Fluglinien
EU prüft AUA-Kauf durch Lufthansa

Die Deutsche Lufthansa will auf ihrem Expansionskurs unter anderem die Austrian Airlines übernehmen. Doch nun meldet die EU-Kommission Bedenken an, ähnlich wie schon bei der belgischen Brussels Airlines. In Frankfurt fängt nun das große Zittern an.

HB BRÜSSEL/WIEN. Die geplante Übernahme von Austrian Airlines (AUA) durch Lufthansa stößt bei der EU-Kommission auf massive Bedenken. Die Behörde meldete am Mittwoch Zweifel an der Transaktion an, die sich unter anderem auf den vereinbarten Kaufpreis und den Verkaufprozess beziehen. Die bisherige AUA-Eigentümerin ÖIAG gab sich dennoch zuversichtlich, grünes Licht für die Transaktion zu erhalten.

Im Zentrum der Untersuchung steht der geplante Zuschuss des österreichischen Staates über 500 Mio. Euro, den Lufthansa zur Schuldentilgung verwenden will. Das Geld soll über eine Kapitalerhöhung in die AUA zurückfließen. Dies könnte eine nicht mit EU-Recht vereinbare staatliche Beihilfe sein. Zudem meldete die Behörde "Zweifel daran an, dass der von Lufthansa zu zahlende Preis dem Marktpreis entspricht". Österreich will seinen AUA-Anteil von rund 42 Prozent zu einem symbolischen Preis von 366 000 Euro an die deutsche Fluggesellschaft verkaufen. Bessert sich die wirtschaftliche Lage in den nächsten drei Jahren, kann die Alpenrepublik allerdings noch bis zu rund 160 Mio. Euro zusätzlich erhalten.

Den übrigen AUA-Eigentümern will Lufthansa in der letzten Februarwoche ein öffentliches Angebot über 4,49 Euro je Aktie vorlegen. Insgesamt würde der Zukauf die Fluggesellschaft rund 380 Mio. Euro kosten. Kritisch sieht die EU auch den Verkaufprozess. Dieser sei möglicherweise nicht "wirklich offen und transparent" sowie an Bedingungen geknüpft gewesen. Nach dem Zuschlag für Lufthansa hatten Air France-KLM, die zunächst selbst Interesse an der AUA gezeigt hatte, und Air Berlin Beschwerde gegen die Übernahme eingelegt.

Der Verkäufer, die staatliche Österreichische Industrieholding AG (ÖIAG), sieht in der Stellungnahme der Kommission keine neuen Vorwürfe. "Wir rechnen mit einem positiven Ausgang", sagte eine Sprecherin. Österreich will die Transaktion bis Jahresmitte abschließen. Ob dies gelingt, hängt entscheidend von der EU ab. Bei "theoretisch exzessiven Auflagen" durch die Brüsseler Behörde könnte der Verkauf noch scheitern, hatte Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber jüngst erklärt.

Unter die Lupe nehmen will die Kommission auch den von Österreich vorgelegten Sanierungsplan für die AUA. Die Behörde untersucht, ob damit künftig weitere Hilfen vermieden werden können. Die Fluggesellschaft will dieses Jahr 225 Mio. Euro sparen und in den nächsten drei Jahren die Kosten um rund 400 Mio. Euro drücken. Geschehen soll dies unter anderem über eine Ausdünnung des Streckennetzes um zehn Prozent und Gehaltskürzungen. Letzteres stößt allerdings auf Widerstand in der Belegschaft.

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