Fusion verdeckt Verlust
Tui macht Millionenminus vergessen

Tui fusioniert seine Touristik mit dem britischen Konkurrenten First Choice. Heraus kommt der mit Abstand größte Reisekonzern Europas und einer der größten der Welt. Dass Tui im abgelaufenen Jahr einen Verlust von mehreren hundert Millionen Euro gemacht hat, geht in der Fusionseuphorie total unter.

HB HAMBURG. Verantwortlich für einen Verlust von fast 847 Mill. Euro sind nach Angaben vom Montag ein negatives Ergebnis in der Schifffahrt und Abschreibungen auf die Touristikbeteiligungen unter anderem in Großbritannien. Alleine die Abschreibungen rissen ein Loch von 764 Mill. Euro.

Die roten Zahlen waren erwartet worden, nachdem die Schifffahrt deutlich unter die Vorjahreswerte gerutscht war, unter anderem wegen geringerer Frachtraten und gestiegener Ölpreise. Im Vorjahr hatte der Kozern unterm Strich noch 496 Mill. Euro verdient. Das operative Ergebnis (Ebita) ging um mehr als 70 Prozent auf 232 Mill. Euro zurück und lag damit noch unter den niedrig gesteckten Erwartungen der Analysten. Der Konzernumsatz erhöhte sich dagegen um gut 10 Prozent auf 20,5 Mrd. Euro.

In der Schifffahrt, die Tui erst vor kurzem mit dem Zukauf der Containerreederei CP Ships gestärkt hatte, betrug der operative Verlust 106 Mill. Euro. Für 2007 rechnet Tui aber wieder mit einem Gewinn bei der Reederei-Tochter Hapag-Lloyd, auch wenn in den ersten Monaten noch mit Belastungen durch sehr niedrige Frachtraten zu rechnen sei. Der Umsatz der Schifffahrt werde um mehr als 10 Prozent auf bis zu 7 Mrd. Euro steigen.

In der Touristik verbesserte Tui im vorigen Jahr das operative Ergebnis um 8 Prozent auf 394 Mill. Euro und schnitt damit etwas besser ab als von Experten erwartet. Das Reisegeschäft läuft den Angaben zufolge derzeit gut. Der Tui-Vorstand rechnet für dieses Jahr mit einem Umsatzwachstum von rund 7 Prozent auf 15 Mrd. Euro. Für die im April beginnende Sommersaison, in der die Reisekonzerne zwei Drittel des Jahresgeschäfts machen, lägen die Gästezahlen konzernweit aktuell um 7,2 Prozent über Vorjahr, teilte Tui mit. Die gebuchten Umsätze seien mit einem Zuwachs von 4,7 Prozent ebenfalls deutlich höher als im Vorjahr.

Umjubelte Fusion

Trotz der schlechten Zahlen jubelt die Börse. Die Tui-Aktie legte zeitweise um mehr als 10 Prozent zu. Die Anleger honorieren, dass Tui mit der Fusion seinen Vorsprung vor Thomas Cook als größter europäischer Reiseveranstalter ausbaut. Der neue Reisekonzern hat zusammengerechnet jährlich 27 Mill. Kunden in 20 Ländern und setzt im Jahr fast 18 Mrd. Euro um. Tui werde 51 Prozent an Tui Travel halten, die Aktionäre von First Choice 49 Prozent, teilten beide Unternehmen am Montag mit.

Die neue Firma werde den Sitz in London haben und als britische Aktiengesellschaft (Plc) auch an der Börse dort notiert sein. Die Schifffahrtssparte von Tui bleibt von der Fusion ausgenommen. Auch einige Hotelbeteiligungen werden nicht in das neue Unternehmen eingebracht. Geführt werden wird Tui weiterhin aus Hannover.

Tui-Chef Michael Frenzel will durch die Fusion des Reisegeschäfts mit dem britischen Konkurrenten First Choice die Konsolidierung der europäischen Tourismusbranche „aktiv“ vorantreiben. Die Gründung der neuen Tui Travel komme zum „richtigen Zeitpunkt“, sagte Frenzel am Montag in Hamburg. Ziel sei es, einen der größten und profitabelsten Reisekonzerne der Welt zu schmieden. Erst vor wenigen Wochen hatte die Karstadt-Quelle-Tochter Thomas Cook den britischen Reiseveranstalter MyTravel übernommen.

Seite 1:

Tui macht Millionenminus vergessen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%