Freizeitparks
Teurer Kick

Die deutschen Freizeitparks leben von der Besuchertreue. Wachsen können sie so aber nicht. Europa-Park, Legoland, Sea Life und Co. müssen mehr bieten als Achterbahnen und Akrobatikshows. Sie setzen auf Hotels, Tagungen und Events.
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DÜSSELDORF. Der Bundestrainer ist gerade da. „Ich habe eben Joachim Löw begrüßt, er spricht jetzt vor Bitburger-Führungskräften über Motivation in Sport und Wirtschaft“, sagt Roland Mack, Geschäftsführer und Mitinhaber des Europa-Parks im badischen Rust. Für Löw ist der Auftritt zwischen Achterbahnen und Würstchenbuden ein Pflichttermin, denn der Bierbrauer ist einer der wichtigsten Sponsoren des Deutschen Fußballbunds. Und für Mack ein gutes Geschäft: Die Bitburger-Tagung ist eine von mehr als Tausend Veranstaltungen im Jahr, die Deutschlands größten Freizeitpark über das klassische Spaßgeschäft von der Wasserrutsche über die Schweizer Bobbahn bis zur Flamenco-Show hinaus auslasten.

"Erfolgreiche Parks leben nicht nur von ihren Anlagen", sagt Hermann-Josef Kiel, Professor für Kultur- und Freizeitmanagement an der Hochschule Heilbronn. Neben Fahrgeschäften, Pizza und Pommes plus obligatorischen Souvenirfotos drängen als Einnahmequellen immer öfter Übernachtungen, TV-Veranstaltungen sowie Tagungen und Events für Unternehmen in den Vordergrund. Die Spannbreite reicht von der Miss-Germany-Wahl über den Edeka-Familientag bis zur Halloween-Party.

Diese Erweiterungen sind notwendig, weil die meisten der rund 60 deutschen Freizeitparks kaum wachsen. Insgesamt stagnieren die Besucher nach Zahlen der Beratung PricewaterhouseCoopers (PwC) bei knapp 19 Millionen. Das Marktvolumen schätzt PwC-Berater Frank Mackenroth auf 446 Millionen Euro. Die Parks selbst veröffentlichen keine Zahlen, da weder die Eigentümerfamilien noch Freizeitkonzerne Details nennen müssen. Besucherzahlen, wenn sie genannt werden, sind nach Ansicht von Branchenkennern oft geschönt. Mackenroth prognostiziert bis 2010 ein Umsatzplus von jährlich 1,9 Prozent. Die Besucherzahl soll gerade mal um 1,2 Prozent pro Jahr auf rund 20 Millionen steigen.

Die Parks leben von der Besuchertreue: So baut der Heide-Park im niedersächsischen Soltau auf 60 Prozent Stammgäste, die jedes Jahr mit Shows und Schussfahrten Spaß haben wollen. Damit die wiederkommen, brauchen sie mindestens alle zwei Jahre einen neuen Kick. Doch der kommt teuer: Eine gute Achterbahn kostet locker 10 bis 15 Millionen Euro. Für die Parks heißt das, zusätzliche Einnahmen heranschaffen - oder finanzstarke Investoren.

So gehören der Heide-Park, das Legoland im schwäbischen Günzburg und die Aquarien-Kette Sea Life zu Merlin Entertainments, einer Tochter des US-Finanzinvestors Blackstone. Beim seit Jahren kriselnden Movie Park in Bottrop - ehemals im Besitz von Warner Brothers - ist ebenfalls ein Finanzinvestor eingestiegen. Auch der will aber nicht nur investieren, sondern bald Rendite sehen. Um teure Anlagen und Personal besser auszulasten, gebe es "drei Möglichkeiten: eine verlängerte Saison, ausgedehntere Besuchszeiten und zusätzliche Veranstaltungen", sagt Experte Kiel.

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