Franz wechselt in die Schweiz
Schneller Abflug, viele offene Baustellen

Nach nur drei Jahren im Cockpit von Deutschlands größter Airline geht Christoph Franz 2014 von Bord. Der Manager hat bei der Lufthansa einen ambitionierten Umbau angestoßen, doch für seinen Nachfolger bleibt viel zu tun.
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DüsseldorfEs ist ein überraschender wie abrupter Wechsel: Christoph Franz verlässt die Lufthansa nach Ablauf seines Vertrages Ende Mai 2014 und soll zum Verwaltungsratschef des Schweizer Arzneimittelherstellers Roche gewählt werden. „Das Zukunftsprogramm Score und wichtige Investitionsentscheidungen haben bis dahin die Grundlagen für eine erfolgreiche Weiterentwicklung der Lufthansa Group gelegt“, ließ Franz am Montagmorgen mitteilen. Und weiter: „Dies ist ein passender Zeitpunkt für einen Führungswechsel.“ Das dürften die Lufthansa-Beschäftigten und die Aktionäre ganz anders sehen.

Denn der 53-Jährige verlässt Deutschlands größte Fluggesellschaft mitten im Umbruch. „Diese Entscheidung ist mir nach insgesamt knapp 15 Jahren in der Lufthansa Group alles andere als leicht gefallen“, erklärte Franz laut Mitteilung. Egal wie die Zahlen im Sommer nächsten Jahres aussehen werden – der von ihm eingeschlagene Sanierungskurs wird dann noch lange nicht abgeschlossen sein. Franz dürfte bei der ehemaligen Staats-Airline viele offene Baustellen hinterlassen.

Zum einen ist da das Sparprogramm „Score“, das Franz im vergangenen Jahr eingeleitet hat. Mit dem Programm will die Lufthansa das Betriebsergebnis bis zum Jahr 2015 um 1,5 Milliarden Euro jährlich steigern. Dazu setzte Franz einen Umbau im Passagiergeschäft durch: Bis Herbst 2014 sollen alle Linien innerhalb Deutschlands und Europas von der Billigtochter Germanwings übernommen werden. Nur Flüge der Drehkreuze Frankfurt und München bleiben davon ausgenommen. Teile der Lufthansa-Flotte gehen im Rahmen der Umstrukturierung auf Germanwings über. Mit der Umstellung zog Franz nicht nur Kritik der Belegschaft, sondern auch der Vielflieger auf sich.

Sie wird im Mai 2014 noch nicht abgeschlossen sein – wie auch der Stellenabbau. Denn die Lufthansa spart im Rahmen von „Score“ auch kräftig beim Personal. Von 117.000 Arbeitsplätzen sollen mindestens 3500 wegfallen. 2500 Mitarbeiter in Deutschland sind betroffen. Das führte zu Konfrontationen mit der Belegschaft. Zähe Tarifverhandlungen sind ein Beleg dafür. Aktuell befinden sich die Gespräche mit den Piloten in einer schwierigen Phase.

Und es drohen weitere Streiks: Die Lufthansa hat Anfang des Monats die Tarifverträge für Pensionen und die Übergangsversorgung mit Wirkung zu Ende des Jahres gekündigt. Die 60.000 Angestellten der Fluggesellschaft in Deutschland müssen sich auf niedrigere Betriebsrenten einstellen, wollen dies aber nicht hinnehmen. Das derzeitige Niveau der betrieblichen Altersversorgung sei so nicht mehr finanzierbar, sagte der Personalvorstand des Passagiergeschäfts, Peter Gerber.

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  • Was für eine Erleichterung, dass der Technokrat FRANZ die Lufthansa verläßt! Er hinterläßt mehr verbrannte Erde, als derzeit sichtbar ist, vor allem, wenn man vertraulich mit Mitarbeitern spricht. Seit seine Programme greifen, fliege ich ausschließlich mit anderen Gesellschaften. Als ehemaliger Kunde wünsche ich der Lufthansa und vor allem ihrer Belegschaft einen künftigen Chef, der alle Ressourcen des Unternehmens für eine strategische Ausrchtung (er-) kennt und nicht nur ausschlißlich jedem auch noch so kurzfristigen- Shareholder Value dient.

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