Fünf Fragen an: Moritz Leuenberger
„Das ist die Trendumkehr zur Schiene“

Der Verkehrsminister und Bundespräsident der Schweiz, Moritz Leuenberger, bezeichnet den Lötschbergtunnel als einen Quantensprung im Vorhaben der Verkehrsverlagerung. Das Interview.

Handelsblatt: Die Schweiz will die Zahl der jährlichen LKW-Fahrten auf ihren Alpenstraßen in etwa halbieren. Was trägt der Lötschbergtunnel dazu bei?
Die Inbetriebnahme wird uns zu einem ersten Quantensprung bei der Verkehrsverlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene verhelfen. Doch das Ziel, die LKW-Fahrten durch die Schweiz auf 650 000 pro Jahr zu reduzieren, wie es uns die Schweizer Bürger in einer Volksabstimmung aufgetragen haben, wird erst näher rücken, wenn auch der Gotthard-Basistunnel eröffnet werden kann.

Wie realistisch ist dieses Ziel angesichts des ständig wachsenden Güterverkehrs in Europa?
Das ist eine offene Frage. Ich kann mich nur dem Volk verpflichtet fühlen, konsequent auf dieses Ziel hinzuarbeiten. Ich kann es aber nicht garantieren.

Zur Politik der Verkehrsverlagerung zählt in der Schweiz ja auch die leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe, die LKW-Maut, die auf allen Straßen gilt. Es gibt skeptische Stimmen, die sagen, das funktioniert nur bescheiden.
Das stimmt nicht. Seit 2001 ist die Zahl der LKW-Fahrten durch die Schweiz um 14 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig hat die per Bahn transportierte Menge an Gütern zugenommen. Das ist die Trendumkehr von der Straße zur Schiene. Außerdem gibt es eine Effizienzsteigerung innerhalb der Schweiz: Es gibt weniger Leerfahrten, und es wird mehr geladen.

Die beiden künftigen Schienenwege durch die Basistunnel machen mit ihrer hohen Kapazität nur Sinn, wenn auch in Deutschland leistungsfähige Anschlussstrecken gebaut werden. Doch da gibt es Verzögerungen.
Wir haben keinen Anlass zu zweifeln, dass die existierenden Verträge eingehalten werden.

Wie funktioniert die Abstimmung der Verkehrspolitik mit Ihrem Nachbarn Deutschland?
Wir würden uns wünschen, dass unsere Verlagerungspolitik nicht nur auf den Alpentransit beschränkt bliebe. Wünschbar wäre, wenn unsere Nachbarn ein LKW-Mautsystem einführten, das mit unserer Schwerverkehrsabgabe harmonisiert wäre.

Die Fragen stellte E. Krummheuer

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