Führungswechsel
Niki Lauda als Alitalia-Chef im Gespräch

Die defizitäre italienische Airline Alitalia sucht einen neuen Chef mit "internationalem Profil". Im Gespräch ist auch der dreimalige Formel-1-Weltmeister Niki Lauda. Der Österreicher ist ein Veteran der Luftfahrt.
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WienAls Formel-1-Fahrer ist er eine Legende, als Airline-Gründer ein Veteran - nun könnte er eine der großen Fluggesellschaften Europas übernehmen. Niki Lauda ist einem Bericht zufolge als neuer Chef der italienischen Fluggesellschaft Alitalia im Gespräch. Neben Lauda habe auch der Chef der italienischen Staatsbahn, Mauro Moretti, gute Chancen auf den Posten, berichtete die österreichische Zeitung "Der Standard" vom Donnerstag. Das Blatt berief sich auf das Umfeld von Alitalia. Die Fluggesellschaft sucht nach dem Rückzug von Andrea Ragnetti am Montag einen neuen Chef. Aufsichtsrat-Chef Roberto Colaninno hatte erklärt, Ragnettis Nachfolger müsse "internationales Profil" haben.

Trotz Gewinn im vierten Quartal hatte die Airline den Verlust im vergangenen Jahr vervierfacht. Unter dem Strich war ein Minus von 280 Millionen Euro angefallen. 2011 hatte der Verlust noch bei 69 Millionen Euro gelegen. Der Umsatz stieg 2012 derweil um 3,3 Prozent auf 3,59 Milliarden Euro.

Mit dem dreifachen Formel-1-Weltmeister Lauda würde ein erfahrener Luftfahrtveteran das Steuer übernehmen, der aber seine großen Schlachten in der Luftfahrt meist verloren hat. 1979 hatte Lauda mit der Gründung von Lauda Air für einen Paukenschlag in der europäischen Luftfahrt gesorgt. Die kleine Regional-Airline wuchs trotz Problemen zum Start sehr rasch und konnte neben Charter- auch Linienflüge anbieten. Nach dem Einstieg von Austrian Airlines und Lufthansa im Jahr 1997 begann der Kampf um die Macht im Unternehmen. Lauda kapitulierte schließlich und zog sich aus dem eigenen Unternehmen zurück. Ende August 2012 startete die letzte Maschine von Lauda Air.

Lauda gründete dagegen die neue Billigfluglinie Niki, saß zur Überraschung der Passagiere hin und wieder selbst als Pilot im Cockpit. Seit 2011 gehört Niki zu Air Berlin. Mit seinem Ausstieg hatte Lauda betont. „Ich habe zwei Airlines gegründet, ein drittes Mal mach ich das nicht.“ Als neuer Chef von Alitalia bliebe ihm wohl nicht anderes übrig. Die Italiener erwägen die Gründung einer eigenen Billigfluggesellschaft, um mit Anbietern wie Easyjet und Ryanair zu konkurrieren.

Sollte die Fluggesellschaft allerdings tatsächlich mit der Staatsbahn Ferrovie dello Stato fusionieren, wie zuletzt mehrere italienische Medien berichtet hatten, dürfte Lauda keine Option sein. Nach Informationen der Zeitung "Corriere della Sera" arbeiten derzeit die Wirtschaftsberater der Boston Consulting Group an einem "Integrationsplan" für beide Unternehmen. Die Bahngesellschaft Ferrovie dello Stato erklärte dazu, sie habe keinen Berater mit der Erstellung eines Fusionsplans beauftragt. Alitalia gehört zu 25 Prozent Air France-KLM. Der italienischen Zeitung "Il Messaggero" zufolge wird Alitalia Ende März das Geld für die Gehälter der Beschäftigten ausgehen. Anfang Januar hatte Air France-KLM einen Bericht desselben Blattes dementiert, wonach sie über eine Alitalia-Übernahme verhandelt.

Mit Informationen von afp

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