Frankfurt, München, Berlin
Der Kampf um Deutschlands Top-Lagen tobt

Viele begehrte Modelabels und Kulthändler drängen in die deutschen Innenstädte. Das treibt die Mieten und lässt die Kunden jubeln. Wo Deutschlands beliebteste Shoppingmeilen sind – und welche neuen Marken dort locken.

DüsseldorfDer Kampf um die guten Lagen auf den Flaniermeilen in deutschen Innenstädten wird härter. Unter anderem auch der Druck durch den Online-Handel sorgt dafür, dass sich für Labels und Händler allein noch Neueröffnungen in optimaler Lage rechnen – der Platz jedoch wird zunehmend geringer. „Vor allem große sowie internationale Filialisten sind hinsichtlich der Standortqualität zunehmend kompromisslos und kaum bereit, auf Lagen außerhalb der hochfrequentierten Shoppingmeilen auszuweichen“, heißt es in einer neuen Studie der BNP Paribas Real Estate. An den Mieten für die Spitzenlagen lasse sich die Entwicklung jedoch nur noch bedingt ablesen, sie stagnierten 2015 größtenteils auf dem – gleichwohl hohen – Vorjahresniveau.

„Sinken wird die Miete in den Spitzenlagen auf lange Sicht jedoch nicht“, sagt Gerrit Heinemann, Handelsprofessor an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach. Auch er beobachtet, dass sich große Filialisten insbesondere in großen Städten die besten Lagen sichern und lokale Händler unter anderem aufgrund der hohen Miete zunehmend ins Hintertreffen geraten. Dafür können aber seiner Meinung nach nicht allein die großen Marken verantwortlich gemacht werden. „Ein großer Teil der Kunden bereitet seinen Einkauf heute im Internet vor und geht dann in den Laden. In diesem Bereich sind große Filialisten einfach professioneller.“

Außerdem auffällig: Das mittlere Preissegment geht im Modegeschäft zunehmend verloren. Die Nachfrage der Kunden konzentriert sich zusehends auf Anbieter im unteren Preisbereich sowie auf Luxuslabels. Günstige Modehersteller wie das polnische Label Reserved, die Amerikaner von TK Maxx oder das irische Unternehmen Primark fokussieren sich dabei insbesondere auf die Anmietung riesiger Ladenlokale – und das nicht allein auf den Top-Märkten der großen Städte.

In Braunschweig beispielweise eröffnete Primark im vergangenen Jahr eine Filiale mit einer Größe von 6400 Quadratmetern. Nicht ganz so groß sind die neuen Geschäfte von TK Maxx in Aachen und Reserved in Mannheim. Mit jeweils rund 2500 Quadratmetern sind sie aber dennoch beachtlich.

Trotzdem ist die Lage laut Heinemann in kleineren Städten zunehmend problematisch. „Dort haben wir teilweise Leerstandsquoten von bis zu 40 Prozent“, sagt er. An diesen Stellen würden die Mieten in naher Zukunft daher vielmehr stark zurückgehen oder Läden sogar zum Nulltarif nicht mehr vermietbar sein.

Die Entwicklung in den sieben größten deutschen Städten sieht da schon anders aus:

München

TK Maxx hat in München jüngst seine europaweit größte Filiale eröffnet – und die lässt sich das Unternehmen gewaltig etwas kosten: Auf rund zwei Millionen Euro dürfte sich die Miete für die 6000 Quadratmeter große Immobilie in bester Lage auf der Neuhauser Straße zwischen Marienplatz und Stachus belaufen – ein bundesweiter Topwert. Nirgendwo in Deutschland ist laut BNP Paribas Real Estate die Spitzenmiete für 1A-Lagen so hoch wie in der bayerischen Landeshauptstadt. Liegt sie auf der Neuhauser Straße bei 340 Euro pro Quadratmeter, sind es einige Meter weiter auf der Kaufingerstraße sogar 370 Euro.

Damit ist die Einkaufsmeile laut einer Studie der Immobilien-Beratungsfirma Cushman & Wakefield sogar weltweit unter den Top Ten. Doch die Investition dürfte sich lohnen. Zumindest lässt die Passantenfrequenz darauf schließen. Mit rund 12.000 Flanierern in der Stunde liegt die Münchner Einkaufsmeile auch in dieser Kategorie deutschlandweit vorne.

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