Foodwatch Härtere Strafen gegen Etikettenschwindel

Gegen den Etikettenschwindel bei Lebensmitteln soll die Regierung härter vorgehen, verlangt die Verbraucherorganisation Foodwatch. Die Hersteller wiederum fühlen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt.
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Im vergangenen Juni verlieh Foodwatch den Negativpreis „Goldener Windbeutel“ an den Babynahrungsmittelhersteller Hipp. Quelle: dapd

Im vergangenen Juni verlieh Foodwatch den Negativpreis „Goldener Windbeutel“ an den Babynahrungsmittelhersteller Hipp.

(Foto: dapd)

BerlinEin Jahr nach dem Start des Verbraucherportals lebensmittelklarheit.de fordert die Verbraucherorganisation Foodwatch eine schärfere Gangart gegen Etikettenschwindel. Sie verlangte am Montag gesetzliche Vorgaben, welche Informationen die Lebensmittelhersteller in welcher Form ihren Kunden geben müssen. Die Unternehmen dagegen kritisierten das Portal, weil sie zu Unrecht an den Pranger gestellt würden.

Auf lebensmittelklarheit.de können Kunden Produkte angeben, durch deren Aufmachung sie sich getäuscht fühlen. Verbraucherschützer überprüfen die Hinweise, bitten die Hersteller um Stellungnahme und veröffentlichen anschließend alles im Internet. Fast 5000 Verbraucher wandten sich bislang an das Portal. Nur rund die Hälfte der Beschwerden eigne sich aber für eine Veröffentlichung, heißt es auf der Seite. In den Rubriken "Getäuscht" und "Erlaubt?" wurden demnach bislang rund 200 Produkte veröffentlicht.

Der Verband der Lebensmittelhersteller (BLL) kritisierte, aufgrund des individuellen Gefühls einzelner Verbraucher würden Marken und Unternehmen öffentlich mit dem Makel eines Täuschungsversuchs versehen, obwohl die Produkte zu hundert Prozent dem geltenden Recht entsprächen. Seit Jahren gefestigte Verkehrsauffassungen würden einfach für bedeutungslos erklärt. Das Portal ziele "erkennbar" darauf ab, eine negative Einstellung gegenüber der Lebensmittelwirtschaft zu fördern.

Foodwatch dagegen forderte Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) auf, sie müsse die Erfahrungen des Portals "in konkrete Politik ummünzen", und legte einen 15-Punkte-Plan dafür vor. Sie schlägt unter anderem vor, Informationen einen gesetzlichen Vorrang vor Werbung einzuräumen, eine lesbare Mindestschriftgröße vorzugeben, die Hersteller zu realistischen Produkt-Abbildungen und zu Transparenz über die Verwendung tierischer Zutaten zu verpflichten. Verboten werden sollten nach Ansicht von Foodwatch Werbung für unausgewogene Kinderprodukte und Gesundheitsversprechen für Lebensmittel.

Aigner selbst wertete das Portal als "Erfolgsprojekt". 90 Prozent der Hersteller würden kurzfristig auf Anfragen von lebensmittelklarheit.de zu Produkten reagieren, bei rund einem Drittel der genannten Produkte seien auf Kritik hin Verpackung oder Aufmachung geändert worden. Ihr Ministerium nutze das Portal als "Seismograf", erklärte sie: Die Ergebnisse würden 2013 ausgewertet, um zu ermitteln, ob Handlungsbedarf bestehe.

  • afp
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