"Fröhliches Bücherfest" soll Aufwind bringen
Buchmessen-Chef spürt "Ruck" in der Branche

Die Veranstalter der 55. Frankfurter Buchmesse sind zufrieden mit dem Ergebnis. Sie zogen am Montag eine durch und durch positive Bilanz: mehr Aussteller und mehr Besucher fanden den Weg in die Main-Metropole.

HB FRANKFURT/MAIN. Zum Abschluss der weltgrößten Bücherschau erwartete Buchmessen-Direktor Volker Neumann am Montag eine „Initialzündung“ für das in den vergangenen beiden Jahren stagnierende Gewerbe. „Ich habe ein Gefühl, dass ein Ruck durch die Branche gegangen ist“, sagte Neumann. Er habe die Buchmesse als „fröhliches Bücherfest“ erlebt. Bis Sonntagabend - einen Tag vor Ende der Buchmesse - wurden 273 000 Besucher gezählt. Das ist ein Plus von knapp 8 Prozent. Sein selbst gestecktes Ziel von 15 Prozent Plus hat Neumann damit allerdings nur halb erreicht. Insgesamt präsentierten auf der Messe 6 638 Aussteller (plus 4 Prozent) aus 102 Ländern 335 000 Titel präsentiert.

An den sechs Messetagen waren rund 1 000 Autoren vertreten - mehr als je zuvor auf der Buchmesse. Rund 150 Schriftsteller hatte allein Russland als diesjähriger Ehrengast mitgebracht. Neu war die Ausdehnung der Publikumstage auf den Freitag und Montag und der damit einhergehende stärkere „Event“-Charakter der Messe. So lockte der in Berlin lebende russische Schriftsteller Wladimir Kaminer fast 5 000 Menschen zur „Russendisko“. Literaturnobelpreisträger Günter Grass ließ seine Hüften vor fast 1000 Menschen bei einer Lesung aus seinen „Letzten Tänzen“ kreisen. Auch die neuen Veranstaltungsforen für die Verlage wurden laut Neumann gut angenommen.

König der sechstägigen Messe war jedoch - wie einst im Boxring - Muhammad Ali. Sein stummer Auftritt zur Vorstellung des „größten Buches der Welt“ als Hommage an den schwer kranken Ali wurde zu einem bewegenden Moment im PR-Bücherrummel. Als König der PR erwies sich einmal mehr „Pop-Titan“ Dieter Bohlen. Er nutzte den Rummel um die zahlreichen Einstweiligen Verfügungen gegen sein neues Buch geschickt aus und hielt seine Buchpräsentation ohne Buch ab - dafür mit einem ironischen Seitenhieb gegen seinen früheren Partner Thomas Anders. Der hatte mit seiner Klage mit dafür gesorgt, das Bohlens Bücher nur passagenweise geschwärzt und mit dem werbeträchtigen Aufkleber „Zensiert“ auf der Messe zu sehen waren.

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