Friedenspflicht
Lufthansa-Streik ist vorbei

Nach dem Streik der Flugbegleiter machte die Lufthansa in puncto Leiharbeit einen großen Schritt auf Ufo zu – und die Gewerkschaft willigte in ein Schlichtungsverfahren ein. Nun gilt die Friedenspflicht.
  • 4

FrankfurtDer bislang heftigste Streiktag bei der Lufthansa ist zu Ende. Der eintägige Ausstand der Flugbegleiter wurde am Freitag um Mitternacht planmäßig beendet. Das bestätigte ein Sprecher der Fluggesellschaft in Frankfurt.

Nach der Einigung auf eine Schlichtung im Tarifstreit der rund 19.000 Lufthansa-Flugbegleiter ist um Mitternacht die Friedenspflicht in Kraft getreten. Damit können Reisende wieder mit der zuverlässigen Flugplänen bei Deutschlands größter Airline rechnen. Weitere Streiks müssen Lufthansa und ihre Passagiere vorerst nicht fürchten.

Zuvor hatte die Fluggesellschaft im Tarifkonflikt eine wichtige Forderung der Streikenden erfüllt. Lufthansa kündigte an, künftig keine Leih-Stewardessen mehr auf ihren Berlin-Verbindungen einzusetzen. Baublies signalisierte Kompromissbereitschaft bei den Sparplänen des Konzerns.

Bis Freitagnacht fielen wegen der bisher größten Streikwelle bei der Lufthansa fast 1.000 Flüge aus, 100.000 Kunden mussten sich andere Reisewege suchen. Ein Chaos blieb aber aus. Am Samstag sollte sich, abgesehen von knapp zwei Dutzend Flügen, der Flugverkehr wieder normalisieren.

Ein Schlichter wird nach Angaben des Gewerkschaftschefs noch gesucht. Während der Schlichtung gilt Friedenspflicht. Im Schlichtungsverfahren geht es nach Angaben von Ufo in erster Linie um die Vergütungsfragen. Parallel dazu sollen aber über alle anderen strittigen Fragen wie Leiharbeit verhandelt werden. „Damit ist die Ufo sehr zufrieden“, sagte Baublies. Es sei der Gewerkschaft immer um ein Gesamtpaket gegangen. Die Ankündigung der Lufthansa, künftig keine Leih-Stewardessen mehr auf ihren Berlin-Verbindungen einzusetzen, sei ein „wichtiges Signal“ gewesen.

Das Unternehmen verzichtet kurz vor der Schlichtungsvereinbarung „einseitig, auf absehbare Zeit und ohne weitere Vorbedingungen auf den Einsatz von externen Kabinencrews in Berlin“, kündigte Lufthansa-Chef Christoph Franz an. Die rund 200 betroffenen Stewardessen der Zeitarbeitsfirma Aviation Power sollen im kommenden Jahr Jobangebote der Lufthansa erhalten. Noch am Freitag hatten die Leiharbeiter dafür gesorgt, dass Lufthansa aus Berlin Europaflüge anbieten konnte, während die Lufthansa-Crews streikten.

Franz verspricht sich laut einer Mitteilung Fortschritte in den festgefahrenen Tarifverhandlungen für die rund 18.000 Flugbegleiter der Lufthansa Passage. „Wir hoffen, dass dieser Schritt der Gewerkschaft Ufo hilft, mit uns gemeinsam in konstruktiven Gesprächen den Weg zu einer zukunfts- und wettbewerbsfähigen Vergütungsstruktur für die Mitarbeiter der Kabine zu beschreiten.“

Das Schlichtungsabkommen soll laut Lufthansa bis kommenden Mittwoch unterzeichnet werden und sich nur mit Vergütungsfragen beschäftigen. Bereits ab Samstag gelte aber die Friedenspflicht. Ein Schlichter solle bis Ende kommender Woche gefunden und einvernehmlich bestimmt werden. „Beide Seiten sind sich darüber einig, dass auch die im Schlichtungsverfahren nicht regelbaren Themen rasch gelöst werden müssen“, teilte die Lufthansa weiter mit. Diese sollten noch vor Beendigung des Schlichtungsverfahrens abgeschlossen sein.

Wegen des Streiks musste Europas größte Fluggesellschaft am Freitag weit mehr als die Hälfte ihrer Flüge streichen. Selbst die Pilotenstreiks aus den Jahren 2001 und 2010 hatten nicht eine derart durchschlagende Wirkung. Chaos gab es aber weder an Flughäfen, Bahnhöfen noch auf den Autobahnen. Es war bereits die dritte Streikwelle nach zwei regional begrenzten Ausständen seit Freitag vergangener Woche.

Seite 1:

Lufthansa-Streik ist vorbei

Seite 2:

Air Berlin profitiert von Streiktag

Kommentare zu " Friedenspflicht: Lufthansa-Streik ist vorbei"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Es ist ein Problem an sich, das eine derart winzige Gewerkschaft ein dermaßen großes Problem, und noch größeren Schaden anrichten kann.

    Hier gilt es anzusetzen. Die Eiserne Lady hat in den 1980er Jahren beispielsweise auf der Insel die Gewerkschaften Schritt für Schritt entmachtet, hier in D haben wir zugesehen, wie sie den größten Wohnungsbaukonzern Westeuropas platt gemacht haben, und Vögel wie Herr Bsirske weiterhin die Menscheit verarscht, und seine linken Parolen verbreitet!

    Das Geld für seinen Lebensunterhalt bezieht er allerdings aus diverse Jobs in Aufsichträten großer Unternehmen!

  • Mal ehrlich, wozu brauch man Flugbegleiter eigentlich? Man braucht ein Handvoll Leute, die die Notausgänge bei Bedarf bedienen. Essen und Trinken kann man vor dem Flug ausgeben und damit hat es sich dann. Hier wird ein Drama um Leistungen gemacht, die zum Teil gar nicht gebraucht werden. Ich bin glücklich, wenn ich die unfreundlichen Saftschupsen nicht sehe.

  • Also ich kann nicht aus eigener Erfahrung sprechen, da ich diesen ebenso harten Job nicht ausübe, aber von der Welt sehen die Flugbegleiter nicht viel. Häufig haben Sie eine halbe Nacht oder dürfen nicht mal den Flughafen verlassen. Hinzu kommt eine immerwährende Freundlichkeit, egal wie beschissen es einen geht.
    Eine simple Vereinfachung ist bei keinem Job angebracht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%