Frankfurt-Hahn in der Krise
Geschasster Flughafen-Chef greift Politik an

Heinz Rethage sollte den Flughafen Frankfurt-Hahn sanieren. Nach gut einem Jahr muss der Geschäftsführer gehen. Nun attackiert er die rheinland-pfälzische Politik – obwohl er weiter für die Regierung arbeitet.
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DüsseldorfDer umstrittene Geschäftsführer ist weg, doch der Krach um den Flughafen Frankfurt-Hahn geht weiter: Heinz Rethage tritt zwei Tage nach seinem Ausscheiden am Hunsrück-Airport gegen die Politik nach. Und das, obwohl der Manager ab jetzt Sonderaufgaben im Innenministerium des Mehrheitseigners Rheinland-Pfalz übernimmt.

In der „Rhein-Zeitung“ greift Rethage vor allem den Hahn-Aufsichtsratschef Salvatore Barbaro (SPD) an – ohne ihn jedoch namentlich zu erwähnen. „Eine erfolgreiche Sanierung eines Flughafens wie dem Hahn ist nur möglich, wenn man den Aufsichtsrat voll und ganz hinter sich hat“, sagte Rethage. „In dieser Form war das nie der Fall.“

Rethage war erst im Februar 2013 als Sanierer am kriselnden Regionalflughafen angetreten, der zu 82,5 Prozent Rheinland-Pfalz und zu 17,5 Prozent Hessen gehört. Der Airport wurde bekannt durch das Engagement des Billigfliegers Ryanair. In seinem besten Jahr wurden 2007 mehr als vier Millionen Passagiere im Hunsrück abgefertigt, seitdem hat Hahn 1,5 Millionen Fluggäste verloren – und schreibt Jahr für Jahr Millionenverluste. Für 2013 steht ein Defizit von knapp elf Millionen Euro in der Bilanz.

Rethage brachte ein Sanierungskonzept zustande, dessen Umsetzung er nun nicht weiter begleiten wird. Mit dem Sparprogramm, dass auch den Abbau von Arbeitsplätze vorsah, hatte er sich den Unmut von Teilen der Belegschaft zugezogen und war zuletzt immer weiter in die Kritik geraten.

Der Betriebsrat hatte den Manager angezeigt, weil er angeblich interne Informationen der Arbeitnehmervertreter beschafft und zu Angriffen verwendet haben soll. „Ich halte die Vorwürfe nach wie vor an keiner Stelle für stichhaltig“, sagte Rethage jetzt der „Rhein-Zeitung“. „Ich habe den Leuten, die jahrelang den Mund gehalten haben, Mut gemacht, den Mund aufzumachen“, so der entmachtete Geschäftsführer weiter. Das habe zu der aktuellen Konfliktlage beigetragen.

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