Flughafenausbau
Anwohnerbedürfnisse vs. Infrastruktur

Für die Industrienation Deutschland ist der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur von großer Bedeutung. Immer häufiger müssen Richter darüber entscheiden, was Anwohnern zumutbar ist. Eine fatale Entwicklung.

Düsseldorf„Made in Germany“ - das ist eine Auszeichnung mit internationaler Schlagkraft. Das galt auch für die Infrastruktur. Viele Jahre schauten ausländische Manager neidisch auf unser Land, auf dessen Mobilfunknetz, die Autobahnen, den Schienenverkehr oder die Luftfahrt. Doch seit einiger Zeit schwindet der Neid, im gleichen Maße, wie das Selbstbewusstsein im Ausland wächst. Man hat dort mächtig aufgeholt, so sehr, dass Deutschland nun droht den Flug in die Zukunft zu verpassen.

Die Liste der Probleme ist lang, die der Ursachen kurz. Die schwerwiegendste: Es gelingt immer weniger, für wichtige Infrastrukturprojekte die notwendige Akzeptanz in der Bevölkerung zu finden. Besonders deutlich wurde das beim Bahnhofsneubau in Stuttgart. Massiv zu spüren bekommen das aber auch die Flughäfen. Ob Frankfurt, München oder Berlin, bis zuletzt und bis zum höchsten Gericht wird um neue Landebahnen und die Betriebszeiten gerungen. Gestern durfte die Luftfahrt-Branche über die per Gericht erlaubten Flüge am späten Abend und frühen Morgen in Berlin jubeln. Zwei Tage zuvor herrschte Schockstarre, weil andere Richter am Großflughafen Frankfurt die Lichter nachts ausgeschaltet haben.

Der Spagat, den die Richter zu bewältigen haben, ist gewaltig. Lokale Interessen stehen globalen gegenüber. Der Spannungsbogen könnte nicht größer sein. In einem so dicht besiedelten Land wie Deutschland ist es nahezu unmöglich geworden, die Infrastruktur weiter auszubauen, ohne die Bedürfnisse von Anwohnern oder anderen „Nachbarn“ zu tangieren. Es mag paradox klingen, aber in diese Situation haben sich die Flughäfen selbst gebracht, wenn auch ungewollt: Wo Verkehrsknoten entstehen, werden diese schnell zu einem Anziehungspunkt für Unternehmen und Institutionen, aber auch für die Menschen, die dort arbeiten und natürlich wohnen wollen. Die Magnetwirkung, auf die die Flughäfen seit Jahren so stolz sind, hat eine Kehrseite.

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Anwohnerbedürfnisse vs. Infrastruktur

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Die Rivalen saßen in Paris oder London

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