Fluglinien
Japan Airlines verpasst Start aus roten Zahlen

Die angeschlagene Fluglinie Japan Airlines hat im abgelaufenen Quartal erneut einen Verlust verbucht. Allerdings konnte das Unternehmen den Fehlbetrag im Vergleich zum Vorjahr reduzieren. Um zu Überleben kämpft die Airline zur Zeit um Staatshilfe.
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TOKIO. Die japanische Fluggesellschaft Japan Airlines (JAL) fordert zusätzlich zu neuer Staatshilfe nun auch einen Schuldenerlass von seinen Banken. „Da wir die Zusammenarbeit der beteiligten Finanzinstitutionen benötigen, haben wir um ein Meditationsverfahren ersucht“, sagte Firmenchef Haruka Nishimatsu am Freitag in Tokio. Im Halbjahr von Juli bis September hatte JAL eine knappe Mrd. Euro Verlust eingeflogen. Um nicht insolvent zu werden, schöpft das Management derzeit alle Möglichkeiten aus. Beim Staat hat die Fluglinie um eine Kapitalbeteiligung und zinsgünstige Kredite gebeten.

Nishmatsu will die Banken nun in einem Schlichtungsverfahren nun um bessere Konditionen für die Rückzahlung bitten. In Japan Schlagzeilen gemacht hat zudem der Plan, ehemaligen Mitarbeitern radikal die Rente zu kürzen. Dutzende von wenig ertragreichen Routen wird das Unternehmen künftig nicht mehr fliegen. „Wir entschuldigen uns bei der Öffentlichkeit für die Sorgen, die wir mit unserem wirtschaftlichen Zustand verursachen“, sagte Nishimatsu. Die Airline steht bei verschiedenen Gläubigern mit etwa sechs Mrd. Euro in der Kreide.

JAL bittet derzeit zum vierten Mal seit 2001 um Staatshilfe. Allein um den Betrieb bis Mitte Dezember aufrecht zu erhalten, seien rund 1,5 Mrd. Euro an Überbrückungskrediten nötig, schätzen Experten. Die Regierung ist im Prinzip zu Zahlungen bereit. Sie hat die Entscheidung über die Ausgestaltung der Stützungen jedoch an eine staatliche Institution übertragen, die sich um die Rettung kranker Unternehmen kümmert. Die Enterprise Turnaround Initiative Corporation (ETIC) steht in der Tradition einer regierungseigenen Auffanggesellschaft, die schon in den 90er-Jahren an den Aufräumarbeiten nach einer japanischen Finanzkrise beteiligt war.

Die Vorgängerin der ETIC hat die Firmen ihrer Obhut nicht mit Samthandschuhen angefasst. Das erfolglose frühere Management musste oft gehen. Unprofitable Sparten stießen die staatlichen Restrukturierer gnadenlos ab. So ermöglichte ausgerechnet ein öffentlicher Eingriff, was Privatunternehmen im harmoniesüchtigen Japan wegen allzu großer Rücksichtnahme oft nicht schafften: die Kehrtwende zum Gewinn.

Für JAL erwarten Branchenexperten nun eine ähnliche Rosskur, wenn die ETIC über ihren Kurs entschieden hat. Eine wahrscheinliche Option ist die kontrollierte Insolvenz, aus der eine verschlankte und runderneuerte JAL hervorgehen könnte. Japanische Medien bemühen derzeit oft den Vergleich mit General Motors in den USA. Die amerikanische Regierung hatte den Autohersteller zunächst insolvent werden lassen, um ihn dann um so gründlicher wieder aufbauen zu können.

Durch seine finanziellen Schwierigkeiten wird JAL zudem zu einem Ziel für strategische Investoren. Die Fluglinien American Airlines und Delta Air Lines würden sich gerne am größten asiatischen Konkurrenten beteiligen, um ihr Geschäft in der bevölkerungsreichen Wachstumsregion zu stärken. Die Gerüchte, dass JAL-Chef Nishimatsu im Zuge der Restrukturierung durch die ETIC ersetzt werden soll, verdichten sich unterdessen.

Doch die schwere Lage des Unternehmens geht nicht allein auf Managementfehler zurück. Wie die ganze Branche leidet JAL unter einem Einbruch des Passagier- und Frachtaufkommens wegen der Wirtschaftskrise. Die Aktie hat seit Sommer 20 Prozent an Wert verloren. Dazu kam, dass Ratingagenturen die Bonität der größten Fluglinie Asiens immer schlechter bewerten.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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