Flughafen Hahn Hessen lässt Notar-Termin für Verkauf seiner Anteile platzen

Die hessischen Anteile am Flughafen Hahn können vorerst nicht an die pfälzische ADC verkauft werden. Das Land sagte einen Notar-Termin ab. Rheinland-Pfalz dagegen besiegelte den Verkauf seiner Mehrheitsanteile.
Update: 02.03.2017 - 01:20 Uhr Kommentieren
Der Verkauf des angeschlagenen Flughafens gestaltet sich äußerst kompliziert. Quelle: dpa
Flughafen Hahn

Der Verkauf des angeschlagenen Flughafens gestaltet sich äußerst kompliziert.

(Foto: dpa)

Mainz/HahnDer Verkauf der hessischen Anteile am Hunsrück-Flughafen Hahn an die pfälzische ADC GmbH ist vorerst geplatzt. Das Land Hessen sagte den am Mittwoch geplanten Notartermin überraschend ab, „da sich kurzfristig offene Fragen hinsichtlich der Struktur auf der Käuferseite ergeben haben“. Details nannte ein Sprecher des hessischen Finanzministeriums nicht. „Die Verhandlungen dauern an“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Das schwarz-grün regierte Hessen will seine Anteile von 17,5 Prozent am hoch defizitären Flughafen Hahn an die kleine ADC GmbH verkaufen. Hessens Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) erklärte zu den offenen Fragen: „Das kam für uns überraschend und wird jetzt mit der notwendigen Sorgfalt geklärt. Wir haben die (rheinland-pfälzische) Landesregierung in Mainz vorab über unseren Schritt informiert.“ Im Sommer 2016 waren die Verkaufspläne von Rheinland-Pfalz an die weithin unbekannte chinesische Firma SYT wegen mutmaßlichen Betrugs spektakulär geplatzt.

Das sind Deutschlands unpünktlichste Flughäfen
Platz 9: Flughafen Berlin Tegel
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Die Datenbank des Fluggastdienstleisters EUclaim gibt Auskunft darüber, auf welchen deutschen Flughäfen der Flieger besonders oft zu spät abhebt – oder gar ganz annulliert wird. Der zweite Wert liegt bei Tegel in den Flop drei, 1,7 Prozent aller Flüge wurden 2016 gestrichen. Mit einer Verspätungsquote von 0,14 Prozent liegt Tegel auf dem geteilten neunten Platz, gemeinsam mit...

Quelle: Datenbank EUclaim

Platz 9: Flughafen München
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...dem Flughafen der bayrischen Landeshauptstadt. Auch hier verspäteten sich im letzten Jahr 0,14 Prozent der Flüge. Gezählt werden dabei alle Verspätungen über 180 Minuten. Bei der Ausfallquote liegt München mit 1,76 Prozent Annullierungen bundesweit auf dem zweiten Platz.

Platz 8: Flughafen Düsseldorf
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Auf dem Flughafen der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt verspäteten sich im vergangenen Jahr 0,18 Prozent aller Flüge um mehr als drei Stunden. Annulliert wurden 1,49 Prozent.

Platz 7: Flughafen Hamburg
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Der im vergangenen Jahr in „Helmut-Schmidt-Flughafen“ umbenannte Hamburger Airport verzeichnete 2016 bei 0,22 Prozent aller Flüge große Verspätungen. Ganz gestrichen wurden 1,41 Prozent.

Platz 5: Flughafen Stuttgart
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Auch Stuttgart teilt sich bei den Verspätungen seine Platzierung im Ranking: 0,26 Prozent aller Flüge waren 2016 hier stark verspätet. 1,33 Prozent fielen aus.

Platz 5: Frankfurt
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Deutschlands größter Flughafen verzeichnete 2016 ebenfalls 0,26 Prozent Verspätungen. Annulliert wurden 1,67 Prozent aller Verbindungen.

Platz 2: Flughafen Köln/Bonn
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Und weiter geht es mit geteilten Plätzen – 0,42 Prozent Verspätungen sind der zweitschlechteste Wert im Ranking. Gleich drei deutsche Airports weisen ihn auf, darunter der Flughafen Köln/Bonn. Der Airport der Domstadt musste allerdings nur 1,26 Prozent aller Verbindungen ganz streichen, die zweitwenigsten Annullierungen in Deutschland.

Hessen hatte noch am Mittwoch vor dem Notartermin intensiv mit der pfälzischen ADC GmbH verhandelt, die für den Flughafen Hahn ein Bündnis mit der HNA geschmiedet hat. Wann es zu einem neuen Termin für Hessen beim Notar komme, sei vorerst offen, sagte der Sprecher des Finanzministeriums in Wiesbaden.

Das Ministerium betonte: „Der Flughafen Hahn hat für Hessen keine strategische Bedeutung mehr. Hessen hat für den Flughafen in den vergangenen Jahren keine Verluste ausgleichen müssen.“ Diese belaufen sich jährlich auf um die 16 bis 17 Millionen Euro. Dafür kommt allein Rheinland-Pfalz auf. „Hessens zentrales Interesse ist es, von dem durch Rheinland-Pfalz ausgewählten Käufer einen bestmöglichen Verkaufspreis für die Minderheitenanteile zu erzielen“, teilte das Finanzministerium mit.

Das rheinland-pfälzische Kabinett stimmte dagegen am Mittwoch dem Verkauf der Mehrheitsanteile von 82,5 Prozent an die chinesische HNA Airport Group zu. Vertreter des Landes Rheinland-Pfalz und der chinesischen HNA-Gruppe unterschrieben zudem auch den Kaufvertrag am Mittwochabend bei einem Notar, wie das Innenministerium der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.

Regierungssprecherin Andrea Bähner sagte der Deutschen Presse-Agentur über den hessischen Rückzug mit Blick auf Rheinland-Pfalz: „Das hat zunächst keine Auswirkungen.“

HNA hatte zuvor nach Angaben der Regierung in Mainz den Kaufpreis überwiesen. Das gilt als Voraussetzung für einen erfolgreichen Abschluss. Das Geld ging auf ein Treuhandkonto. Im Gespräch ist ein Preis von rund 15 Millionen Euro. Für den hessischen Anteil sollte der Preis im niedrigen siebenstelligen Bereich liegen.

Wie Fluglärm krank macht
Streitthema Fluglärm
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Das Thema Fluglärm ist hoch emotional und politisch aufgeladen. Anwohner und Flughafen-Betreiber streiten seit Jahren über mögliche Gesundheitsrisiken, Forscher kommen zu teil widersprüchlichen Ergebnissen. Jetzt hat ein Team um den Mainzer Kardiologen Thomas Münzel eine neue Studie vorgestellt. Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick.

Um was geht es?
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2013 wiesen Forscher aus Mainz und Pennsylvania (USA) unter der Leitung von Münzel nach, dass simulierter Nachtfluglärm die Konzentration des Stresshormons Adrenalin im Körper erhöht und die Funktion der Gefäße beeinträchtigt. Nun erklären Münzel und 15 weitere Wissenschaftler im European Heart Journal, über welche Mechanismen die Gefäßschäden zustande kommen. Ihre Erkenntnisse beruhen auf Tierversuchen.

Was haben die Forscher genau gemacht?
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Die Wissenschaftler simulierten im Mäusestall über mehrere Tage hinweg die Geräuschkulisse, die durch Flugzeuge entsteht. Der Fluglärm erreichte dabei eine Lautstärke von bis zu 85 Dezibel. Dabei untersuchten die Forscher, wie die Mäuse darauf im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die keinem Fluglärm ausgesetzt war, reagierten.

Was kam dabei heraus?
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Bereits nach einem Tag habe Fluglärm eine Gefäßstörung (endotheliale Dysfunktion) ausgelöst und den Pegel von Stresshormonen wie Adrenalin, Noradrenalin und Cortison steigen lassen, berichtet Münzel. Die Hormone aktivieren die Innenschicht der Gefäße, was für eine höhere Durchlässigkeit von Entzündungszellen sorge.

Außerdem beobachteten die Forscher, dass große Mengen freie Radikale gebildet wurden – das sind Molekülteilchen, die Zellen schädigen können. Bei der Kontrollgruppe traten diese Effekte nicht auf.

Was heißt das für diejenigen, die von Fluglärm betroffen sind?
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Die Forscher halten es für möglich, dass körperliches Training oder Herzmedikamente wie etwa Blutdrucksenker in der Lage sind, die Schäden einer solchen Gefäßfunktion durch Fluglärm zu korrigieren oder künftige Schäden sogar zu verhindern. Das müsse aber noch getestet werden, sagte Münzel. Das Wichtigste sei jedoch, Fluglärm zu reduzieren.

Gab es früher schon Untersuchungen zu Fluglärm und Erkrankungen?
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Die Mainzer Studie von 2013 – Vorläufer der neuen Untersuchung – zeigte, dass sich die Gefäßschädigung durch Fluglärm mit Vitamin C korrigieren lässt. Im gleichen Jahr ergaben Studien im Auftrag des Umweltbundesamtes zum Nachtflugverkehr am Airport Köln/Bonn unter anderem ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

2014 veröffentlichte die Mainzer Uniklinik eine Studie, nach der Fluglärm bei Patienten mit koronarer Herzerkrankung oder einem hohen Risiko dafür zu deutlichen Gefäßschäden und erhöhtem Blutdruck führt.

Gibt es auch Studien, die zu einem anderen Schluss kommen?
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2015 kam die Untersuchung NORAH (Noise-Related Annoyance, Cognition and Health) im Auftrag des Landes Hessen heraus. Sie ergab: Fluglärm erhöht das Depressionsrisiko, hat aber keinen Effekt auf den Blutdruck, ein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bestehe eher bei Bahnlärm.

Rheinland-Pfalz war bisher davon ausgegangen, das Verfahren bis Ende April unter Dach und Fach bringen. Zuvor müssen noch Gespräche mit der EU-Kommission über staatliche Beihilfen geführt werden, der Mainzer Landtag muss dem Verkauf zustimmen und es sind noch rechtliche Genehmigungen notwendig.

Die Landtagsopposition in Rheinland-Pfalz warf der Ampel-Koalition mangelnde Transparenz vor. „Auch zum aktuellen Verfahren hat die Landesregierung das Parlament bisher nur unzureichend informiert“, kritisierte CDU-Fraktionsvizechef Alexander Licht. AfD-Fraktionschef Uwe Junge sprach von einem „Hals-über-Kopf-Verkauf“ des Flughafens.

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