Fusion von MeinFernbus und Flixbus
Kampfansage an die Konkurrenz

Die neue Nummer eins am deutschen Fernbusmarkt bekommt einen Doppelnamen: Gemeinsam will Flixbus MeinFernbus die deutschen Straßen befahren. Die Konkurrenz reagiert verhalten, Verbraucherschützer besorgt.
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Düsseldorf/Berlin/MünchenDer Marktführer darf die Farbe bestimmen. Nach der Fusion von Flixbus und MeinFernbus werden die beiden Unternehmen künftig mit grünen Bussen durch Deutschland fahren, dem Markenzeichen von MeinFernbus. Gemeinsam wollen sie die unangefochtene Nummer eins auf dem deutschen Markt formen. Und mehr als das: Die Start-up-Unternehmen aus Berlin und München nehmen gemeinsam Kurs auf Europa und wollen mehr Fahrten in die Nachbarländer anbieten. Denn in Deutschland zeigen sich nach einem zweijährigen Boom die Grenzen des Wachstums. Die Zeit sinkender Preise könnte für die Kunden vorbei sein.

Die neu geschmiedete Fernbus-Allianz startet auch gleich mit einer Kampfansage an die Konkurrenz: Das Unternehmen will dieses Jahr Busse und Passagier-Zahl fast verdoppeln und der Bahn mit schnellen Express-Verbindungen Kunden abjagen. „Wir wollen bis Ende des Jahres 1000 Busse auf der Straße haben“, sagte Torben Greve, Miteigentümer des aus MeinFernbus und Flixbus fusionierten Unternehmens am Freitag in Berlin.

Dann würden etwa 18 bis 20 Millionen Passagiere mit der neuen Firma unterwegs sein, die derzeit für etwa die Hälfte des deutschen Fernbus-Marktes steht und zusammen 560 Busse im Einsatz haben. Gemessen an den angebotenen Fahrten in Kilometern, wie sie das Berliner Iges-Institut ermittelt hat, stehen MeinFernbus und Flixbus sogar für drei Viertel des Angebots. Wichtige Verbindungen wie Berlin-Hamburg würden künftig alle 30 Minuten angeboten. Die Zahl der Non-Stop-Strecken werde wachsen und damit der Geschwindigkeits-Nachteil gegenüber der Schiene reduziert. Zudem würden Nachtbusse auf allen Hauptstrecken angeboten nachdem die Deutsche Bahn diese Verbindungen weitgehend einstellt.

Man wolle nicht nur in Deutschland sondern europaweit Marktführer werden, sagte MeinFernbus-Gründer Greve. Ziele wie Brüssel, Verona und Venedig würden demnächst angefahren. „Das Ziel ist in einigen Jahren ein europaweites Netz zu haben.“ Konkurrenten wie National Express, die in Großbritannien und Spanien über viele Verbindungen verfügen, fürchte man nicht. „Wir sind Impulsgeber der Branche, wir sind immer drei Schritte voraus.“ Aus dem deutschen Markt habe sich National Express wegen der großen Konkurrenz bereits wieder zurückgezogen.

Auf wichtigen Strecken werden Fahrgäste an dem neuen Fernbus-Riesen kaum noch vorbei kommen – wenn sie nicht auf die meist teureren Alternativen Bahn, Auto oder Flugzeug umsteigen.

Die Konkurrenz reagierte auf die neue Marktdominanz verhalten. Der Anbieter Megabus hofft auf Politik, Regulierungsbehörden und die Passagiere. Man nehme stark an, dass diese sich fragen würden, „was die neue Situation in Zukunft für das gebotene Service-Niveau bedeutet und ob Preise steigen werden und natürlich auch ob diese Entwicklung im Sinne der Kunden ist“.

Jedenfalls verspricht MeinFernbus nicht, dass die Fahrkarten noch billiger werden. „Genauso günstig wie bisher“, so die Parole des Unternehmens am Mittwoch, als der geplante Zusammenschluss zunächst den Beschäftigten bekanntgemacht wurde. Verbraucherschützer rechnen aber auch mit steigenden Tarifen und warnen vor einem Monopol.

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Der Fernbus-Wald lichtet sich

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