Forderung an Niedersachsen
Heros-Verwalter will Steuern zurück

Auf Niedersachsen kommen im Zusammenhang mit der Betrugsaffäre um die Geldtransportfirma Heros möglicherweise Steuerrückforderungen von rund 20 Millionen Euro zu. Laut Insolvenzverwalter hätten die Täter vor allem am Hauptsitz Hannover Scheinumsätze deklariert und darauf Steuern entrichtet. Diese zu Unrecht gezahlten Gelder will er jetzt zurück.

HB DÜSSELDORF. „Nach überschlägiger Rechnung wurden rund 20 Millionen Euro zu viel gezahlt“, sagte Insolvenzverwalter Manuel Sack dem Handelsblatt. Die Scheinumsätze seien deshalb angegeben und versteuert worden, weil nicht auffallen sollte, dass das Unternehmen seit Jahren mit hohen Verlusten arbeitete.

Zudem kristallisiert sich immer deutlicher heraus, dass sowohl geprellte Kunden als auch die zuständige Geldtransport-Versicherung von Heros, die Mannheimer Versicherung, den Betrug früher hätten erkennen und verhindern können. „Da muss auch eine gehörige Portion Geldgier im Spiel gewesen sein“, sagte ein Kriminalbeamter dem Handelsblatt mit Blick auf die Handelsketten. Denn die Heros-Verantwortlichen versprachen ihren Kunden teilweise hohe Verzugszinsen, wenn das transportierte Geld wieder mal nicht postwendend auf den Konten der Handelsketten landete. Die sollen dafür ein Auge zugedrückt haben. „Die müssen sich doch gefragt haben“, so der Fahnder, „wie ein Unternehmen, dass mit derartigen Dumpingpreisen zu Werk geht, diese Summen finanzieren kann“.

Ähnliches gilt für die Mannheimer Versicherung. Nach Informationen der Zeitung soll auch dort weggeschaut worden sein, als es wiederholt Auffälligkeiten bei Heros gab. „Alle waren doch bei der Mannheimer happy über das gute Geschäft“, sagte ein Insider. Dabei habe schon Mitte der 90er-Jahre ein Gutacher im Auftrag des Versicherungsmaklers Marsh Sicherheitsmängel bei Heros offengelegt. Branchenkenner kritisieren zudem die Tatsache, dass die Mannheimer Versicherung nach eigenen Angaben auf Wirtschaftsprüfer vertraut hat. „Ein ungewöhnliches Verfahren“, hieß es bei Branchenexperten und der Versicherungskonkurrenz. „Wirtschaftsprüfer sind dafür wenig geeignet“, sagte ein Versicherungsmanager. Die Mannheimer Versicherung bestreitet dagegen, Fehler gemacht zu haben. Die Wirtschaftsprüfer hätten bis zuletzt keine Ungereimtheiten bei Heros gefunden.

Auch die geschädigten Banken und die Finanzaufsicht (Bafin) geraten ins Zwielicht. Obwohl es nach Aussagen von Ermittlern viele Auffälligkeiten beim Geldtransfer von Heros-Konten gab, die genau die Kriterien von Geldwäsche erfüllten, kam nicht eine Anzeige von den Kreditinstituten. "Da wurde geschlampft, gepennt oder es wurde bewusst weggeschaut", glaubt ein Kriminalbeamter. Ebenfalls merkwürdig ist, dass die Bafin nicht reagierte. Zwar arbeitete Heros laut Bafin seit Jahren mit einer Ausnahmegenehmigung, da unklar war, ob Geldtransporte zu den genehmigungspflichtigen Finanztransfergeschäfen gehören. Ein Antrag von Heros auf diese Dienstleistung lag der Bafin aber vor. "Gerade, wenn jemand in diesem betrugsanfälligen Geschäft mit einer Ausnahmegenehmigung arbeitet, muss er doch regelmäßig überprüft werden", wunderte sich der Ermittler.

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