Flughafenbetreiber
Kartellermittlungen erschweren die Übernahme von BAA

Die Ermittlungen der britischen Kartellbehörde OFT könnten im Extremfall zu einer Aufspaltung des dominierenden Flughafenbetreibers BAA führen. Das freut einige Fluggesellschaften.

HB LONDON. Die britische Kartellbehörde OFT prüft überraschend den Flughafenmarkt. Die Ermittlungen könnten im Extremfall zu einer Aufspaltung des dominierenden Flughafenbetreibers BAA führen, bestätigte eine Sprecherin der OFT gestern in London. Genau das fordern große Kunden wie Ryanair und Virgin Atlantic, die die Gebühren an den britischen Airports zu hoch finden. Für das Konsortium um den spanischen Baukonzern Ferrovial, das BAA kaufen will, ist die Ankündigung ein Rückschlag. BAA bezifferte gestern den Wert des Konzerns auf deutlich mehr als zehn Mrd. Pfund (14,6 Mrd. Euro) und versprach den Anteilseignern kräftige Dividendenerhöhungen und eine hohe Sonderausschüttung.

Der Wettbewerb im Luftverkehr sei extrem wichtig für die britische Wirtschaft, sagte OFT-Chef John Fingleton. Die Behörde werde einen scharfen Blick auf den Flughafenmarkt werfen, um festzustellen, ob die gegenwärtige Marktstruktur das beste Resultat für Passagiere bringe. Eine Sprecherin ergänzte, die Prüfung könne nach einem mehrstufigen Entscheidungsprozess in einigen Jahren theoretisch zu einer Aufspaltung von BAA führen.

Über die Flughäfen des Unternehmens reisen laut OFT 63 Prozent aller Passagiere, die in Großbritannien ihren Flug beginnen oder beenden. In Schottland beträgt der Marktanteil 86 Prozent, im Großraum London sogar 92 Prozent. Weltweit ist BAA der größte Flughafenbetreiber mit sieben britischen und Beteiligungen an zwölf ausländischen Airports.

Das Unternehmen zeigte sich „völlig überrascht“ von den Ermittlungen. „Wir können doch gar nicht mehr reguliert sein“, sagte Vorstandschef Mike Clasper in einer Telefonkonferenz. Die Flughafen-Aufsichtsbehörde CAA legt Höchstgrenzen für Flughafengebühren fest und vereinbart Investitionspläne mit der BAA. Sie hat zuletzt davor gewarnt, dass sie keine Rücksicht darauf nehmen werde, wenn sich die finanzielle Lage von BAA durch den Übernahmekampf verschlechtere.

Die Fluggesellschaften freuten sich über das Vorgehen der OFT. Er hoffe, dass das Monopol der BAA aufgebrochen werde, sagte Ryanair-Chef Michael O’Leary. Ein Sprecher von Virgin Atlantic pflichtete ihm bei. Für Ferrovial ist das Vorgehen der Behörde eine schlechte Nachricht. Die Ermittlungen seien geeignet, Bieter abzuschrecken, sagten Analysten. Sie erhöhten das Risiko beträchtlich. Die BAA-Aktie rutschte um rund sieben Prozent ab.

BAA hatte zuvor in der offiziellen Stellungnahme zum Ferrovial-Angebot den eigenen Wert auf deutlich über zehn Mrd. Pfund beziffert. Das Konsortium bietet 8,75 Mrd. Pfund, denkt aber über eine Anhebung nach. BAA will 750 Mill. Pfund per Aktienrückkauf an die Aktionäre zurückgeben und die Dividende für 2006/07 um 40 Prozent erhöhen. dih

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