Flughafen Köln/Bonn gewährt "Entwicklungsförderung"
Keine Subventionen für Billigflieger

Deutsche Flughafenbetreiber lehnen es ab, Billigflieger zu subventionieren, wenn diese die Flughäfen anfliegen. „Billigfluglinien zahlen bei uns nach den selben Standards ihre Gebühren wie auch die großen etablierten Fluggesellschaften“, betont eine Sprecherin der Flughafen Köln/Bonn GmbH. „Sonderkonditionen, etwa bei den Start- oder Landegebühren, gibt es nicht.“

dp DÜSSELDORF. Im französischen Straßburg hatte ein Gericht den Betreibern des örtlichen Flughafens verboten, der irischen Fluglinie Ryanair Subventionen zu zahlen. Die Industrie- und Handelskammer hatte zugesagt, Ryanair fünf Jahre lang mit jährlich 560 000 Euro Subventionen zu unterstützen, um die Fluggesellschaft dazu zu bewegen, die Strecke London-Straßburg in den Flugplan aufzunehmen. Die Straßburger Richter halten das für eine Wettbewerbsverzerrung. Ryanair hat gegen das Urteil Einspruch eingelegt.

Angesichts des Straßburger Rechtsstreits betonen deutsche Flughäfen, dass sie alle Fluggesellschaften gleich behandeln. Köln/Bonn gewähre wohl bei der Eröffnung neuer Strecken eine so genannte „Entwicklungsförderung“, etwa beim Marketing oder in der PR-Arbeit, gibt die Sprecherin zu, aber die käme ohne Unterschied den großen Fluggesellschaften ebenso zu Gute wie Billigfliegern. Köln/Bonn sieht sich auf dem europäischen Kontinent als Marktführer bei den Billigfliegern.

Auch der Regionalflughafen Karlsruhe/Baden-Baden berechne seine „Gebühren ohne Unterschied nach Linien- oder Discountflieger auf der Basis unserer Entgeltordnung“, betont eine Sprecherin der privaten Flughafenbetreiberin Baden-Airpark GmbH. Weil die französische Justiz über den Einspruch der Fluglinie noch nicht entschieden hat, hat Ryanair die Flüge nach Straßburg vorerst eingestellt und will statt dessen den grenznahen Flughafen von Baden-Baden 24. September zweimal täglich bedienen.

Für die Badener ist Ryanair der erste Discountflieger, der ihren Flughafen ansteuert. Obwohl sich der Flughafen lange um „No Frills“-Carrier bemüht hat, erwartet das Management keinen Billig-Boom: „Unser Flughafen ist fast zu hundert Prozent mit Charterflügen ausgelastet.“

Ryanairs Konkurrenten registrieren die Entscheidung der Straßburger Richter „mit einer gewissen Genugtuung“. Hapag Lloyd Express, der Billigflieger der Tui, fliegt eigenen Angaben zufolge nur „Primär- und Sekundärflughäfen“ an, und nicht die so genannten „Tertiär-Airports“ in der Provinz, die um Fluglinien buhlen müssen. Auch ein Sprecher der Billig-Linie Germanwings erklärt kategorisch: „Wir zahlen normale Gebühren.“ Wie Hapag Lloyd Express fliege Germanwings nur zentrale Airports an. Kosten würden sie nicht über die regulären Gebühren, sondern nur über zusätzliche Dienstleistungen der Flughäfen, wie zum Beispiel beim Tanken oder der Flugzeugreinigung, einsparen.

Mit Spannung erwarten Discountflieger und Regionalflughäfen nun eine Entscheidung der EU-Kommission, die noch in diesem Herbst kommen soll. Die Wettbewerbswächter müssen in einem ähnlichen Fall wie Straßburg entscheiden: ob der belgische Airport in Charleroi mit seinen Zahlungen an Ryanair gegen europäisches Wettbewerbsrecht verstoßen hat.

Quelle: Handelsblatt

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