Formel 1
Grüne Hölle

Der Nutzen des Gesamtprojekts Nürburgring für die Region ist unstrittig. Doch das Formel-1-Rennen, das seit diesem Jahr abwechselnd in der Eifel und auf dem Hockenheimring ausgetragen wird, ist teuer. Es treibt den Nürburgring tief in die Verlustzone. Da drängt sich die Frage auf, ob die strukturschwache Region das teure Spektakel wirklich braucht.
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FRANKFURT. Die rheinland-pfälzische Region Ahrweiler sieht ungefähr so aus, wie sich Touristen aus Übersee einen typisch deutschen Landstrich vorstellen: Fichtenwälder umschließen die Gehöfte und Dörfer. Entlang der Ahr, einem Nebenfluss des Rheins, der das Gebiet durchquert, wird Wein angebaut. Felsnadeln lugen hier und da durch die Waldkronen. Gasthäuser und familiengeführte Pensionen reihen sich beiderseits der Straßen in den alten Örtchen. Große Hotelketten gibt es nicht, schon die kleinen kommen oft nur auf eine Auslastung von gerade mal 50 Prozent.

Wenn Besucher in Massen anreisen, hat es immer mit dem einzigen Großprojekt in der Region zu tun - der Motorsport-Rennstrecke Nürburgring. Rund 3 000 Arbeitsplätze hängen an ihr. 15 Millionen Euro netto bringt sie der Region ein. Allein der Große Preis von Deutschland, das Formel- 1-Rennen am 22. Juli, wird zehn Millionen Euro in den Kassen von Hoteliers, Gastwirten und Einzelhändlern klingeln lassen.

Doch während der Nutzen des Gesamtprojekts Nürburgring für die Region unstrittig ist, entbrennt um das Formel-1-Engagement heftiger Zank. Denn das Rennen, das seit diesem Jahr abwechselnd in der Eifel und auf dem Hockenheimring ausgetragen wird, ist teuer. 2005 machte die Betreibergesellschaft Nürburgring GmbH 9,6 Millionen Euro Verlust - der fast ausschließlich durch die Formel 1 verursacht wurde. Das diesjährige Rennen wird nach Kalkulationen des Landesrechnungshofs sogar einen zweistelligen Millionenverlust einfahren. Denn die Austragungsgebühr, die Veranstalter Bernie Ecclestone verlangt, erhöht sich jährlich pauschal um zehn Prozent.

Der Nutzen, den die Region von dem Rennen hat, wird aller Voraussicht nach in diesem Jahr vom Verlust aufgezehrt, den die Betreibergesellschaft mit der Formel 1 macht. Gewinn für den Nürburgring bringen nur Serien wie die Deutsche Tourenwagen Meisterschaft (DTM), oder die Veranstaltung Rock am Ring.

Trotzdem halten die Eigner der Nürburgring GmbH, das Land Rheinland-Pfalz und der Landkreis Ahrweiler, mit aller Macht an der Formel 1 fest. Sie wollen die Verluste nun durch einen Erholungs- und Ferienpark ausgleichen, der am Ring entstehen soll - und beschwören gleichzeitig die Bedeutung der Formel 1 als Marketinginstrument. Doch braucht der Ring die Formel 1 wirklich - und kann das neue Projekt das Spektakel finanzieren?

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