Fraport
Terrorangst lässt Passagierzahlen sinken

Der Flughafenbetreiber Fraport streicht wegen der Terrorangst seine Erwartungen für das Passagiergeschäft zusammen. An seinen Gewinnzielen für 2016 hält Vorstandschef Stefan Schulte dennoch fest

FrankfurtFraport fürchtet nach den jüngsten Anschlägen in Europa den ersten Passagierrückgang seit sieben Jahren. Die 61 Millionen Passagiere, die der Flughafen Frankfurt voriges Jahr zählte, dürften 2016 nicht mehr erreicht werden, teilte Fraport am Donnerstag mit. Zuvor hatte der Betreiber mit einem Anstieg der Fluggastzahlen am größten deutschen Airport um bis zu drei Prozent gerechnet. „Die geopolitischen Rahmenbedingungen belasten den Luftverkehr“, sagte Unternehmenschef Stefan Schulte. Für die erfolgsverwöhnten Frankfurter markiert der Rückgang einen Einschnitt: Es ist das erste Minus seit 2009. Damals wurde es in den Terminals wegen der Finanzkrise leer.

Diesmal sind die Gründe andere: Wegen der jüngsten Anschläge in Europa bleiben Fluggäste aus Übersee weg. Das ist schmerzhaft, da etwa Passagiere aus China, Japan und Vietnam in den Läden des Flughafens besonders viel Geld ausgeben. Zudem wächst der Großkunde Lufthansa, der mehr als 60 Prozent der Passagiere stellt, nicht mehr. Gleichzeitig brachen die Passagierzahlen am Tochterflughafen im türkischen Antalya seit Jahresanfang um die Hälfte ein. Nach einem Anschlag auf Deutsche im Januar und dem jüngsten Putschversuch von Teilen des Militärs meiden Urlauber den vor kurzem noch sehr beliebten Badeort.

Doch macht sich Fraport Hoffnungen auf eine Trendwende: Da Russland vor einem Monat die Sanktionen gegen die Türkei beendet habe, dürften bald auch wieder die ersten russischen Charter-Airlines die Mittelmeer-Destination ansteuern, erklärte der Konzern.

Gleichzeitig sind die Zeiten des starken Wachstums im globalen Luftverkehr offenbar vorbei. Im Juni seien die Flugkapazitäten weltweit um 5,6 Prozent gestiegen, während die Nachfrage lediglich um 5,2 Prozent zugenommen habe, teilte der Branchenverband Iata mit. An der Prognose für das laufende Jahr hält Fraport-Chef Schulte dennoch dank eines Sondereffekts fest: Das Betriebsergebnis soll sich auf 850 bis 880 Millionen Euro summieren nach 848,8 Millionen Euro im Vorjahr. Hier profitieren die Hessen allerdings von einem außerordentlichen Geldsegen aus dem Verkauf einer Beteiligung am russischen Flughafen St. Petersburg an die Qatar Investment Authority. Dadurch erzielt Fraport einen Gewinn von 30 bis 40 Millionen Euro. Im zweiten Quartal stagnierte der Fraport-Betriebsgewinn bei 233 Millionen Euro und der Umsatz brach um 14 Prozent auf 652 Millionen Euro ein.

Fraport steckt damit in einem strategischen Dilemma: Wegen der Wachstumsschwäche der Lufthansa müsste der Konzern eigentlich darauf ausweichen, neue Airlines nach „FRA“ zu holen, sagte Luftfahrt-Analystin Ruxandra Haradau-Döser vom Brokerhaus Kepler Cheuvreux. "Doch haben stark expandierende Fluglinien, etwa vom Persischen Golf oder aus China, ihre Verkehrsrechte ausgeschöpft und dürfen nicht neue Strecken nach Deutschland aufnehmen." Das zweite Wachstumsfeld in der Branche seien Billigflieger, und die seien am viertgrößten europäischen Flughafen schwach vertreten. Der Betreiber der Pariser Flughäfen ADP ist da schon weiter. Auch wenn Asiaten und Amerikaner nach den Attacken in Frankreich vermehrt zu Hause blieben, wachse der Airport weiter, da Billigflieger wie die Air France-KLM Tochter Transavia und Vueling neue Passagiere brächten, hatte ADP-CFO Philippe Pascal gesagt.

Doch für Frankfurt könnte sich nach Aussagen Haradau-Döser eine andere Option auftun. „Längerfristig denke ich aber, dass Frankfurt auf der Landkarte der Lufthansa noch wichtiger wird.“ Die Lufthansa betreibe mit Frankfurt, München, Zürich und Wien vier Drehkreuze mit vier verlustreichen Zubringer-Netzwerken. Frankfurt sei das profitabelste Hub. „Es wäre also logisch, wenn die Lufthansa dort auch ihre Umsteigeverbindungen konzentriert.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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