Französischer Stromversorger verdoppelt das Ergebnis – Auslandstöchter bringen Geld
EDF-Chef Roussely verabschiedet sich mit guten Zahlen

Der staatliche französische Stromversorger EDF setzt auch in seiner neuen Rechtsform als Aktiengesellschaft eine schlechte Tradition fort. Wenige Tage vor der offiziellen Bekanntgabe tauchten die Halbjahres-Ergebnisse in der französischen Presse auf. Nach Informationen der Tageszeitung „La Tribune“, der Partnerzeitung des Handelsblatts, hat EDF sein Halbjahresergebnis 2004 verdoppelt: Es stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 106 Prozent auf 1,5 Mrd. Euro. EDF wollte die Zahlen nicht kommentieren.

ali PARIS. Den Angaben zufolge legte der Umsatz um 3,5 Prozent auf 24 Mrd. Euro zu. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen stieg um 8,6 Prozent auf 6,8 Mrd. Euro. Damit verabschiedet sich der entlassene EDF-Chef François Roussely mit guten Zahlen von seinem Posten. Gestern tagte der Aufsichtsrat des Stromversorgers. Es gilt als sicher, dass dieser Staatspräsident Jacques Chirac den Ex-Chef von Gas de France, Pierre Gadonneix, zur Ernennung zum neuen EDF-Chef vorschlagen wird. Die offizielle Berufung wird für heute erwartet.

Als eine Ursache für das gute Ergebnis gilt das Abschneiden der Auslandsbeteiligungen von EDF. Roussely hatte kräftig im Ausland eingekauft. Dies hatte ihm zunächst große Abschreibungen und damit harsche Kritik eingebracht.

Doch die Restrukturierungsbemühungen tragen nun offenbar Früchte. So hat der deutsche Versorger EnBW, an dem die Franzosen mit 34,5 Prozent beteiligt sind, im ersten Halbjahr einen Gewinn nach Steuern von 202 Mill. Euro ausgewiesen; im Vorjahreszeitraum schlug ein Verlust von 953 Mill. Euro zu Buche. Auch die italienische Edison, an der EDF mit 18 Prozent beteiligt ist, aber nur zwei Prozent der Stimmrechte ausüben darf, weist wieder Gewinne aus.

An diesen guten Ergebnissen wird sich der neue EDF-Chef messen lassen müssen. Nach Angaben von „La Tribune“ hat Gadonneix gar den Verdacht gehegt, Rousselys Mitarbeiter hätten versucht, das Rechenwerk so gut wie möglich aussehen zu lassen.

Auf Gadonneix warten einige Herausforderungen. Seit Anfang Juli muss sich EDF im Strommarkt für Geschäftskunden dem Wettbewerb stellen, das sind rund 70 Prozent des Gesamtmarktes. Während Gadonneix als Chef von Gas de France versuchte, sein Unternehmen stärker im Strombereich zu diversifizieren, dürfte er nun als EDF-Chef versuchen, den Stromversorger auch im Gasgeschäft ins Spiel zu bringen.

Daneben wartet die Teilprivatisierung auf den neuen Mann an der EDF-Spitze. Der Konzern braucht dringend eine Eigenkapitalstärkung; dazu soll es vorsichtig für private Investoren geöffnet werden. Dagegen wehren sich die Gewerkschaften mit allen Mitteln. Schließlich überweist EDF ein Prozent seines Umsatzes an den Betriebsrat. Diesen Luxus wird sich eine börsennotierte EDF nicht mehr leisten können.

In jedem Fall geht der neue Konzernchef mit einer schweren Hypothek an den Start. Denn seiner Berufung ging eine Polit-Posse ohne Beispiel voraus. Premierminister Jean-Pierre Raffarin wollte auf Biegen und Brechen den alten EDF-Chef Roussely loswerden. Dieser verdankte seinen Job der sozialistischen Vorgänger-Regierung. Erst nach langem Hin und Her konnte sich der Regierungschef mit seinem Wunsch bei Staatschef Chirac durchsetzen.

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