Flughafen Hahn und die Chinesen
Bruchlandung auf dem Hunsrück-Airport

Der Verkauf des Flughafens Hahn an chinesische Investoren steht vor dem Aus. Die Politik erlebt eine Neuauflage des Nürburgring-Debakels. Doch auch die Wirtschaftsprüfer von KPMG müssen sich peinlichen Fragen stellen.

Mainz/Düsseldorf/FrankfurtDer Verkauf des Flughafens Hahn wird zum Debakel – für die rheinland-pfälzische Landesregierung, aber auch für die Unternehmensberatung KPMG. Die Landtagsopposition erhöht angesichts der Turbulenzen den Druck auf Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). „Wir haben allen Grund zur Skepsis, wenn eine Landesregierung mit einem Phantom verhandelt“, sagte CDU-Fraktionschefin Julia Klöckner in Mainz. „Das sieht nach Wählertäuschung aus.“

Es gehe um Millionen Euro und um Hunderte Arbeitsplätze am Flughafen Hahn. Der rheinland-pfälzische Landtag kommt am Donnerstag nächster Woche zu einer Sondersitzung zusammen, wie ein Landtagssprecher am Donnerstag mitteilte.

Denn der Verkauf des verschuldeten Hunsrück-Airports an das chinesische Unternehmen Shanghai Yiqian Trading (SYT) ist offenbar geplatzt: Die Firma ist nach Angaben von Innenminister Roger Lewentz (SPD) mit einer vereinbarten Teilzahlung für Grundstücke in Verzug und hat eine Frist verstreichen lassen. Die Landesregierung stoppte den Verkaufsprozess vorerst.

Die Landesregierung betont, dass die Vertragsbeziehung zu dem chinesischen Unternehmen noch besteht. Notfalls soll aber mit zwei früheren Interessenten verhandelt werden. Einer von ihnen ist die ADC Group, der der China-Experte und frühere rheinland-pfälzische Wirtschaftsstaatssekretär Siegfried Englert vorsteht. Sie bietet als Kaufpreis einen Euro – und will Schulden in Millionenhöhe übernehmen.

Als Grund für die Verzögerung der Teilzahlung gab die SYT laut Innenminister Lewentz eine fehlende Genehmigung der chinesischen Regierung an. Die Landesregierung ist deshalb auch in Kontakt mit China. Sie prüft rechtliche Schritte gegen SYT.

Der säumige chinesische Käufer Shanghai Yiqian Trading (SYT) hält dennoch am Erwerb des verlustträchtigen Flughafens Frankfurt Hahn fest. „Der Kaufprozess ist zu 70 bis 80 Prozent abgeschlossen“, sagte Projektmanager Kyle Wang der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Freitagausgabe) laut Vorabbericht. Er versuchte Zweifel an der Seriosität des Käufers zu zerstreuen. Der asiatische Konzern, der hinter dem Investmentvehikel stehe, sei solvent und eine Macht in der Bauindustrie, sagte Wang.

Die rheinland-pfälzische Landesregierung dem chinesischen Käufer SYT eine letzte Chance geben. Wenn das Unternehmen die geforderten Belege weiter nicht vorlege, werde „eine Art zweite Mahnung kommen“, sagte Innenminister Lewentz am Donnerstag in Mainz. Zugleich habe das Land die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG gebeten, bei den beiden anderen Bietern anzufragen, ob sie weiter an einem Kauf des Flughafens im Hunsrück interessiert seien. Dabei handelt es sich um ein nicht bekanntes amerikanisch-chinesisches Unternehmen und die pfälzische ADC GmbH.

Die Genehmigung chinesischer Behörden für einen Geldtransfer könne sehr lange dauern, sagte Lewentz. Deswegen sehe der Vertrag eine Zahlung des gesamten Kaufpreises in zweistelliger Millionenhöhe bis zum 31. Oktober vor. In einer Nebenabrede sei vereinbart worden, den Preis für ehemalige Militärgrundstücke am Hahn bereits zum 10. Juni zu überweisen. Als das Geld nicht eingetroffen sei, sei am Dienstag vergangener Woche eine Mahnung verschickt worden und die Aufforderung, innerhalb einer Woche die chinesische Dienststelle für die Genehmigung des Transfers und das Aktenzeichen dafür zu nennen.

Wenn sich SYT vertragstreu verhalte, werde mit den Fraktionen im Landtag darüber geredet, das seit Mittwoch unterbrochene Gesetzgebungsverfahren wieder aufzunehmen, sagte Lewentz. Ohne dieses Hahn-Gesetz könne der Kaufvertrag auch nicht wirksam werden.

Peinlich ist der Verkaufsstopp vor allem für KPMG. Vor dem Deal hatten die Wirtschaftsprüfer dem Käufer SYT noch attestiert, es gebe für Risiken keine Anhaltspunkte. Das habe man in einer „Integritätsprüfung“ herausgefunden. Auch Liquidität sei bei den Chinesen zur Genüge vorhanden.

Die Prüfungsfirma war von Mainz mit der Abwicklung des Verkaufs beauftragt worden, ein Bericht des Rundfunksenders SWR weckt nun aber schwere Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit. Denn „Anhaltspunkte für entsprechende Risiken“, die KPMG angeblich nicht vorlagen, fand der Sender mühelos bei einem Besuch des angeblichen SYT-Partners in Schanghai: Den vermeintlichen Geldgeber des chinesischen Hahn-Käufers, die „Shanghai Guo Qing Investment Company“, fanden die Reporter bei der angegebenen Firmenadresse nicht. Dafür einen Reifenhändler. Dieser hause in einem „leicht schäbigen Büro mit Pappkartons“.

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Niemand kannte den angeblichen Investor niemand

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