Fremdbesitzverbot
Bittere Medizin für Celesio & Co

Die Haniel-Tochter Celesio wird es voraussichtlich schwer haben, auf dem deutschen Apothekenmarkt Fuß zu fassen. Der Generalanwalt des Europäischen Gerichtshof hält das hierzulande geltende Fremdbesitzverbot für vereinbar mit dem EU-Recht. Bleibt es dabei, wäre eine Celesio-Apothekenkette unter dem Dach von Doc Morris unmöglich.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Apothekenketten in der Hand von Pharmahändlern oder Supermarktbetreibern, das wird es in Deutschland voraussichtlich nicht geben. Das hierzulande geltende Fremdbesitzverbot hält der Generalanwalt des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) mit dem Gemeinschaftsrecht für vereinbar, wie er gestern in seinem Schlussantrag ausführte. Die Meinung des Generalanwalt ist zwar nicht bindend für das Urteil des EuGH, das wohl im Frühjahr 2009 fallen wird. In neun von zehn Fällen ist der EuGH nach Beobachtung von Juristen der Empfehlung des Generalanwalts aber gefolgt.

Für den Pharmahandelskonzern Celesio würde das die Zukunftspläne zunichte machen, unter dem Markendach von DocMorris eine Apothekenkette in Deutschland aufzuziehen. „Damit fehlt Celesio ein künftiger Wachstumstreiber“, sagt Analyst Martin Possienke, Analyst bei Equinet.

Die zum Familienkonzern Haniel gehörende Celesio AG nahm zum Plädoyer Bots wenig konkret Stellung: „Mit dem Schlussantrag sind wir der endgültigen Entscheidung des EuGH ein Stück näher gekommen“, sagte Fritz Oesterle, Vorsitzender des Vorstands der Celesio AG. Sein Unternehmen brauche Planungssicherheit für seine zukünftige Ausrichtung. Nach dem Kauf von rund 90 Prozent an der Online-Apotheke DocMorris hatte Celesio in der Öffentlichkeit immer wieder massiv für eine Liberalisierung der Apothekenmärkte geworben. Viele Apotheker hatten daraufhin aus Protest der Celesio-Großhandelstochter Gehe den Rücken gekehrt.

Celesio hielt aber an seinen Plänen fest. Da im Pharmagroßhandel in Deutschland wenig verdient wird, erschien eine Erweiterung des Geschäftsmodells in Richtung Apothekenkette auch für viele Marktbeobachter logisch. Celesio betreibt bereits Apothekenketten in Großbritannien.

Der deutschen Apothekenmarkt ist rund 38 Mrd. Euro schwer und nach den USA und Japan der drittgrößte der Welt. Die Margen sind attraktiv: Nach Berechnungen von Branchenexperten erzielen die 21 500 Apotheken in Deutschland durchschnittlich eine Umsatzrendite von zehn Prozent; beim Einzelhandel sind es lediglich drei.

Der Bundesverband der Apothekerverbände, der sich in den vergangenen Monaten immer deutlich gegen eine Liberalisierung des Marktes ausgesprochen hatte, begrüßte gestern die Position des Generalanwalts. Aber auch die Verbände der pharmazeutischen Industrie bewerteten die Empfehlung von Yves Bot positiv: Sie hatten befürchtet, dass sich mit der Gründung großer Apothekenketten auf der Abnehmerseite die Position manches Pharmaherstellers deutlich verschlechtern werde.

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