Flughafenausbau
Tegel für immer

Behält Berlin langfristig zwei Flughäfen? Internen Dokumenten zufolge soll der Standort Tegel auch nach Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens weiter betrieben werden. CDU und SPD liebäugeln mit dieser Lösung.
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Berlin/DüsseldorfEigentlich war das Ende von Tegel schon beschlossene Sache. Am 2. Juni 2012 sollte der kleinere Hauptstadtflughafen planmäßig geschlossen werden. Doch das Chaos an der Baustelle des neuen Großflughafens in Schönefeld stoppte die Schließungspläne. Nun soll Tegel sogar ausgebaut werden und noch mehr Flüge abfertigen.

Nach Informationen der „Zeit“ sollen in Tegel bis 2017 noch genauso viele Flugzeuge starten wie am neuen Großflughafen in Schönefeld. 42 Maschinen pro Stunde. Ein Pensum, das mit der momentanen Infrastruktur nur schwer zu bewältigen sein wird.

Der Flughafen platzt schon heute aus allen Nähten: Allein in den Monaten Januar bis Mai haben Tegel und Schönefeld gemeinsam 9,92 Millionen Fluggäste abgefertigt, 3,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Ein Ausbau galt darum als beschlossene Sache, ein Umzug nach der Eröffnung auch. Das scheint nun anders zu sein: Aus einem vertraulichen Strategiepapier des Managements geht hervor, dass erst 2015 ein Teilumzug von Tegel erwogen wird.

Am neuen Großstadtflughafen ist nicht mit einer raschen Eröffnung zu rechnen. Aus einem weiteren internen Dokument geht hervor, dass die Kabeltrassen weiterhin Probleme bereiten. In der aktuellen Mängelliste sind 1.524 Brandschutzmängel aufgeführt. Eine vollständige Inbetriebnahme vor Oktober 2015 scheint diesen Plänen zufolge ausgeschlossen.

Zuletzt hatte sich daher auch BER-Chef Hartmut Mehdorn für eine dauerhaften Betrieb von Tegel ausgesprochen. „Es gibt keine Hauptstadt dieser Welt, die nur zwei Landebahnen hat“, sagte er dem „Spiegel“. Der Airport in Tegel sei nötig als „Notfallreserve“.

Bis 2019 soll Tegel nun gar zum „Premiumstandort“ weiterentwickelt und damit unbefristet weiter betrieben werden. Dafür brauchen die Flughafenmanager aber immer noch die Zustimmung der Politik. Bisher hatten die Verantwortlichen weiter an einer Schließung festgehalten. Laut Planfeststellungsbeschluss müsste der Flughafen Berlin Tegel ein halbes Jahr nach Inbetriebnahme des neuen Willy-Brandt-Flughafens stillgelegt werden. Die neuen Pläne für Tegel stehen ohnehin unter einem schlechten Stern. Mehrere Bürgerbewegungen haben sich bereits in Stellung gebracht, um den weiteren Betrieb des zweiten Berliner Flughafens zu verhindern.

Kommentare zu " Flughafenausbau: Tegel für immer"

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  • Mit der Schließung von Tegel hätte Berlin überhaupt keinen Flughafen mehr, denn der BER liegt bekanntlich in Brandenburg!!!

  • Das ganze ist ein Teufelskreis.
    Solange in Berlin die politische Doktrin herrscht, es sei etwas Erstrebenswertes, arm aber sexy zu sein, lebt die Stadt vom politischen Betrieb, Medienansiedlungen und kleinen Selbständigen, die heutzutage mobil und global unterwegs sind. Der Rest sind Touristen und solche, die von vorhandenem Vermögen (das wird demnächst unter Rot/Grün versteuert werden und der Rest wird inflationiert) oder von staatlichem Transfereinkommen leben.
    Eine solche Hauptstadt ist mit den anderen Hauptstädten der großen Industriestaaten nicht vergleichbar. Sie ist wirtschaftlich betrachtet ein kleines unbedeutendes Provinzdorf, das im Direktvergleich mit Industriestandorten wie Königstein, Bielefeld, Gräfelfing, Bad Soden und wie sie alle heißen klein und wirtschaftlich erbärmlich dastehen würde.
    Es genügt eben nicht, umzuverteilen.
    Für ein Paradies der Umverteilung ohne Gegenleistung würde ein Flughafen vollständig reichen, und der heißt Tegel.
    Alles andere ist angesichts der Kassenlage Wahnsinn.

  • Die Betriebsgenehmigung von Tegel erlischt ein halbes Jahr nach Inbetriebnahme von BER. Sonst wäre ich auch schonlange vor Gericht. Möchte man Tegel als Flughafen nutzen, muss man neue Anträge stellen. Unabhängig davon war Tegel nur aufgrund einer besonderen Situation überhaupt so nutzbar: Die Mauer. Es gibt Gesetze zum Schallschutz. Ich selber wohne U-Rehberge - angeblich recht weit außerhalb der Flugrouten. Aber 1. dürfen Piloten von Flugrouten einfach abweichen, 2. ist es dennoch unerträglich laut (oft selbst nachts) und 3. wird es unbezahlbar, die ganze nördliche Stadt mit Schallschutz auszustatten, was bisher ja aufgrund der Besonderheiten nicht passierte (Mauer, Schließungspläne usw.). Auch haben Anwohner auf ihre Rechte verzichtet (bisher), weil man sich auf das Ende freut. Auch müsste man Tegel praktisch neu bauen - was ja auch ein Grund für einen Neubau war. Der Flughafen ist doch nur ne Konservendose, die dringend erneuert werden müsste. Dann bauen wir doch 2 Flughäfen, die beide nicht genutzt werden können.

    Wenn man schon neu plant, dann Sperenberg (oder auch Leipzig; 1 h weg) und baut ein Drehkreuz wie man es sich wünscht und nutzen kann.

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