Flughafen Düsseldorf
Lufthansa forciert Dezentralisierung

Die Deutsche Lufthansa baut den Flughafen Düsseldorf als dritten Standort in Deutschland aus. Mit mehr Langestreckenflügen vom Rhein aus will die Fluglinie ihre Konkurrenz in Schach halten. Die Dezentralisierungsstrategie kommt gerade noch rechtzeitig.

DÜSSELDORF. „Die Direktflüge nach New York, Chicago und Toronto ab Mai sind erst der Anfang. Wenn die zurzeit hohe Nachfrage weiter besteht, werden wir ab Düsseldorf in den kommenden Jahren mehr Flüge anbieten. Wenn es sich rechnet und Slots verfügbar sind, auch nach Asien“, sagte Christoph Klingenberg, Bereichsleiter dezentrale Strecken, dem Handelsblatt. Den Drehkreuzen Frankfurt und München werde das neue Interkontinentalangebot nicht schaden, da Düsseldorf aus eigener Kraft wachse.

Mit ihrer Strategie reagiert die Lufthansa auf die Konkurrenz im Interkontinentalverkehr, die in Düsseldorf – dem deutschen Flughafen mit dem größten Einzugsgebiet (18 Millionen Menschen) – und an anderen Flughäfen der zweiten Liga Fuß fasst. Am Rhein ist Air Berlin seit der Übernahme der Düsseldorfer Ferienfluggesellschaft LTU der Platzhirsch. Die zweitgrößte deutsche Fluglinie fertigt mehr Passagiere ab als die Nummer eins Lufthansa und will Düsseldorf zum Drehkreuz mit Langstreckenflügen in die USA und Asien ausbauen.

Fuß gefasst hat in Deutschland auch Emirates. Die Fluglinie aus Dubai verbindet unter anderem Düsseldorf mit Asien, und ab Hamburg geht es nonstop nach New York. Auch die US-Airlines Delta und Northwest heben ab Düsseldorf gen Westen ab. Eine Laus im Pelz der Lufthansa ist auch Finnair, die sich mit ihrer geografischen Lage auf Europa-Asien-Verkehre spezialisiert hat (Flüge via Helsinki sind kürzer). Auch Newcomer wie Jet Airways aus Indien haben Düsseldorf im Visier.

Air Berlin, Emirates und Co. gefährden das Geschäftsmodell der Lufthansa. Seit dem Krisenjahr 2001 bot die deutsche Nummer eins Direktflüge nach Asien oder Amerika nur ab Frankfurt und München an. Anders als Paris oder London sind Frankfurt und München aufgrund der föderalen Struktur Deutschlands aber keine natürlichen Drehkreuze, sondern künstlich geschaffene, die mit Zubringern aus anderen Städten sehr stark gefüttert werden müssen. Das Netzwerk der Lufthansa ist damit komplexer und anfälliger als das zentrierte von British Airways und Air France – und hat auch schon die ersten Risse. Seit 2002 gingen die Buchungen für Zubringerflüge von Düsseldorf nach Frankfurt zurück – nach Informationen des Handelsblatts um rund ein Viertel. Die Flüge wurden deshalb von täglich zehn auf sieben reduziert.„Die Lufthansa hat Düsseldorf und ganz Norddeutschland vernachlässigt – und sich somit angreifbar gemacht“, sagt Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler.

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