Flughafenausbau

Tegel für immer

Behält Berlin langfristig zwei Flughäfen? Internen Dokumenten zufolge soll der Standort Tegel auch nach Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens weiter betrieben werden. CDU und SPD liebäugeln mit dieser Lösung.
Update: 27.06.2013 - 15:34 Uhr 10 Kommentare
Totgesagte leben länger: Der Flughafen Berlin-Tegel soll offenbar doch nicht geschlossen werden. Quelle: dpa

Totgesagte leben länger: Der Flughafen Berlin-Tegel soll offenbar doch nicht geschlossen werden.

(Foto: dpa)

Berlin/DüsseldorfEigentlich war das Ende von Tegel schon beschlossene Sache. Am 2. Juni 2012 sollte der kleinere Hauptstadtflughafen planmäßig geschlossen werden. Doch das Chaos an der Baustelle des neuen Großflughafens in Schönefeld stoppte die Schließungspläne. Nun soll Tegel sogar ausgebaut werden und noch mehr Flüge abfertigen.

Nach Informationen der „Zeit“ sollen in Tegel bis 2017 noch genauso viele Flugzeuge starten wie am neuen Großflughafen in Schönefeld. 42 Maschinen pro Stunde. Ein Pensum, das mit der momentanen Infrastruktur nur schwer zu bewältigen sein wird.

Der Flughafen platzt schon heute aus allen Nähten: Allein in den Monaten Januar bis Mai haben Tegel und Schönefeld gemeinsam 9,92 Millionen Fluggäste abgefertigt, 3,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Ein Ausbau galt darum als beschlossene Sache, ein Umzug nach der Eröffnung auch. Das scheint nun anders zu sein: Aus einem vertraulichen Strategiepapier des Managements geht hervor, dass erst 2015 ein Teilumzug von Tegel erwogen wird.

Am neuen Großstadtflughafen ist nicht mit einer raschen Eröffnung zu rechnen. Aus einem weiteren internen Dokument geht hervor, dass die Kabeltrassen weiterhin Probleme bereiten. In der aktuellen Mängelliste sind 1.524 Brandschutzmängel aufgeführt. Eine vollständige Inbetriebnahme vor Oktober 2015 scheint diesen Plänen zufolge ausgeschlossen.

Zuletzt hatte sich daher auch BER-Chef Hartmut Mehdorn für eine dauerhaften Betrieb von Tegel ausgesprochen. „Es gibt keine Hauptstadt dieser Welt, die nur zwei Landebahnen hat“, sagte er dem „Spiegel“. Der Airport in Tegel sei nötig als „Notfallreserve“.

Bis 2019 soll Tegel nun gar zum „Premiumstandort“ weiterentwickelt und damit unbefristet weiter betrieben werden. Dafür brauchen die Flughafenmanager aber immer noch die Zustimmung der Politik. Bisher hatten die Verantwortlichen weiter an einer Schließung festgehalten. Laut Planfeststellungsbeschluss müsste der Flughafen Berlin Tegel ein halbes Jahr nach Inbetriebnahme des neuen Willy-Brandt-Flughafens stillgelegt werden. Die neuen Pläne für Tegel stehen ohnehin unter einem schlechten Stern. Mehrere Bürgerbewegungen haben sich bereits in Stellung gebracht, um den weiteren Betrieb des zweiten Berliner Flughafens zu verhindern.

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10 Kommentare zu "Flughafenausbau: Tegel für immer"

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  • Mit der Schließung von Tegel hätte Berlin überhaupt keinen Flughafen mehr, denn der BER liegt bekanntlich in Brandenburg!!!

  • Das ganze ist ein Teufelskreis.
    Solange in Berlin die politische Doktrin herrscht, es sei etwas Erstrebenswertes, arm aber sexy zu sein, lebt die Stadt vom politischen Betrieb, Medienansiedlungen und kleinen Selbständigen, die heutzutage mobil und global unterwegs sind. Der Rest sind Touristen und solche, die von vorhandenem Vermögen (das wird demnächst unter Rot/Grün versteuert werden und der Rest wird inflationiert) oder von staatlichem Transfereinkommen leben.
    Eine solche Hauptstadt ist mit den anderen Hauptstädten der großen Industriestaaten nicht vergleichbar. Sie ist wirtschaftlich betrachtet ein kleines unbedeutendes Provinzdorf, das im Direktvergleich mit Industriestandorten wie Königstein, Bielefeld, Gräfelfing, Bad Soden und wie sie alle heißen klein und wirtschaftlich erbärmlich dastehen würde.
    Es genügt eben nicht, umzuverteilen.
    Für ein Paradies der Umverteilung ohne Gegenleistung würde ein Flughafen vollständig reichen, und der heißt Tegel.
    Alles andere ist angesichts der Kassenlage Wahnsinn.

  • Die Betriebsgenehmigung von Tegel erlischt ein halbes Jahr nach Inbetriebnahme von BER. Sonst wäre ich auch schonlange vor Gericht. Möchte man Tegel als Flughafen nutzen, muss man neue Anträge stellen. Unabhängig davon war Tegel nur aufgrund einer besonderen Situation überhaupt so nutzbar: Die Mauer. Es gibt Gesetze zum Schallschutz. Ich selber wohne U-Rehberge - angeblich recht weit außerhalb der Flugrouten. Aber 1. dürfen Piloten von Flugrouten einfach abweichen, 2. ist es dennoch unerträglich laut (oft selbst nachts) und 3. wird es unbezahlbar, die ganze nördliche Stadt mit Schallschutz auszustatten, was bisher ja aufgrund der Besonderheiten nicht passierte (Mauer, Schließungspläne usw.). Auch haben Anwohner auf ihre Rechte verzichtet (bisher), weil man sich auf das Ende freut. Auch müsste man Tegel praktisch neu bauen - was ja auch ein Grund für einen Neubau war. Der Flughafen ist doch nur ne Konservendose, die dringend erneuert werden müsste. Dann bauen wir doch 2 Flughäfen, die beide nicht genutzt werden können.

    Wenn man schon neu plant, dann Sperenberg (oder auch Leipzig; 1 h weg) und baut ein Drehkreuz wie man es sich wünscht und nutzen kann.

  • Da BER mit der derzeitigen Kapazität vermutlich gerade mal das komplette Aufkommen von TXL abfertigen kann, wird TXL vermutlich für Direktflüge nach Berlin geöffnet bleiben, damit sich in BER der erhoffte Hub-Verkehr von AirBerlin und OneWorld entwickeln kann. Anders wird BER auch nur ein mittelgroßer europäischer Regionalflughafen an der Kapazitätsgrenze sein. Ist ja auch sinnvoll, keine Großstadt der Welt hat nur einen Flughafen. Mal sehen wann das die inkompetente Bande in der Politik das einsieht.

  • Tegel bleibt wahrscheinlich für immer, aus dem folgenden banalen Grund:

    Der neue Großflughafen Berlin-Brandenburg (BER) ist zu klein.

    http://www.sueddeutsche.de/politik/planungsdesaster-berlin-brandenburg-berliner-flughafen-gilt-schon-jetzt-als-zu-klein-1.1539083

  • Jede Stadt der Welt wäre glücklich einen solchen Flughafen wie Tegel zu haben, sei es als Reserve, sei es um das Flugaufkommen zu entzerren. Denkbar wäre z.B. durchaus auch eine Zweiteilung so wie Kuala Lumpur oder Jakarta, d.h. Schönefeld macht irgendwann mal den Linienverkehr und den internationalen Verkehr und Tegel macht die Billigflieger. Aber vermutlich werden sich die von linken Altachtundsechzigern beherrschten Verwaltungsgerichte hinter ein paar Anwohner stellen, die nun hoffen, daß ihre Villen im Preis steigen wenn der Flughafenbetrieb eingestellt wird, oder Claudia Roth findet eine bedrohte Tierart in Tegel, die schnellstens vor weiterem Flugbetrieb geschützt werden muß.
    Dann wird Tegel mit 300 Steuermillionen zurückgebaut und beim ersten Problem in Schönefeld ist die Hauptstadt des wichtigsten europäischen Landes so gut wie nicht mehr erreichbar.

    Man muß in Berlin halt immer mit dem Schlimmsten rechnen und dann kommt es immer sogar noch dicker.

  • Da der neue Flughafen von Berlin in diesem Jahrhundert eh nicht mehr fertig wird, erübrigt sich die Frage mit dem "Parrallel Laufen" eh. // Ironie aus

    Aber mal ehrlich - Berlin kann sich 2 Flughäfen nicht leisten - eigentlich können sich die Berliner nicht mal einen leisten, wenn man sich die Finanzen mal so anschaut. Und ökonomischer Schwachsinn wäre es allemal - man müsste 2 Flughäfen in Schuss halten wo nur einer benötigt würde. Sowas leisten sich nicht viele Städte auf der Welt und wenn, dann sind die bedeutend größer und wichtiger als Berlin. Deswegen wurde Tempelhof ja auch schon geschlossen. Als Drehkreuz ist nunmal Berlin ungeeignet.
    Also liebe Berliner - ein "Millionengrab" für die Steuerzahler reicht völlig aus. Man muss nicht so dekadent sein sich, nur weil Hauptstadt, 2 davon leisten zu wollen.

  • Ach was, Berlin wird nur einen Flughafen haben - Tegel. Die Ruine in Schönefeld wird sowieso nicht eröffnet. Das Baumaterial wird abgetragen und für den Schloßbau verwendet.

    Dafür läßt sich Wowereit in Schönefeld auf dem freigewordenen Gelände ein Tadsch Mahal errichten ...

  • Bei der herrschenden Politikerkaste kann ich mir nicht vorstellen, dass Tegel bleibt.
    Es wäre vernünftig.

  • Es wäre sehr zu wünschen, dass Tegel im Parallelbetrieb zu BER Schönefeld weiter für den Linienflug bestehen bleibt.
    Die Entscheider, die mit sozialistischer Zentralismus-Attidüde in Schönefeld einen Turmbau zu Babel allererster Güte hingelegt haben, werden bis dahin ohnedies lange nicht mehr im Amt sein. Die haben genug schaden angerichtet.

    Wer sich ein Bild davon machen will, kann ja am Sonntag mal auf dem toten Tempelhofer Flughafen beim Drachensteigen zusehen und das Gras auf der ehemaligen Landebahn beim Wachsen beobachten.

    Früher nannte man so etwas "gezielte De-Industrialisierung" - heute nennt man das Grünflächenerholungsgebiet.

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