Furla-Chef Eraldo Poletto
Ein „amerikanischer“ Italiener

Der Ex-Brooks-Brothers Manager Eraldo Poletto trimmt die italienische Traditionsfirma Furla auf Wachstum. Das 1927 gegründete Unternehmen ist die letzte italienische Lederwarenmarke, die noch in italienischer Hand ist.
  • 0

MailandIn dunkler Jeans und blauem eng geschnittenen Jacket mit Einstecktuchpräsentiert sich der Vorstandsvorsitzende von Furla, Eraldo Poletto im weiß getünchten Showroom in der Via Sant`Andrea im Herzen des Mailänder Modeviertels. Im Nebenraum verhandeln Angestellte auf Englisch über die Anzahl der Taschen, die die Einkäufer für die nächste Saison bestellen; zur Tür kommt eine junge Dame mit einer Tüte voller Red Bull-Dosen hinein. Die Verkaufskampagne und die Vorbereitung für die Modewoche, die diese Woche in Mailand beginnt, laufen auf Hochtouren.

Das 1927 gegründete Unternehmen Furla ist die letzte italienische Lederwarenmarke, die noch in italienischer Hand ist. Hinter ihr steht die Familie Furlanetto. Der Konkurrent Bottega Veneta gehört bereits seit 2001 zum französischen Luxusimperium PPR und Mandarina Duck und Coccinelle sind in den Besitz der Koreaner von E.Land übergegangen.

„Wir werden auch weiterhin unabhängig bleiben“, macht der 51-jährige Poletto klar. „Wir sind ein gesundes Unternehmen ohne Schulden und können alleine wachsen“, sagt der Vorstandsvorsitzende. Seit Juni 2010 ist der ehemalige Brook`s Brother-Manager im Amt. Seitdem hat er die Traditionsmarke aufgefrischt und 2011 den Umsatz bereits um 14 Prozent auf 179 Millionen Euro gesteigert. Das operative Ergebnis Ebitda kletterte sogar um fast die Hälfte und liegt heute bei 14 Prozent des Umsatzes.

Den Umsatz wird er auch in diesem Jahr voraussichtlich zweistellig steigern können, sagt Poletto, die Ebitda-Marge soll stabil  bleiben. Vor allem in Asien sieht der amerikanisch geprägte Italiener mit einem Faible für den Orient noch enormes Wachstumspotential und will mittelfristig 300 Millionen jährlich umsetzen, um auf dem Weltmarkt bestehen zu können. „Das sollte in drei bis vier Jahren machbar sein“, sagt er selbstbewusst.

Seine Zielstrebigkeit hat der Ästhet und Tierfreund in den USA gelernt. Nach verschiedenen Stationen in italienischen Modeunternehmen arbeitete er 13 Jahre bei der Mutter des traditionellen Bekleidungsspezialisten Brooks Brothers, Retail Brand Alliance. Zuletzt war er dort als Präsident für die strategische Entwicklung und für das internationale Geschäft zuständig, bevor die Furla-Präsidentin Giovanna Furlanetto ihn abwarb. Seine Mitarbeiter beschreiben ihn als lesewütig - sowohl in Papierform als auf dem iPad - und rund um die Uhr erreichbar.

Außer Zielstrebigkeit hat Poletto in den USA nach eigenen Angaben auch gelernt, schnell zu sein und zu verstehen, wie Einzelhandel funktioniert. „In den USA sind die meisten Hersteller auch integrierte Einzelhändler. Sie kreieren ihre Geschäftsmodelle, indem sie alles bis ins letzte Detail analysieren und auch die Fertigungskette kontrollieren“, erklärt er, warum die Amerikaner meist schneller sind, auf neue Trends oder die Nachfrage der Kunden zu reagieren. Er selbst brüstet sich, bei Furla die Zeiten von der Idee einer Tasche bis zu ihrem Platz im Schaufenster um bis zu 20 Prozent reduziert zu haben.

Reduziert hat er auch die Anzahl der Modelle. Er setzt auf weniger Modelle, die es dafür in den verschiedensten Versionen gibt: Leder, PVC, Stoff, groß, klein. „Zuviel Angebot verwirrt den Kunden“, ist Poletto überzeugt. Mit den verschiedenen Versionen kann Furla auch die einzelnen Märkte besser beliefern. In Japan etwa sind kleinere Taschen gefragt, in Europa haben es die Frauen lieber bunt. 

Die neue Kollektion für Frühjahr/ Sommer 2013 wird Poletto dieses Jahr auf der Mailänder Modewoche am 21. September mit einer Lichtshow des Künstlers Mario Airò vorstellen. Auch da ist vom Mini-PVC-Täschchen für die Japanerin bis zur pink-schwarzen, zweiseitig nutzbaren geräumigen Shopper für die Europäerin alles dabei.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Furla-Chef Eraldo Poletto: Ein „amerikanischer“ Italiener"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%