Fortbildungen für Betriebsräte
Die Rechnung zahlt der Chef

Immer mehr Privatanbieter machen den Gewerkschaften ein Monopol streitig: das der Weiterbildung von Betriebsräten. Die Branche boomt, denn seit Sommer ist rund ein Drittel der Mitarbeitervertreter neu im Amt, da ist gute Schulung teuer.

SEEHAUSEN. Das Frühstücksbuffet für die Mitarbeiter ist aufgetragen. Obstschalen, dazu frische Blumen. Eine buddhistische Tempelfigur wacht über das Unternehmen – getreu dem Feng-Shui. Das Personal soll sich wohl fühlen, darauf legt der Hausherr wert.

Und die Geschäfte laufen ja auch gut. Die Zentrale von Hans Schneiders Firma in Seehausen am Staffelsee mitten in der bayerischen Voralpenidylle ist ganz neu, seine Gegner sind die alten, die Gewerkschaften. Nur: Ihr Geschäft schrumpft, und das von Hans Schneider wächst.

Schneiders Markt gibt es so nur einmal auf der Welt. Sein IFB ist nach eigenen Angaben der zweitgrößte Seminaranbieter in Deutschland. IFB steht für „Institut zur Fortbildung von Betriebsräten“ – seinen Markt garantiert das Betriebsverfassungsgesetz. Etwa 280 000 Betriebsräte gibt es in Deutschland, und jeder von ihnen hat einen gesetzlichen Anspruch auf Schulung. Zahlen muss die der Arbeitgeber.

Jahrzehntelang waren die Gewerkschaften in diesem Markt Monopolisten. Das ist vorbei – die private Konkurrenz ist aufgewacht. „Im Weiterbildungsmarkt sind wir für viele Gewerkschaften ein rotes Tuch“, sagt IFB-Chef Schneider. „Wir sind in einem Verdrängungswettbewerb.“

Sein Institut schult pro Jahr über 20 000 Betriebsräte – Tendenz steigend. 20 Millionen Euro setzt Schneider um. Zehn Prozent mehr sollen es in diesem Jahr werden.

Die Marktlage für Anbieter wie das IFB ist günstig, denn die Betriebsratslandschaft wandelt sich. Gewerkschaft und Betriebsrat – das ging früher Hand in Hand. Schließlich wurden Betriebsräte vor einem Dreivierteljahrhundert eingeführt, um die Gewerkschaften in der Weimarer Republik von einer kommunistischen Revolution abzuhalten.

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