Franzosen wollen Forderungen der Gewerkschaften nicht erfüllen
Air France bricht Alitalia-Verhandlungen ab

Letzter Versuch gescheitert: Der Fluggesellschaft Air France -KLM ist es nicht gelungen, die Gewerkschaften von Alitalia von einer Übernahme zu überzeugen. Wenige Stunden vor Ablauf der Frist um Mitternacht haben die Vertreter von Air France den Verhandlungstisch verlassen, nachdem sie die Forderungen der Gewerkschaften abgelehnt haben. Der Übernahme wird im Wahlkampf zum Politikum.

MAILAND. "Ich nehme mit Bedauern das Scheitern der Verhandlungen zur Kenntnis, das nicht von uns abhängt", ließ der Chef der französisch-niederländischen Fluggesellschaft, Jean-Cyril Spinetta, gestern wissen. "Es ist ein Projekt, an das ich fest geglaubt habe und an das ich weiterhin glaube, weil es Alitalia erlaubt hätte, schnell den Weg zu einem gewinnbringenden Wachstum wieder zu finden."

Der Alitalia -Chef Maurizio Prato zog am Abend die Konsequenz aus dem Scheitern und trat zurück. "Dieses Unternehmen ist verflucht. Nur ein Exorzist kann es retten", wurde Konzernchef Prato aus den Verhandlungen zitiert.

Acht der insgesamt neun Gewerkschaften hatten Air France -KLM aufgefordert, den 51-prozentigen Anteil an der Bodenservice-Sparte AZ Servizi zu übernehmen. Außerdem wollten sie, dass Air France die veraltete Alitalia -Flotte schneller modernisiert als geplant und das Frachtgeschäft über das Jahr 2010 hinaus weiter betreibt. Spinetta soll den Gewerkschaften nur in einzelnen Punkten entgegen gekommen sein, hieß es aus Unternehmenskreisen.

Seit eineinhalb Jahren versucht der italienische Staat bereits, sich von seinen knapp 50 Prozent der Anteile an Alitalia zu trennen. Seit Januar verhandelt die Regierung exklusiv mit Air-France, seit Mitte März liegt ein verbindliches Angebot der Franzosen vor. Mit der Übernahme der Schulden und der geplanten Kapitalerhöhung von einer Mrd. Euro wollten die Franzosen insgesamt 1,7 Mrd. Euro auf den Tisch legen.

Weil im Februar überraschend die italienische Regierung stürzte, fällt der Verkauf der kriselnden Fluggesellschaft jedoch mitten in den Wahlkampf und ist zu einem heißen Politikum geworden. Der Oppositionsführer und Premierminister-Kandidat Silvio Berlusconi hat bereits vorgeschlagen, dass seine eigenen Kinder zusammen mit anderen Unternehmern des Landes die Airline übernehmen könnten.

"Wenn wir an die Regierung kommen, blockieren wir den Verkauf an Air France-KLM", hatte Berlusconi im Wahlkampf angekündigt und damit die Verhandlungen erschwert. Der Oppositionsführer schürt die Furcht vor Einbußen im Tourismus für Italien, sollten die Franzosen zugreifen: "Was glauben Sie denn, wo Air France die zukünftigen Touristen aus Indien und China hinfliegen wird? An die Loire-Schlösser oder in Italiens historische Städte?", fragte er provokativ.

Air-France-Chef Spinetta hat diese Woche verzweifelt versucht, die Gewerkschaften doch noch von der Übernahme durch seine Fluggesellschaft zu überzeugen. Die Verhandlungsfrist, die eigentlich am Montag endete, hat er auf gestern Mitternacht verlängert.

Da Alitalia täglich eine Million Euro verliert, hatte Spinetta auch drastische Einschnitte geplant: 2 100 Mitarbeiter sollten gehen, das Frachtgeschäft sollte aufgelöst und die Wartung abgespalten werden. Von den beiden Drehkreuzen Mailand und Rom wollte Spinetta, der bereits auf Paris und Amsterdam zählen kann, nur Rom behalten.

Gestern hatte noch der scheidende Finanzminister Tommaso Padoa-Schioppa im Parlament appelliert, der Verkauf an Air France sei "die letzte Chance", um Alitalia vor der Insolvenz zu retten.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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