Fluglinie sucht vergeblich nach frischem Kapital: Swiss-Aktionäre lehnen neue Finanzhilfen ab

Fluglinie sucht vergeblich nach frischem Kapital
Swiss-Aktionäre lehnen neue Finanzhilfen ab

Die Kreditverhandlungen der Schweizer Fluggesellschaft Swiss ziehen sich immer weiter in die Länge. Der Nachfolger der bankrotten Swissair ist seit vielen Monaten auf der Suche nach einem Betriebsmittelkredit in Höhe von 400 bis 500 Mill. sfr. Bei den Verhandlungen stößt die Swiss jedoch auf zugeknöpfte Banken und Großaktionäre.

ebe DÜSSELDORF. Informationen der Nachrichtenagentur AP zufolge hieß es bei den Pharmakonzernen Novartis und Roche übereinstimmend, ein nochmaliges finanzielles Engagement stünde nicht zur Diskussion. „Wir sind keine Bank“, sagte auch Marcel Rubin, Sprecher des Nahrungsmittelkonzerns Nestlé. Allein der Telekom-Konzern Swisscom hat bisher seine Bereitschaft angekündigt, der hochdefizitären Fluglinie noch einmal unter die Flügel greifen zu wollen – allerdings nur im Verbund mit anderen Aktionären. Neben Bund und Banken half ein halbes Dutzend weiterer Schweizer Unternehmen beim Neustart des Swissair-Nachfolgers 2002 mit. Für ihren Kapitaleinsatz von je 100 Mill. sfr erhielten die Konzerne je 3,4 % der Swiss-Aktien. Ein erneutes finanzielles Flug-Abenteuer will die Schweizer Wirtschaft jedoch offenbar nicht mehr wagen: Swiss-Life-Chef Rolf Dörig ließ ausrichten, für eine weitere finanzielle Beteiligung sehe er keinen Grund, sagte sein Sprecher. Kreditvergabe gehöre nicht zum Geschäft, hieß es bei der Zurich Financial Services.

Der Bund ist mit 20,4 % größter Swiss-Aktionär, der Kanton Zürich sowie die beiden Großbanken UBS und Credit Suisse halten jeweils 10 %. Vom Bund darf die Swiss nach der Wahl der neuen Bundesräte Christoph Blocher (SVP) und Hans-Rudolf Merz (FDP) keine weiteren Finanzmittel erwarten. Beide standen dem Neustart der Fluglinie mit Hilfe öffentlicher Gelder bereits kritisch gegenüber.

Die Banken UBS und Credit Suisse wollen die laufenden Kreditverhandlungen nicht offiziell kommentieren. Aus Finanzkreisen heißt es jedoch, die Kreditinstitute forderten eine konzertierte Aktion, also ein Engagement weiterer Swiss-Aktionäre. Als Knackpunkt bei den Verhandlungen gilt die Frage nach den Sicherheiten: Ein Großteil der Swiss- Vermögenswerte sei bereits verpfändet, sagte Patrik Schwendimann, Analyst der Zürcher Kantonalbank. Deshalb entscheide wohl die operative Entwicklung über die Gewährung neuer Kredite.

Die finanziellen Ergebnisse des abgelaufenen Jahres wird die Swiss erst am 23. März 2004 publizieren. Nach drei Quartalen hatte die Airline aber bereits einen deutlichen Verlust von 609 Mill. sfr ausgewiesen, wobei mehr als 200 Mill. auf Restrukturierungskosten entfielen. Das Liquiditätspolster der Swiss von einst 2,7 Mrd. sfr ist bis Oktober 2003 auf 654 Mill. sfr zusammengeschmolzen.

Swiss-Vorstandschef André Dosé hatte eine Einigung mit den Banken bereits mehrfach in Aussicht gestellt, zuletzt bis Ende 2003. Firmenangaben zufolge soll der Betriebsmittelkredit das Überleben bei unvorhergesehenen Ereignissen sichern. Ein akuter Liquiditätsengpass bestehe nicht, heißt es.

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