Foodora und Deliveroo
Essenslieferdienste als Restaurantschreck

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Weniger Umsatz – den Gästen zuliebe

Foodora-Mitgründer Emanuel Pallua beschwichtigt. Die Gastronomen werden seiner Ansicht nach auch in Zukunft nicht auf die Online-Lieferdienste angewiesen sein und könnten abspringen, falls die Konditionen schlechter würden. „Es ist ja nicht so, dass ein Restaurant dann komplett ohne Geschäft dasteht. Es steht dann eben ohne Lieferservice da.“ Deliveroo-Chef Felix Chrobog sagt: „Der Plan ist definitiv nicht, die Provision hochzutreiben, wenn wir einmal Marktführer sind. Wir sind natürlich auch auf die Restaurants angewiesen.“ Und deren Zulauf verstärke sich teils sogar, weil sie durch die Bringdienste bekannter würden.

Gastronomen sollten trotzdem genau prüfen, ob so ein Lieferservice das Richtige für sie sei, sagt Dehoga-Sprecher Lück - und ob die ein- und ausgehenden Lieferanten ins Konzept passten.

Ein hippes Restaurant in Berlin-Mitte hat diese Frage für sich mit „nein“ beantwortet. Zwar sei über Foodora und Deliveroo mehr Geld hereingekommen, sagt der Restaurantleiter, der nicht namentlich genannt werden möchte. „Aber wir haben auf den Umsatz verzichtet zugunsten unserer Hausgäste.“ Denen könne man schwer vermitteln, dass sie eine Stunde lang auf ihr Essen warteten und zwischendurch noch Außer-Haus-Bestellungen abgearbeitet würden.

Viele Restaurants wollen die immer häufiger auftauchenden Lieferanten mit ihren sperrigen Rucksäcken nicht im Gastraum sehen: Sie müssen draußen warten oder werden über einen Hintereingang direkt in die Küche geschleust, heißt es bei Foodora und Deliveroo.

Auch die Kuriere bekommen die ansteigende Bestellflut zu spüren. Ein Fahrer, der anonym bleiben will und in einer deutschen Großstadt seit rund einem Dreivierteljahr für Foodora arbeitet, sagt: „Es gibt halt echt Tage, da kommst du nur zu spät. Da hast du überhaupt keine Chance, die Abholzeiten einzuhalten.“ Teils kämen die Restaurants nicht mit dem Kochen hinterher, teils gingen per App einfach zu viele Bestellungen ein. Einmal sei er vor lauter Eile schwer gestürzt.

Ein Ende des Bestellbooms ist derzeit nicht in Sicht. Jetzt drängt mit Uber Eat gar noch ein weiterer Konkurrent auf den umkämpften Markt. Grundsätzlich hat auch Dehoga-Sprecher Lück nichts gegen die Start-ups. „Wir sehen Bringdienste als Testballon in den Metropolen.“ Dass Lieferessen den Restaurantbesuch eines Tages ganz ersetze, fürchtet er aber nicht.

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Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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