Food-Start-ups
Erfolgreich in der Nische

Ob Knochenbrühe oder Fitness-Würstchen: Neue Ernährungstrends bieten für Start-ups profitable Nischen. Doch neben dem Online-Vertrieb ist der Sprung in den Handel weiter wichtig für den Erfolg.
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KölnZwiebeln schneiden, das Fleisch von den Knochen abziehen – und alles stundenlang Einkochen lassen: Wer eine Knochenbrühe selbst machen will, ist mitunter stundenlang in der Küche beschäftigt. Für Menschen, die wenig Zeit haben und trotzdem auf das gesunde Trend-Nahrungsmittel nicht verzichten wollen, haben Benedikt Gundel und Sebastian Unterhuber Jarmino gegründet.

Das Start-up verkauft neben Knochenbrühen auch andere Fitmacher, wie „Switchel“, ein Getränk auf Apfelessigbasis, das derzeit ebenfalls bei ernährungsbewussten Menschen beliebt ist. Die beiden Münchner Gundel und Unterhuber wollen mit ihren Produkten gesunde Ernährung einfach machen.

Die Gründer verbindet neben der über ein Jahrzehnt langen Freundschaft eine gemeinsame Leidensgeschichte: Essen als Unternehmensberater. Das bedeutet: Lange Bürozeiten, viele Dienstreisen mit dem Flieger und Tiefkühlpizza am Abend. „Wir wollten uns gesund ernähren, hatten jedoch keine Zeit das umzusetzen. Die Vision: Gesunde Ernährung to go war geboren“, erzählt Gundel während er aus einem Becher heiße Knochenbrühe trinkt.

Die beiden Freunde kündigten ihre gut bezahlten Jobs, plünderten ihre Sparschweine und gründeten ihr Unternehmen. Zwei Jahre später besitzen die beiden Freunde eine eigene Lebensmittelfirma. „Wertvolle Collagen, Nährstoffe, oder Arminosäuren – mit diesen Begriffen konnte man noch vor einigen Jahren keine Kunden locken“, sagt Gundel, „Doch heutzutage herrscht ein ganz anderes Empfinden. Die Leute wollen präventiv etwas für sich tun und ihre Gesundheit tun.“

Das Marktforschungsinstitut GfK bestätigt die Aussage des Jungunternehmers: Einer Studie im Kontext der Anuga zufolge richten 29 Prozent der Verbraucher ihren Lebensstil auf Gesundheit und Nachhaltigkeit aus. Demnach haben die Deutschen im vergangenen Jahr Bio-Produkte im Wert von gut sechs Milliarden Euro gekauft, sechs Prozent mehr als im Vorjahr.

Welche Hypes gerade um uralte Rezepte wie die Knochenbrühe entstehen, ist derzeit in New York zu beobachten: Dort sollen bei dem Brühe-Shop Brodo bis zu 400 Menschen auf einmal für einen To-Go Becher der Suppe Schlange stehen. Schauspielerin Salma Hayek schwört ebenfalls auf das Heißgetränk: Sie trinkt nach eigenem Bekunden jeden Tag einen Becher Knochenbrühe. Kein Wunder also, dass sich auch die Knochenbrühe von Jarmino bestens verkauft: Die Brühe aus Bayern wird weltweit verschickt.

Auf seine Knochenbrühen ist Gründer Gundel besonders stolz. Doch leicht war es nicht ein Food Startup zu gründen: „Die größte Hürde ist die Bürokratie: Etiketten, Produktionsrichtlinien“, sagt er, „Wir mussten uns auch an die Margen des Handels ran tasten und als unbekannte Marke große Überzeugungsarbeit leisten.“

Weniger Geiz ist Geil, mehr Qualitätsbewusstsein

Wie umkämpft die Lebensmittelbranche ist zeigte sich jüngst auch auf der Anuga. 7.500 Unternehmen stellen auf der weltgrößten Ernährungsmesse in Köln ihre Neuheiten vor. Wer als Startup auffallen will, muss Außergewöhnliches bieten. Das weiß auch Michael Ziegler, Gründer des Wurst Startups Grillido.

 „Food Startups müssen ihre Nische finden und sich dort beweisen“,  erklärt Ziegler. An seinem bunten Messestand serviert er den Kunden munter Wurst aus einer Heißluftfritteuse. Gegrillt werden darf nicht auf der Kölner Messe. Die servierten Würstchen sind blass mit grünen Spinat Sprengeln verziert. Dafür ist die Wurst gesund: Weniger Fette mehr Eiweiß. Mittlerweile gibt es die Würstchen in mehr als 30 Geschmacksrichtungen, darunter exotische Kombinationen mit Sushi-Ingwer und Erdnüssen.

Ziegler hat die Firma 2015 mit Manuel Stöffler im schwäbischen Deckenpfronn gegründet. Die Liebe zur Wurst wurde den beiden Wirtschaftsingenieuren quasi in die Wiege gelegt. Sie stammen aus schwäbischen Metzgerfamilien und tüftelten mit Omas Fleischwolf in der Garage.

„Wir bieten dem Handel mehr als nur Wurst. Wir adressieren eine neue Zielgruppe, die im Markt dann nicht nur unsere Wurst, sondern auch andere Produkte kauft. Eine echte Win-Win Situation“, erklärt Ziegler seinen Erfolg selbstbewusst. Zurückhaltung und Bescheidenheit sind ihm fremd. Er möchte den Wurstmarkt revolutionieren.

Eine Herausforderung: Grillido verkauft dieses Jahr nach eigenen Angaben 3 Millionen Würstchen. Doch laut dem deutschen Fleischerverband verzehrte 2015 jeder Deutsche 2,7 Kilo Bratwurst. Und die Grillido Wurst ist teuer: 5,99 Euro kostet ein Paket mit vier Stück. 

Doch Ziegler ist zuversichtlich: „Vor 10 Jahren noch hätten wir mit dem Grillido Konzept keine Chance gehabt“, erklärt der 29-Jährige. „Doch die Gesellschaft verändert sich zunehmend: weniger „Geiz ist Geil“ und mehr Qualitätsbewusstsein.“ Für Gründer wie Benedikt Gundel oder Michael Ziegler ist das eine gute Nachricht.

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