Frankfurter Flughafen
Rollfeld-Streik entzweit Gewerkschafter

Es ist der Alptraum der Geschäftsreisenden: Heute wird der Flughafen Frankfurt von 8 bis 22 Uhr bestreikt. Allein Lufthansa und Air Berlin streichen Hunderte Flüge. Ein Zwist unter Gewerkschaften kocht daher hoch.
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FrankfurtDer Streik des Rollfeld-Personals auf dem Frankfurter Flughafen entzweit die Arbeitnehmervertreter. Mit kräftigen Worten giftet Edgar Stejskal, Konzernbetriebsratschef des Flughafenbetreibers Fraport, gegen die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF), deren Aufruf zum Streik von 15 bis 22 Uhr am Donnerstag etwa 200 Fraport-Beschäftigte gefolgt sind. Stejskal wirft den Mitarbeitern vom Vorfeld „reinen Egoismus“ vor. „Die Kollegen wären gut beraten, wenn sie sich besinnen“, sagt der Konzernbetriebsrat. „So bricht uns der Flächentarifvertrag auseinander.“

Die geforderten 70.000 bis 100.000 Euro brutto Jahresgehalt für einen Lotsen auf dem Vorfeld seien viel zu viel. Ein Fahrer dort könne nicht mehr verdienen als ein Ingenieur, der ein Studium hinter sich gebracht habe. „Fragen Sie die Kollegen mal direkt, wie sie die Forderung rechtfertigen.“

Von den Kollegen, die zum Großteil in der GdF organisiert sind, ist auch nach Streikbeginn am Flughafen niemand zu sehen. Sie haben sich in einer Gaststätte gleich um die Ecke in Kelsterbach versammelt. Von Markus Siebers, GdF-Bundesvorstand Tarif und Recht, kommt am Abend gegenüber Handelsblatt Online eine Replik auf die scharfen Töne Stejskals. Vor Leuten, „die auf diese Art und Weise ihre Kollegen verunglimpfen und gemeinsame Sache mit dem Unternehmen machen, habe ich als Gewerkschafter jede Achtung verloren“, so Siebers.

Hintergrund ist ein Zwist zwischen den Gewerkschaften GdF und Verdi. Die jetzt streikenden Mitarbeiter des Vorfelds waren früher bei Verdi organisiert, bevor sie zur kleinen Spartengewerkschaft wechselten. Und Stejskal ist bei Verdi als Mitglied gelistet. Andere Verdi-Verbände würden die GdF hingegen bei ihrem Streik unterstützen, sagt Siebers. Mit Stejskal hingegen spreche er nicht mehr.

Auch der Kontakt mit Fraport ruht. 24 Stunden vor dem Beginn des Streiks habe man ein Schreiben bekommen. Das sei alles gewesen, so Fraport-Vorstandsmitglied Peter Schmitz. Für den Flughafenbetreiber ist der Streik der Vorfeldmitarbeiter Neuland. „Wir müssen Erfahrung sammeln mit der Situation. So was hatten wir noch nicht“, sagt Schmitz. Im Vorfeld, dort, wo die Maschinen vor Starts und nach Landungen begleitet werden, seien trotz des Streiks aber alle Positionen besetzt.

Ersatzweise haben Mitarbeiter aus anderen Bereichen die Spätschicht übernommen, die zuvor geschult wurden. 16 Beschäftigte des Vorfelds hätten sich zudem dem Streik verweigert. „Wir haben qualifiziertes Personal, aber das ist nicht das Tagesgeschäft des Personals. Von daher wird das etwas langsamer gehen“, sagt Schmitz, während GdF-Vorstand Siebers hofft, dass diese „mit viel Glück und Spucke hoffentlich keinen Unfall produzieren“.

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Auch am Freitag wird gestreikt - von 8 bis 22 Uhr

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  • Gier ist die Haupttriebfeder der GDF. Gier, die sie auf eine Stufe stellt mit Finanzspekulanten und korrupten Politikern. Wer sich aus dem Verteilungsrahmen so ungeniert großzügig bedienen will, wohlwissend, daß damit Anderen ausreichende Lohnzuwächse abgeschnitten werden, hat keinen Anspruch auf Solidarität! Diese erpresserischen, unsolidarischen Vereine, die sich auch noch Gewerkschaft nennen, müssen weg! Verhandeln muß die stärkste Organisation, nicht die winzigen Witzbuden!

  • Es ist zwingend notwendig, andere und neue Gewerkschaften
    zu etablieren. Ich muß nur noch den DGB anschauen, mit dem Europagewerkschaftler Sommer. Er vergießt Kullertränen ob der Misere in Spanien während in Deutschland noch immer keine Mindestlöhne bezahlt werden.
    Es ist schon so wie andere auch geschrieben haben, hauptsache die Aufsichtsratposten sind sicher. Bitte nicht vergessen die Posten bei den Verwaltungsräten( siehe Verdi).
    Alle viel zu viel Geld, und viel zu fett.
    Es lebe hoch der deutsche Michel.

  • Gut so!!,

    Die Gewerkschaften können wohl nicht mehr in ihren warmen Aufsichtsratssitzen bleiben? Fürchten sie um ihre Pfründe?
    In einer Zeit in der Leiharbeit und Dumpinglöhne an der Tagesordnung sind, ist dies äußerst legitim!!!

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