Frankfurter Flughafen
Lufthansa will Nachtfüge trotz Nachtflugverbots

Die Airline will trotz eines Nachtflugverbotes auf dem ausgebauten Frankfurter Flughafen zwischen 23 und 5 Uhr starten und landen - und zwar nicht nur vereinzelt. Die Forderung führt den so genannten Flughafenkompromiss - Ja zum Ausbau gegen ruhige Nächte - ab absurdum.

HB FRANKFURT. Lufthansa-Vorstand Stefan Lauer sagte der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, bis 2020 sei mit 41 Starts und Landungen pro Nacht zu rechnen. Ein entsprechender Bedarf sei dem hessischen Wirtschaftsministerium dargelegt worden. Das Ministerium muss derzeit über den Genehmigungsantrag für den Flughafenausbau entscheiden. Teil des Antrags ist auch die Einführung eines strikten Nachtflugverbots.

Lauer sagte, die Lufthansa werde für jede einzelne Flugbewegung in der Nacht den Nachweis der wirtschaftlichen Notwendigkeit führen. Werde der Lufthansa kein entsprechend hohes Kontingent zugestanden, werde es für die Frachttochter Lufthansa Cargo schwierig, ihre führende Position auf dem hart umkämpften Frachtmarkt zu verteidigen.

Ein Planfeststellungsbeschluss für den Flughafenausbau, bei dem unter anderem die Errichtung einer neuen Landebahn vorgesehen ist, wird für November erwartet. Der Vorsitzende des Regionalen Dialogforums, Johann-Dietrich Wörner, hat in den vergangenen Wochen vorgeschlagen, eine begrenzte Zahl von maximal 15 Nachtflügen trotz Verbots zuzulassen. Das Regionale Dialogforum ist eine Art Runder Tisch von Luftfahrtgesellschaften, Landesregierung, Verbänden und Anrainerkommunen.

Als untragbar bezeichnete die hessische SPD-Fraktionsvorsitzende und Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti die Forderung der Lufthansa. „Hier wird das Ruhebedürfnis der Flughafenanwohner völlig ignoriert und rein betriebswirtschaftlichen Erwägungen unterworfen. Dafür steht die Hessen-SPD nicht zur Verfügung. Für uns gilt: Ausbau nur mit Nachtflugverbot“, sagte Ypsilanti. Die SPD-Chefin forderte Ministerpräsident Koch auf, „der Lufthansa endlich entschieden entgegenzutreten“.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag, Michael Boddenberg, sagte, die Lufthansa-Forderungen seien „jenseits von gut und böse“. Der Ausbau des Flughafens sei nur in Verbindung mit der Einführung eines Nachtflugverbots zu realisieren: „Da dem Schutz der Anwohner höchste Priorität einzuräumen ist, sind nach meiner Einschätzung lediglich einige dringend erforderliche Frachtflüge denkbar.“

Grünen-Fraktionschef Tarel Al-Wazir, sprach von einem „riesigen Betrugsmanöver zu Lasten der Bevölkerung“: „Sie soll jetzt darauf vorbereitet werden, dass das immer wieder fest versprochene Nachtflugverbot wirtschaftlich und rechtlich nicht machbar sei.“ Er forderte das Wirtschaftsministerium auf, das Planfeststellungsverfahren mit einer Ausbau-Ablehnung zu beenden.

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