Fluglinie: Japan Airlines erhält Freigabe für Sanierung

Fluglinie
Japan Airlines erhält Freigabe für Sanierung

Japans einstige Vorzeige-Fluglinie Japan Airlines (JAL) hat eine wichtige Hürde auf dem Weg aus der Insolvenz genommen. Regierung und Banken stimmten am Dienstag den Plänen des neuen Managements zu.
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TOKIO. Die Regierung um Premier Naoto Kan sowie die kreditgebenden Banken akzeptierten gestern den Restrukturierungsplan des neuen Managements. Die Crew unter Führung von Kyocera-Gründer Kazuo Inamori gab gestern zugleich die Details des Plans bekannt, nachdem er dem Tokioter Bezirksgericht vorgelegt worden war.

Danach soll die pleitegegangene Fluglinie insbesondere durch einen milliardenschweren Schuldenverzicht der Banken, massive Lohn- und Stellenkürzungen sowie die Streichung von diversen Strecken saniert werden. Sollte das Bezirksgericht den Plan genehmigen, der insgesamt eine Größenordnung von 872 Mrd. Yen (gut acht Mrd. Euro) umfasst, will JAL Ende 2012 zurück in die schwarzen Zahlen und an die Börse.

Die Airline, einst Stolz der Japaner, ist über viele Jahre durch Missmanagement in den Ruin getrieben worden. Im November 2009 musste das Management einen Rekordverlust für das erste Halbjahr des Wirtschaftsjahres von 131,2 Mrd. Yen (1,3 Mrd. Euro) bekannt geben. Ende Januar meldete JAL Insolvenz an und schlüpfte anschließend unter den Schirm der zu Zeiten der Finanzkrise aufgebauten Enterprise Turnaround Initiative Corp. of Japan (Etic). Die Etic hatte nach Prüfung zugesichert, JAL über einen mehrjährigen Zeitraum aufzupäppeln.

Sollte das Bezirksgericht wie erwartet nun im November sein Einverständnis zum Restrukturierungsplan geben, könnte Inamori das Kapital der JAL auf Null setzen. Die Etic will anschließend rund 350 Mrd. Yen in die Fluglinie stecken. Damit ist die Fluglinie laut Experten aber keineswegs automatisch gerettet. „JAL benötigt mehr Geld, um neue Flugzeuge zu kaufen und alte, ineffiziente zu verschrotten“, sagt Yasuhiro Matsumoto, Analyst der Shinsei-Bank. Das Unternehmen, das für das abgelaufene Geschäftsjahr keine Ergebnisse bekannt gab, präsentierte immerhin letzten Monat das erste profitable Quartal innerhalb von zwei Jahren.

Der Restrukturierungsplan enthält im Detail einen Schuldenverzicht von 522 Mrd. Yen. Größte Kreditgeber sind die Finanzgruppen Mitsubishi UFJ, Sumitomo Mitsui, Mizuho und die Entwicklungsbank von Japan. Zudem sollen rund 16 000 Stellen gestrichen werden. Der Service auf 49 Routen wird beendet, 103 Flieger bleiben am Boden. Vorab wurde bereits über Lohnverzicht der Piloten verhandelt.

Die Regierung stärkte Inamori gestern zugleich den Rücken beim Aufbau einer Billigfluglinie. „Wenn wir dieses neue Unternehmen innerhalb der Firmengruppe nicht etablieren, wird diese zerbrechlicher werden“, sagte Verkehrsminister Seiji Maehara. Der Markt der Billigairlines in Japan verspricht noch Gewinne und wächst. Auch Konkurrent ANA, der JAL mittlerweile als größte Fluglinie Japans abgelöst hat, gab kürzlich bekannt, einen Billiganbieter aufzubauen.

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