Frankfurt: Das Nachtflugverbot treibt Fraport in die Isolation

Frankfurt
Das Nachtflugverbot treibt Fraport in die Isolation

Der Flughafen Frankfurt ist einer von nur zwei europäischen Knotenpunkten, an denen Starts in der Nacht untersagt sind. Dem Betreiber von Europas drittgrößtem Airport entsteht ein Wettbewerbsnachteil.
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FrankfurtStefan Schulte, der Vorstandschef des Flughafenbetreibers Fraport, hat derzeit wenig zu lachen. Zwar wurde im vergangenen Oktober die vierte Startbahn am Frankfurter Flughafen eröffnet, nach mehr als zwölf Jahren Debatte und Planung eigentlich ein Grund zur Freude. Doch seitdem versammeln sich Montag für Montag Tausende von Anwohnern im Terminal, dem Herzen des Flughafens, um gegen diesen zu protestieren – besser gesagt, gegen den Lärm, den er produziert.

Und der Protest wächst. Auch weil sich die Bürger von der Politik, die im Gegenzug zum Ausbau eine ruhige Nacht zugesagt hatte, schlicht über den Tisch gezogen fühlen. Zwar gilt nachts derzeit noch ein vom Verwaltungsgerichtshof Kassel verhängtes temporäres Flugverbot. Aber im März entscheidet der Bundesverwaltungsgerichtshof in Leipzig darüber, ob die geplanten 17 Nachtflüge in der Kernnacht von 23 bis 5 Uhr rechtens sind oder nicht.

Muss Frankfurt seinen Flughafen am Ende dauerhaft nachts dichtmachen, droht dem größten deutschen Luftdrehkreuz ein empfindlicher Bedeutungsverlust. Zwar gibt es auch auf Flughäfen wie Düsseldorf oder München in der Nacht Beschränkungen. Doch innerhalb der größten europäischen Drehkreuze wäre Frankfurt isoliert. Das zeigt der Blick in die Nachbarstaaten. Nur in Zürich gibt es ein vergleichbares Nachtflugverbot.

Zwar gilt auch im Ausland eine gewisse Nachtruhe, allerdings lediglich an den kleineren Flughäfen. In Paris Orly etwa herrscht ein Nachtflugverbot, am benachbarten Charles de Gaulle aber nicht.

Eine europäische Isolation wäre für Frankfurt brisant. Derzeit zählt die Mainmetropole weltweit zu den zehn größten Drehkreuzen für die Luftfracht. Das Problem: Der Transport der Waren wird fast ausschließlich nachts abgewickelt. Sollte das künftig nicht mehr in Frankfurt möglich sein, müssten die Frachtfluggesellschaften auf andere Standorte innerhalb Europas ausweichen.

Kommentare zu " Frankfurt: Das Nachtflugverbot treibt Fraport in die Isolation"

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  • Sie "BEFÜ(H)RWORTER" leben offensichtlich schon zu lange direkt am Airport - Fluglärm beeinträchtigt die geistige Leistungsfähigkeit und macht aggressiv.

  • Wieso wird jetzt von den Verursachern des ganzen Problems auch noch über das ohnehin viel zu eingeschränkte Nachtflugverbot lamentiert?

    Ohne den Ausbau in der jetzigen Form, der die Region momentan bekanntermaßen 18 Stunden am Tag extrem belastet, hätte man gar kein Nachtflugverbot gebraucht.

    Das gesamte Flug-System hat vor dem Bau der Landebahn Nordwest wesentlich besser funktioniert als jetzt - die Betreiber des Flughafens haben es nur selbst vermasselt und den Bogen überspannt. Sie wollen alles haben, ohne auch nur eine Kleinigkeit zu geben und kriegen nie genug. So funktioniert es aber nicht!

    Zudem sollte man sich auch in den einschlägigen Kreisen noch daran erinnern können, daß das Nachtflugverbot ein wesentlicher Bestandteil des Mediationsverfahrens war, und auf das die Fraport sowie die Airlines sich schon vor Jahren hätten einstellen können.

    Wieso also jetzt das Gejammere? Hat da einer seine Hausaufgaben nicht gemacht?

    Aber kein Problem: Schließung der Landebahn Nordwest und wieder 17 Nachtflüge und alle sind wieder zufrieden...

  • Das Gejammer der Luftfahrtlobbyisten ist unredlich. Dann hätte man in der Mediation eben Farbe bekennen müssen und den Bürgern keine Nachtflugbeschränkungen (es gibt übrigens auch jetzt kein Verbot, die gesetzliche Nacht geht von 22:00-06:00 und nicht von 23:00-05:00) versprechen dürfen. So erzeugt man Politikverdrossenheit. Umgekehrt wird ein Schuh draus. Wenn das Geschäftsmodell Megadrehkreuz (Hub) von LH und Fraport über einem Innenstadt!-Flughafen wie Frankfurt nicht zu realisieren ist, ohne Hunderttausende Menschen nachhaltig zu schädigen, dann ist entweder das Geschäftsmodell für diesen Standort falsch oder der Standort.

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