Folgen des Rauchverbots
Getränkegroßhändler beklagen Umsatzeinbruch

Rauchverbote in deutschen Kneipen bedrohen nicht nur die Existenz von zahlreichen Gastwirten, sondern auch das Einkommen einer großen Zahl von Getränkefachgroßhändlern. Nach einer Stichprobe des Branchenverbandes GFGH verzeichneten die angeschlossenen Unternehmen bundesweit im ersten Quartal ein Fassbierminus von durchschnittlich 20, in Spitzen sogar 30 Prozent.

DÜSSELDORF. Im gleichen Zeitraum verloren Einraumgaststätten in der Region Kassel und Hannover bis zu 25 Prozent an Absatz.

Unterdessen schlagen auch rund 12 000 hessische Wirte Alarm: etwa zwei Drittel der kleinen Betriebe stehen dort aufgrund des Rauchverbots vor dem Aus. Dies berichtete Verbandschef Günther Guder auf der GFGH-Jahrespressekonferenz in Düsseldorf. Die 850 Mitgliedsunternehmen beschäftigen 40 000 Mitarbeiter.

Guder beklagte die Bevormundung des mündigen Verbrauchers durch die Politik, die inzwischen in allen 16 Bundesländern Gesetze zum Schutz der Nichtraucher verabschiedet hat. „Der Gast sollte doch selbst entscheiden dürfen, ob er lieber eine Raucher- oder eine Nichtraucher-Gaststätte besucht“, sagte Guder. Die letzten Rauchverbote in der Gastronomie treten am 1. Juli in Nordrhein-Westfalen und Thüringen in Kraft.

Auch nach einer Studie des internationalen Marktforschungsinstitutes CHD Expert setzen die Rauchverbote der Gastronomie zu. So ist dieser Untersuchung zufolge auch die Verweildauer in den klassischen deutschen Kneipen gesunken. Das heißt, viele Stammgäste gehen inzwischen früher nach Hause und konsumieren weniger. Dies trifft in letzter Konsequenz sowohl Brauereien als auch Getränkegroßhändler, die für die Auslieferung von Bier und Erfrischungsgetränken zuständig sind.

Bereits ohne die negativen Auswirkungen der Rauchverbote, die erst im laufenden Jahr voll zu Buche schlagen werden, hat der deutsche Getränkehandel bereits genug Probleme: Sowohl Umsätze (minus 1,8 Prozent) als auch Erträge (minus fünf Prozent) entwickelten sich 2007 rückläufig.

Dabei verzerren zwar der Jahrhundert-Sommer und die Fußball-WM 2006, die für außergewöhnliche Absätze gesorgt hatten, den Blick auf das Vorjahr. „Doch steigende Energiekosten, Straßen-Maut und Öko-Steuer knabbern an den Erträgen“, klagt Verbandschef Guder. Auch habe die Mehrwertsteuererhöhung Anfang 2007 zum Teil nicht weitergegeben werden können. Guder kritisierte die Preispolitik der Brauereien, die nach den Beobachtungen seiner Mitgliedsfirmen die auf breiter Front vollzogenen Preiserhöhungen mit zahlreichen Preis-Aktionen und Sonderangeboten wieder aufweichen würden.

Doch gibt es auch einen Lichtblick unter den arg gebeutelten Getränkehändlern. Einige Unternehmen haben sich offenbar von der negativen Branchenentwicklung abgekoppelt und investieren wieder in beträchtlichem Umfang. Guder bestätigte, dass es sich dabei in der Mehrzahl um Unternehmen handelt, die ihr Geschäftsmodell erweitert haben und beispielsweise zusätzliche Dienstleistungen wie Sortieren oder Verpacken anbieten.

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