Foodwatch unterliegt Unilever

Margarine-Streit wird ein Fall für die EU-Kommission

Ist die Margarine Becel pro.activ gesundheitsfördernd oder schadet sie? Darüber streitet Foodwatch mit Unilever. Vor Gericht siegt der Lebensmittelkonzern erneut, Foodwatch will nun Brüssel einschalten.
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Foodwatch streitet mit dem Margarinehersteller Unilever wegen der gesundheitlichen Wirkungen von Becel pro.activ. Quelle: dpa
Gesunde Margarine?

Foodwatch streitet mit dem Margarinehersteller Unilever wegen der gesundheitlichen Wirkungen von Becel pro.activ.

(Foto: dpa)

Hamburg, BerlinIm Streit um die cholesterinsenkende Margarine Becel pro.activ des Herstellers Unilever hat die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch erneut eine Niederlage erlitten. Äußerungen eines Wissenschaftlers über die Margarine, die der Lebensmittelkonzern verbreitet hatte, seien durch das Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt, urteilte das Hanseatische Oberlandesgerichts (OLG) am Dienstag.

Somit darf das Unternehmen weiter erklären, dass es aus wissenschaftlicher Sicht keine Hinweise auf mögliche Gesundheitsrisiken seiner Margarine gebe.

Foodwatch warf dem Hersteller vor, Nebenwirkungen der mit Pflanzensterinen angereicherten Margarine zu verschleiern und wollte ihm die umstrittenen Angaben zu seinem Produkt untersagen lassen (Az: 7 U 7/13). Es spreche vieles dafür, vor dem Bundesgerichtshof in Revision zu gehen, kündigten Vertreter der Organisation an.

Im Kampf gegen die cholesterinsenkende Margarine Becel Pro activ von Unilever schaltet Foodwatch nun zudem die EU-Kommission ein. Dort sei der Antrag gestellt worden, dem Produkt die Zulassung als Lebensmittel zu entziehen, teilte Foodwatch am Dienstag mit. Die Organisation führte zur Begründung mehrere Studien an, wonach Produkte wie Becel Pro activ bestimmte Nebenwirkungen, etwa Ablagerungen in den Gefäßen, hervorrufen könnten.

Diese Produkte flogen aus den Regalen
Dentagard-Zahnpasta
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Weil Colgate eine versteckte Preiserhöhung durchdrücken wollte, verbannte die Drogerie-Kette dm die Zahnpasta aus den Regalen. Statt 100 Milliliter pro Tube waren nun nur noch 75 Milliliter enthalten – beim gleichbleibenden Preis von 75 Cent. dm wollte da nicht mitmachen: „Gleicher Preis bei weniger Inhalt: Da streiken wir!“ heißt es seitdem auf Schildern in den Zahnpasta-Regalen der Drogeriemarktkette. Immer wieder kommt es zum Streit zwischen Händlern und Herstellern, bei denen in der Folge Produkte ausgelistet werden. Eine Studie von Bearing Point zeigt Beispiele auf.

Vileda
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Edeka verbannte im August 2010 die Produkte von Vileda aus den Regalen. Der Grund: Edeka stellte Rabattforderungen an den Hersteller, die Vileda damals nicht erfüllen wollte.

Heinz
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Im August 2010 kam es zum Streit zwischen Rewe und Heinz sowie Sonnen Bassermann. Die Hersteller wollten Preiserhöhungen aufgrund von Qualitätsverbesserungen durchsetzen.

Barilla
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Im September 2010 verbannte Real die Produkte von Barilla und Lieken. Die Hersteller wehrten sich damals gegen Konditionsforderungen der Supermarktkette. Im März 2011 hatten beide Hersteller erneut Ärger, dieses Mal mit Lidl. Der Discounter warf Lieken fehlende Kundenorientierung vor.

Storck
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Im Juni 2011 listete Kaufland die Produkte von Storck ( Werther's Original, Merci, Nimm 2, Toffifee) aus, da Storck ein neues Konditionen- und Vermarktungssystem durchsetzen wollte.

Quelle: Screenshot

P&G
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Im September 2011 kam es zum Streit zwischen der Coop und P&G (Welle, Lenor). Coop verlangte von P&G die Weitergabe der Währungsgewinne.

Quelle: Wella

Krombacher
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Im Juli 2012 listete Kaufland die Biere der Brauerei Krombacher aus. Kaufland warf Krombacher ungerechtfertigte Preiserhöhungen vor. Zusätzlich forderte Kaufland Werbekostenzuschüsse. Im August 2012 hatte Krombacher den gleichen Streit mit Globus.

Quelle: Krombacher

Unilever sprach von einer „PR-Nebelkerze“. Foodwatch ignoriere erneut absichtlich den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Diskussion. Das Unternehmen führte in einer Stellungnahme seinerseits Studien an, wonach Produkte wie Becel Pro activ „sicher“ seien, den Cholesterinspiegel tatsächlich senkten und damit einen Beitrag leisten könnten, „einen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu reduzieren“.

Der Margarine Becel Pro activ sind bestimmte Pflanzenstoffe, sogenannte Sterine, zugesetzt, um eine cholesterinsenkende Wirkung zu erzielen. Neben Foodwatch ist das Produkt auch dem Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) ein Dorn im Auge. Auf eine Klage des vzbv hin stufte das Landgericht Hamburg im April eine Werbeanzeige von Unilever für das Produkt als unzulässig ein. Der Konzern kündigte umgehend Berufung an.

  • afp
  • dpa
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