Fusion mit Nyse gestoppt
Börsen-Chef Francioni nennt EU „realitätsfremd“

Die EU verbietet die Fusion von Nyse Euronext und der Deutschen Börse. Deren Chef Reto Francioni wettert in ungewohnt scharfer Form. „Von Gestern“ sei die Denkweise der Behörde. Und sogar die Konkurrenz stimmt ihm zu.
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Frankfurt/DüsseldorfDie milliardenschwere Fusion der Deutschen Börse mit der New Yorker Nyse ist geplatzt. Die EU-Kommission untersagte am Mittwoch den Zusammenschluss zum weltgrößten Börsenbetreiber. Trotz Zugeständnissen der Unternehmen sei die EU zu der Einschätzung gelangt, „der Zusammenschluss behindere in erheblichen Maß effektiven Wettbewerb und hat den Zusammenschluss als mit dem gemeinsamen Markt für nicht vereinbar erklärt“, teilte die Deutsche Börse mit. Die Ablehnung war erwartet worden, nachdem EU-Kommissare zuletzt Bedenken gegen eine Fusion geäußert hatten. Ihnen ist die dominante Stellung der beiden Unternehmen im Derivate-Geschäft an europäischen Börsen ein Dorn im Auge.

Für Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni ist es bereits die dritte gescheiterte Fusion in den letzten fünf Jahren. Sein Konzern muss sich nun auf absehbare Zeit alleine im weltweiten Wettbewerb behaupten. Andere große Transaktionen und eine grundlegende Konsolidierung der Börsenlandschaft, wie sie von vielen Branchenvertretern Anfang 2011 ausgerufen wurde, wird es nach Ansicht von Experten nun vorerst nicht geben.

Die Deutsche Börse äußerte sich nach der Entscheidung mit ungewöhnlich scharfen Worten: „Dies ist ein schwarzer Tag für Europa und seine zukünftige Wettbewerbsfähigkeit auf den weltweiten Finanzmärkten.“ Die Entscheidung der EU-Kommission basiere auf einer „realitätsfremden verengten Marktdefinition“, die der globalen Natur des Wettbewerbs im Derivatemarkt nicht gerecht werde.

Europas oberster Wettbewerbshüter, Joaquín Almunia, hatte das Veto mit der Sorge vor einem Quasi-Monopolisten im Handel mit Derivaten - also Finanzwetten - begründet. „Wir konnten nicht erlauben, dass so etwas geschieht“, sagte der EU-Kommissar.

Deutsche Börse und Nyse Euronext hatten die Megafusion vor knapp einem Jahr angekündigt und bis zuletzt für die weltgrößte Super-Börse geworben. Sie wollten einen neuen „Champion“ schaffen, der es mit Konkurrenten aus Amerika und Asien aufnehmen kann. Mitarbeiter und Politiker fürchteten dagegen, dass es zu einem Ausverkauf des Finanzplatzes Frankfurt kommen könnte. Auch die hessische Landesregierung hatte signalisiert, als Börsenaufsicht der Vereinigung nicht zustimmen zu wollen.

Zudem werde der außerbörsliche (OTC-)Derivatemarkt als der größte Teil des Marktes komplett ausgegrenzt. Die Entscheidung sei „inkonsistent und steht im Widerspruch zu dem gleichzeitig von der Kommission verfolgten Ziel zur Ausweitung der Finanzmarktregulierung auf den OTC-Derivatemarkt“.

Die Entscheidung der EU-Kommission stehe auch im Gegensatz zu der in den USA bereits im Jahr 2007 vorgenommenen Beurteilung des Derivatemarkts. Dort durften sich die beiden Chicagoer Unternehmen CME und CBOT zu der größten global agierenden Derivatebörse zusammenschließen.

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Börsen-Chef Francioni nennt EU „realitätsfremd“

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Francioni: Sind dennoch gut gerüstet

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Der dritte Anlauf

Kommentare zu " Fusion mit Nyse gestoppt: Börsen-Chef Francioni nennt EU „realitätsfremd“"

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  • Das sehe ich genau so.

    Über Schweizer kann man auch streiten.

  • Ich weiß nicht warum hier immer noch von einer Fusion geredet wird ?

    Jeder weiß doch, dass die Amerikaner, über den Umweg der Beteiligungen an der Deutschen-Börse, letztendlich die Mehrheit und so,mit auch das Sagen gehabt hätten.
    So wäre nach dem Desaster mit den Börsen in Paris und Amsterdam der Ausverkauf der europäischen Börsen perfekt gewesen !

    Es wird Zeit, dass die Börsen einen öffentlich rechtlichen Status bekommen und endlich eine zentrale europäische Börse geschaffen wird !!

  • Das von ihnen benannte Stahlunternehmen war doch nur noch eine ABM Maßnahme, für die wir als Steuerzahler viel blüten mussten. Die Finnen hatten dann das Recht und die Pflicht, das Unternehmen auf einen wirtschaftlichen Umfang zurück zu führen. Wenn man weiter kommen will, muss man unwirtschaftliche Unternehmen abschreiben und so Platz für Neues schaffen.

    Wie es aussieht, ist aber auch diese Krise eine gute Sache, den die Starken (Deutschen) erkennen hier ihre Chance, die sie auch nutzen.

    Krise ist. Chance

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