternativen gibt. beispiel gefällig? im Großraum San Francisco (mit etwa doppelter Einwohnerzahl) gibt es 3 internationale Flughäfen, 8 Regionalflughäfen und 14 unkontrollierte Flugplätze - insgesamt 25, die meisten mit instrumentenverfahren für Schlechtwetter, und alle sind 7x24 an 365 Tagen für Starts und Landungen geöffnet ... und in anderen Städten sieht es nicht viel anders aus ...
    Und berlin? Nur 1 Flughafen für alles von der Cessna 172 bis Airbus 380? Das kann ja nicht funktionieren ...

    Die Europäische Kommission sagt zum Thema:
    "Die allgemeine Luftfahrt und die Geschäftsreiseluftfahrt tragen zur Forschung und Entwicklung im bereich der Luft- und Raumfahrt bei und liefern qualifiziertes Personal für die gesamte Luftfahrtbranche. Sie haben außerdem einen spezifischen sozialen und wirtschaftlichen Nutzen, indem sie bedarfsspezifische, flexible und qualitativ hochwertige beförderungsdienste für Einzelpersonen, Unternehmen und lokale Gemeinschaften gewährleisten. Diese Dienstleistungen ermöglichen es, die Mobilität von Personen, die Produktivität von Unternehmen und den regionalen Zusammenhalt zu verbessern."

    Und was passiert in der "Weltstadt" berlin?

  • ich sage es ja ungern - aber O'Leary hat in dem Punkt Recht: man hätte alles beim Alten belassen sollen. Aber ein gutes hat es ja: ES GibT KEiNE KLEiNEN FLiEGER MEHR iN bERLiN ! Hurra ! Darüber wird nur leider nicht diskutiert, weils keiner mitbekommt...

    Flugverbotszone über Regierungsviertel, Schließung von Tempelhof - nun soll auch noch der Hauptstadtflughafen bbi (Schönefeld) für die allgemeine Luftfahrt gesperrt werden.

    Zitat aus der berliner Morgenpost (20.10.2009)

    "Die Flughafengesellschaft will künftig Privatflieger mit kleinen Maschinen vom Flughafen Schönefeld und künftigen Hauptstadtflughafen bbi fernhalten. "Maschinen mit einem Abfluggewicht bis zu zwei Tonnen sollen in Schönefeld nicht mehr landen. Eine Cessna hat auf einem Verkehrsflughafen nichts mehr verloren. Sie ist zu langsam, und wir verdienen auch nicht genügend Geld", sagte Flughafensprecher Ralf Kunkel. Gleichzeitig gibt die Flughafengesellschaft den betrieb des Terminals für Hobby- und Geschäftsreiseflieger, Allgemeine Luftfahrt genannt, voraussichtlich zum 1. Dezember an die weltweit agierende Execujet Aviation Group ab und erhöht die Start- und Landegebühren für Privatflieger.

    [..]

    bei der Flughafengesellschaft will man nicht von Verdrängung der Geschäftsflieger reden. "Das ist ein interessantes Geschäftsfeld. Wir brauchen aber kostendeckende Gebühren", rechtfertigt Flughafensprecher Ralf Kunkel die neuen Gebühren. bei den Entgelten handele es sich um "marktübliche Preise"."

    ich fasse mal kurz zusammen:

    Entgelte werden "marktgerecht" erhöht - teilweise bis zu 240%
    bbi Schönefeld wird für "kleine" Flugzeuge geschlossen
    Hangarplätze werden einfach gekündigt - ohne Alternativen
    Tempelhof wurde ja schon geschlossen
    berlin - Schönhagen als Alternative ? Eine Autostunde entfernt und bis heute ohne iLS...

    berlin, Du wirst unattraktiv. Hauptsache die Randgruppe "allgemeine Luftfahrt" - dieses doch so "interessante Geschäftsfeld" - kann bleiben wo es will - nur nicht in berlin. Eine Hauptstadt - berühmt für seine Toleranz gegenüber Randgruppen - wie traurig. Die Luft ist 'raus aus berlin. Selbst in Frankfurt kann ich mit einer Cessna oder Piper landen, auch wenn es nicht ganz billig ist und ich nur "geduldet" bin, ich weiß - aber es geht!

    Ja, das ist das richtige Konzept der Flughafengesellschaft berlin, um aus der Wirtschaftskrise herauszukommen, da bin ich mir ganz sicher. besonders die noch fehlenden 100 Millionen Euro kommen so ganz schnell zusammen, die man für die iLA 2012 noch dringend benötigt, um die Messe-infrastruktur aufzubauen. Ob das so alles funktioniert? Selbstverständlich muss man sich nun auch die Frage stellen: Kann ich noch mit einem Kleinflugzeug zur iLA fliegen - wo man uns nicht mehr haben will?

    in die Zukunft geht's für uns Privat- und Geschäftsflieger also ohne die Welt-Stadt berlin. Was soll ich dazu noch sagen - schade, berlin is closed.

    Rick, Pilot CPL/iR auf KingAir 90

    PS.: Der ADAC Flieger ist auch nur ein "kleiner" Flieger, mal sehen, wo es dann mit den Verletzten oder den Spenderorganen hingeht - jedenfalls nicht mehr nach berlin in die Charité, soviel steht fest :-(


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