Flughafenbetreiber BAA
Immer Ärger mit Heathrow

Vor zwei Jahren ließen wochenlange wilde Streiks tausende Urlauber in Heathrow stranden. Nun wollen militante Klimaschützer den Londoner Flughafen lahm legen. Diese Posse bringt für den Flughafenbetreiber BAA das Fass zum Überlaufen. Denn BAA steht nicht nur seitens der Demonstranten unter Beschuss.

LONDON. Morgens um sieben am Nordrand des Londoner Flughafens Heathrow: Ein paar Dutzend bunte Iglu-Zelte gruppieren sich um ein paar große weiße Zelte auf einer Wiese an der Landstraße von Sipson nach Harlington. Von oben prasselt seit Stunden erbarmungslos der Regen. „Hätte ich doch meine Gummistiefel an“, flucht der Kameramann, der am Rande des Lagers unter einem notdürftig aufgestellten Pavillon sein Stativ aufstellt. Nebenan spricht eine Reporterin die erste Live-Schalte fürs Frühstücksfernsehen, während ein paar hundert Meter entfernt ein startender Jet seine Triebwerke aufbrüllen lässt.

Die Kamerateams harren in Erwartung dramatischer Bilder aus: Für Sonntag sind handgreifliche Aktionen angekündigt. Militante Klimaschützer wollten Heathrow lahm legen, indem sie herrenlose Koffer in den Terminals platzieren und das Rollfeld entern, berichtete ein Reporter des „Evening Standard“, der sich als Aktivist ins Lager geschlichen hat. Die Polizei, die mit mehreren Hundertschaften das Camp belauert, hat die Zufahrtstraße abgeriegelt und droht mit den Anti-Terror-Gesetzen. Eine Medienkampagne, klagen die Camper und sperren die Journalisten aus. Nur eine Führung am Tag gibt es.

Diese Posse bringt für den Flughafenbetreiber BAA das Fass zum Überlaufen. Vor zwei Jahren ließen wochenlange wilde Streiks tausende Urlauber in Heathrow stranden, vergangenes Jahr die Aufdeckung einer Terror-Verschwörung. Und dieses Jahr die Klima-Demonstranten? Schon seit Monaten geht ein Trommelfeuer der Kritik auf das Unternehmen nieder, das die meisten britischen Flughäfen betreibt und seit 2006 zum spanischen Infrastruktur-Konzern Ferrovial gehört. Politiker, Wirtschaftsführer, Fluggesellschaften, Anwohner – alle schimpfen auf BAA und Heathrow, den Moloch am Westrand Londons.

68 000 Menschen arbeiten auf dem Flughafen, auf dem es fast eine halbe Million Flugbewegungen mit fast 68 Millionen Passagieren gibt. Damit ist Heathrow eines der größten Drehkreuze im Luftverkehr. Trotz Investitionen von rund fünf Mrd. Euro in den vergangenen zehn Jahren ist die Infrastruktur nicht mit der Nachfrage gewachsen. Darum will BAA in den nächsten zehn Jahren doppelt so viel für zwei neue Terminals ausgeben. Heiß umstritten ist die dritte Landebahn – für sie müssten die Orte Sipson und Harlington weichen.

Dass der Flughafen aus allen Nähten platzt, ist nicht zu übersehen. Der zentrale Komplex mit den Terminals 1 bis 3 – zwischen 1955 und 1969 eröffnet – ist eng und renovierungsbedürftig. Während die Aktivisten in ihren Zelten frieren, schwitzen die frühen Passagiere in langen Warteschlangen. In Terminal 2, von dem auch Lufthansa-Flüge starten, ist die Eincheckzone ein Labyrinth aus Absperrbändern. Der Saal ist kaum mehr als zwei Meter hoch, so dass die Luft schon morgens steht, und so schmal, dass Warteschlangen nur im Zickzack zu organisieren sind.

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