Fusion mit der Deutschen Börse ist in Paris kein Thema - Union fürchtet Imageverlust wegen der Rolle von Merz bei TCI
Euronext setzt weiter auf London

Das europäische Börsenbündnis Euronext will offenbar von einer Fusion mit der Deutschen Börse nichts wissen. Euronext konzentriere sich weiter auf ein Zusammengehen mit der Londoner Börse (LSE), hieß es gestern im Umfeld des Unternehmens.

ali/fs/doe/rks/pot FRANKFURT. Angesichts der ähnlichen Geschäftsmodelle von LSE und Euronext sowie der Tatsache, dass Euronext mit der Terminbörse Liffe bereits in London aktiv sei, wäre die Fusion mit der LSE sinnvoller als ein Zusammengehen mit Frankfurt. Offiziell wollte sich die französisch dominierte Euronext nicht äußern.

Aufgekommen waren die Spekulationen durch Äußerungen von Patrick Degorce, Partner des Hedge-Fonds TCI. TCI ist mit acht Prozent zweitgrößter Aktionär der Deutschen Börse und Wortführer der Aktionärsgruppe, die Vorstandschef Werner Seifert zum Rücktritt gezwungen hatte. Im Handelsblatt hatte Degorce gesagt, ein Zusammenschluss der Deutschen Börse mit Euronext wäre „phantastisch“.

In Frankfurter Finanzkreisen werden die Aussichten auf eine Fusion mit Euronext allerdings als gering eingeschätzt. Die Deutsche Börse habe sich bereits im letzten Jahr mit einem Zusammenschluss mit der Mehrländerbörse beschäftigt, diesen Gedanken aber verworfen, hieß es im Umfeld des Aufsichtsrats. Das größte Problem seien kartellrechtliche Hürden zum Beispiel in der Abwicklung. Ähnlich sieht man dies in London. „Wenn Euronext und Deutsche Börse fusionieren, gäbe es potenziell größere Wettbewerbsschwierigkeiten, als wenn die LSE mit einem der beiden Spieler fusioniert“, sagte einer der Großaktionäre der LSE. Auch aus dem LSE-Umfeld hieß es, mit Seiferts Rücktritt habe sich nichts geändert.

In Frankfurt herrscht weiter große Verunsicherung über den Kurs der Börse nach dem Rücktritt Seiferts. Dabei wächst die Furcht vor einer Zerschlagung des Unternehmens, wobei die Terminbörse Eurex und der Abwickler Clearstream verkauft werden könnten. Der Aufsichtsrat müsse „einen neuen starken Mann an der Spitze installieren, der darauf achtet, dass die Börse bei der Konsolidierung in Europa nicht unter die Räder gerät“, sagte Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Auch Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) rief im Handelsblatt die Anteilseigner der Deutschen Börse dazu auf, „umgehend Klarheit über die strategische Ausrichtung und den weiteren Kurs des Unternehmens“ zu schaffen.

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