Folgen der Kartellstrafen

Südzucker bleibt in Deckung

Südzucker leidet unter dem Preisverfall und den starken Schwankungen auf dem Markt für Zucker und Biosprit. Doch der Konzern hat noch mehr Probleme – nicht nur wegen der Kartellstrafe der EU. Und die können teuer werden.
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Südzucker wird weiter nicht nur durch die Marktschwankungen belastet. Quelle: dpa
Zuckerfabrik im hessischen Wabern

Südzucker wird weiter nicht nur durch die Marktschwankungen belastet.

(Foto: dpa)

MannheimVorstandschef Wolfgang Heer sah schon einmal glücklicher aus. Eigentlich müsste sich der 59-Jährige Manager freuen. Südzucker hat seine Zentrale in der Mannheimer Innenstadt in den vergangenen drei Jahren für 40 Millionen Euro komplett saniert. „Leider waren viele Entwicklungen im Geschäftsjahr nicht so erfreulich, wie der Wiederbezug unserer Hauptverwaltung“, sagt Heer. Was das Gebäude hinter sich hat, steht Europas größtem Zuckerkonzern noch bevor.

Der Konzern leidet unter dem Preisverfall und den starken Schwankungen auf dem Markt bei Zucker und Biosprit. Erstmals schrieb Südzucker im dritten Quartal des im Februar abgelaufen Geschäftsjahres rote Zahlen.

Entsprechend emotionslos trägt Heer die nackten Zahlen vor. Absatzeinbruch, Gewinneinbruch, Halbierung der Dividende und Sparprogramm. Und wäre das nicht genug, erwartet er nach der saftigen Kartellstrafe auch noch weitere Belastungen durch Schadenersatzklagen von Kunden oder außergerichtlichen Zugeständnissen. Zwar hat der Konzern die EU-Strafe von 195 Millionen Euro wegen illegaler Preisabsprachen bis zum Jahr 2009 bilanziell schon im Geschäftsjahr 13/14 verdaut, aber Vorstandschef Heer musste einräumen, dass die Klagen Südzucker noch weiter beschäftigen werden. Zahlreiche Kunden prüften Regressansprüche.

Heer sprach aber von „nur wenigen Kunden“, mit denen es eine gerichtliche Auseinandersetzung gebe. „Wir sprechen intensiv mit unseren Kunden, aber in aller Regel unterscheiden sie – erfreulich aus unserer Sicht – zwischen juristischer Vergangenheitsbewältigung und laufendem Geschäft“, betont Heer. Namen der Kunden und Höhe der Schadenersatzforderungen wollte Heer nicht nennen. Nicht einmal, wie hoch die Rückstellungen für speziell diese rechtlichen Risiken in der Bilanz sind. Finanzchef Thomas Kölbl sagte allerdings, dass der Konzern 123 Millionen Euro für alle rechtlichen Risiken zurückgestellt habe. Welcher Anteil dabei auf die Kartellverfahren entfällt, nannte der Finanzchef auch auf Nachfrage nicht.

Unter anderem hatte bereits der Pfefferminzbonbon-Hersteller Vivil Klage eingereicht. 94 Unternehmen, darunter Kekshersteller Lambertz haben bereits beim Kartellamt Antrag auf Akteneinsicht gestellt. Insgesamt wird die Höhe der möglichen Schadenersatzklagen gegen die beteiligten Firmen, neben Südzucker auch Nordzucker und Pfeifer & Langen, in der Branche insgesamt auf drei Milliarden Euro geschätzt. Ob es tatsächlich zu so hohen Schadenersatzleistungen kommen wird, ist aber offen.

Der Gewinn von Südzucker ist im vergangenen Geschäftsjahr noch stärker eingebrochen als das operative Ergebnis. Der Jahresüberschuss um fast 81 Prozent auf knapp 74 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Der operative Gewinn war unter dem Druck sinkender Zucker- und Biospritpreise um 70 Prozent auf 181 Millionen Euro gefallen. Für die Südzucker-Aktionäre blieben unter dem Strich 20 Millionen Euro übrig nach 280 Millionen Euro im Vorjahr. Südzucker hatte bereits am Mittwoch bekannt gegeben, dass die Dividende wegen der schwachen Ertragslage auf 25 Cent je Aktie halbiert werden soll.

Auch für das laufende Geschäftsjahr 2015/16 rechnet der größte Zuckerproduzent Europas mit einem Gewinnrückgang. Das Unternehmen hält dennoch an seinem mittelfristigen Ziel fest, den operativen Gewinn wieder auf 550 Millionen Euro zu steigern.

Diese Händler machen Deutschland satt
Platz 10: Globus
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Die Supermarktkette aus dem Saarland entwickelte bereits 1966 ein Konzept, das einem modernen Supermarkt ähnelt. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 18.500 Mitarbeiter in 46 SB-Warenhäusern. Im Jahr 2015 erreichte die Globus-Gruppe einen Umsatz von 4,82 Milliarden Euro.

Quelle: TradeDimensions

Platz 9: Rossmann
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Die Drogeriekette kann den Umsatz mit Lebensmitteln im Vergleich zum Vorjahr deutlich steigern. Waren es 2014 noch 5,41 Milliarden Euro, machte Rossmann im vergangenen Jahr 5,75 Milliarden Euro Umsatz. Die Drogeriekette von Dirk Roßmann verkauft vor allem Bio-Lebensmittel und Wein.

Platz 8 : dm
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Der erste dm-Markt eröffnete 1973 in Karlsruhe. Heute ist dm in zwölf europäischen Ländern mit über 3.200 Marken präsent. Mit 7,03 Milliarden Euro Umsatz dürfte der Drogeriekonzern durchaus zufrieden auf das vergangene Jahr zurückblicken.

Platz 7: Tengelmann
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2015 gehörte die Handelskette aus Mühlheim an der Ruhr noch zu den größten Lebensmittelhändlern der Republik mit einem Umsatz von 7,7 Milliarden Euro im Jahr 2015. Im März 2016 wurde allerdings die Übernahme durch den Konkurrenten Edeka von Wirtschaftsminister Gabriel genehmigt.

Platz 6: Lekkerland
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Der Handelsriese mit Sitz in Frechen beliefert vor allem die Shops von Tankstellen und kleine Büdchen. Das Geschäft mit dem Spontan- und Spätkauf katapultiert Lekkerland unter die größten Händler mit einem Umsatz von 9,08 Milliarden Euro.

Platz 5: Metro-Gruppe
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Zum Dax-Konzern gehört mit Metro Cash&Carry nicht nur der führende Lebensmittel-Großhändler, sondern auch die real-Supermärkte. Damit nehmen die Düsseldorfer unter Deutschlands Lebensmittelhändlern eine führende Position ein. Dennoch büßte die Gruppe im Vergleich zu 2014 mehr als drei Milliarden Euro ein und brachte es im vergangenen Jahr auf einen Umsatz in Höhe von 26,13 Milliarden Euro. Verantwortlich dafür ist der Verkauf der Warenhaussparte Galeria Kaufhof.

Platz 4: Aldi
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Beim Lebensmittelabsatz landet der Discounter auch in diesem Jahr nicht auf dem Treppchen – überholt aber Metro und landet auf Platz vier. Der Umsatz stieg 2015 auf 27,8 Milliarden Euro. Aldi Nord und Aldi Süd legten gemeinsam um 1,5 Prozent zu.

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