Fritz-Kola-Gründer Wiegert
„Wir zünden so viele Nebelkerzen wie möglich“

Fritz-Kola redet gerne über sein Underdog-Image, aber nicht so gerne über Zahlen. Firmen-Mitgründer Mirco Wiegert erklärt, warum das Unternehmen wirtschaftliche Daten verschleiert und was er selbst zum Frühstück trinkt.
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HamburgMirco Wolf Wiegert wird von keinem der Gäste erkannt, als er das Café Elbgold an der Hamburger Sternschanze betritt – obwohl sein Konterfei auf dem Sonnenschirm draußen vor dem Café hängt. Denn das Logo von Fritz-Kola, dem Brausehersteller, den Wiegert einst gemeinsam mit seinem Kommilitonen Lorenz Hampl gegründet hat, zeigt die Köpfe der beiden Gründer. Obwohl sie das Geschäft bis heute gemeinsam führen, haben sie ihre Aufgaben klar verteilt: Hampl – links auf dem Logo – kümmert sich um Markenpflege, Transport und Marketing, Wiegert um PR, Produktion und Vertrieb. Interviews führt Wiegert daher alleine – auch, weil es schwierig sei, einen gemeinsamen Termin zu finden. Zum Interview mit dem Handelsblatt kommt er in schwarz-weißem Fritz-Kola-Shirt mit der Aufschrift „Schlafräuber“.

Für Fritz-Kola war 2014 ein turbulentes Jahr: Erst benannte sich das Unternehmen offiziell von Fritz-Kola in Fritz-Kulturgüter GmbH um, dann brachte es erstmals die Bioschorlen Fritz-Spritz auf den Markt – eine Abkehr von den bisherigen Brausen. Im Gespräch erzählt Wiegert,  wie sich der Underdog im Cola-Geschäft seine Exklusivität bewahren will, warum Bio besser zum Image passt als Brause und weshalb er selbst keine Fritz-Kola zum Frühstück trinkt.

 

Herr Wiegert, nervt es Sie manchmal, sich ständig selbst zu sehen?
Weil mein Gesicht auf unserem Logo ist?

Genau. Aus Geldmangel für ein Design haben Lorenz Hampl und Sie ja einst einfach Ihre eigenen Gesichter als Logo gewählt.
Für mich ist das mittlerweile sehr abstrakt. Ich weiß zwar, dass ich das bin, aber das ist mein Gesicht vor dreizehn Jahren. Ich werde ja auch nicht erkannt. Zum Glück. Das wäre lästig.

Seit 2014 zieren Sie nicht nur Fritz-Kola mit Ihrem Konterfei, sondern auch die bunten Etiketten der Bio-Schorlen. Warum machen Sie als Cola-Hersteller jetzt auf Bio?
Nicht die Fritz-Kola wird Bio, sondern die Schorlen. Man muss gucken, wo wir herkommen: Früher haben wir Brausen gemacht. Und in Brausen darf der Hersteller alles reinmixen, was geht: künstliche Farbstoffe, künstliche Aromen, da braucht man nicht mal einen Saftgehalt. Wir hatten zum Beispiel eine sehr erfolgreiche Melonenbrause, da war alles drin – außer Melone.

Warum wollten Sie das ändern, wenn die Brause so erfolgreich war?
Wir haben uns auf den Weg zu mehr Nachhaltigkeit gemacht und Brausen sind nicht das, was sie vorgeben zu sein. Das ist nicht authentisch. Wir haben die Rezeptur umgestellt: Von Brausen auf Limonaden und Schorlen, und die Schorlen sind nun eben auch Bio.

Aber im Ursprung sind Sie ja ein Colaproduzent und kein Biounternehmen.
Die Fritz-Kola bleibt unser wichtigstes Produkt. Aber wir wollen uns jetzt Kenntnisse im Bio-Bereich erwerben und uns dort Glaubwürdigkeit erarbeiten.

Was bedeutet das?
Wir fangen ganz piano an und wachsen daran, bevor wir die nächsten Schritte gehen.

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