Flugsicherheit gefährdet: Flugpersonal demonstriert gegen längere Dienste

Flugsicherheit gefährdet
Flugpersonal demonstriert gegen längere Dienste

Pilotenverbände schlagen Alarm: EU-Pläne für neue Dienstzeiten könnten zu Übermüdung im Cockpit führen. Die Sicherheit der Passagiere stehe wegen Kostenargumenten auf dem Spiel. Die EU-Kommission bestreitet das.
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Frankfurt/BrüsselPiloten und Flugbegleiter in Europa gehen auf die Barrikaden gegen längere Dienstzeiten. Der Vorwurf: Vorschläge der Europäischen Luftsicherheitsbehörde (EASA) könnten zur Übermüdung von Crew-Mitgliedern führen und damit die Sicherheit aufs Spiel setzen. In etwa zwanzig europäischen Städten oder an Flughäfen gab es Proteste.

Allein am Frankfurter Flughafen beteiligten sich nach Angaben der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) 200 Piloten und Flugbegleiter an einer Protestaktion. Etwa 50 von ihnen legten sich mit Decken in der Abflughalle A im Terminal 1 auf den Boden und stellten sich schlafend, um auf die Gefahr von Übermüdung aufmerksam zu machen.

„Wir denken, dass ein übermüdeter Pilot ein gefährlicher Pilot ist“, sagte Francis Nardy vom europäischen Pilotenverband Eurocockpit bei einer Pressekonferenz in Brüssel. Der Unmut des Flugpersonals richtet sich vor allem gegen die EASA-Vorschläge zu maximalen Einsatzzeiten - diese gelten nur für optimal ausgeruhtes Personal nach langen Pausen.

Die Pläne sehen den Pilotenverbänden zufolge Flugzeiten von bis zu 14 Stunden am Tag und 11 Stunden in der Nacht vor. Sicher sei ein Nachteinsatz nur bis zu einer Dauer von höchstens zehn Stunden, halten die Verbände dagegen - dies sei wissenschaftlicher Konsens. Zudem sollten Piloten den EASA-Plänen zufolge künftig fliegen dürfen, nachdem sie schon mehr als 22 Stunden wach sind.

Der Präsident der deutschen Cockpit-Vereinigung, Ilja Schulz, warf der EASA Versagen vor. Sie habe den Wünschen der Fluggesellschaften zu weit nachgegeben und Kostenargumente über die Passagiersicherheit gestellt: „Die Behörde ist beratungsresistent und hat die Chance verpasst, die Flugdienstzeiten auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse sicher zu gestalten.“ ECA-Generalsekretär Philipp von Schöppenthau unterstellte: „Die EASA stoppt immer dort, wo die Airlines ihr sagen, dass sie etwas Geld kosten würde.“

Die EU-Kommission, die im Frühling einen Gesetzesvorschlag auf Grundlage der EASA-Position präsentieren will, wies die Kritik zurück. „Der Vorschlag ist ausgewogen und garantiert ein höchstes Sicherheitsniveau.“ Die Arbeitnehmervertreter vermischten ihr Interesse an guten Arbeitsbedingungen mit der Frage der Sicherheit. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) teilte diese Haltung: „Es ist eine Verunsicherung der Passagiere, wenn gewerkschaftliche Wünsche in der Öffentlichkeit als neutrale Sicherheitsstandards propagiert werden“, kritisierte BDL-Präsident Klaus-Peter Siegloch.

Wenn die EU-Kommission ihren Gesetzesvorschlag gemacht hat, werden EU-Staaten und Europaparlament darüber beraten. Entschlüsse könnten im Herbst fallen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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