Fusion von Plus und Netto
Experte erwartet keinen Preiskrieg durch neuem Discount-Riesen

Die Fusion von Plus und Netto zu einem neuen Discount-Riesen wird nach Expertenansicht keinen Preiskrieg im deutschen Lebensmittelhandel auslösen. Mögliche Preissenkungen im Umfeld der Fusion dürften sich auf relativ wenige Artikel beschränken und wäre damit letztlich nur eine "kosmetische Aktion".

HB FRANKFURT. "Netto wird erst einmal damit beschäftigt sein, Plus zu integrieren", sagte der Discount-Experte des Marktforschungsunternehmens Planet Retail, Matthias Queck, am Dienstag. Außerdem koste die Ladenumstellung viel Geld.

Von dem Zusammenschluss Netto-Plus könnte sich am ehesten Lidl angegriffen fühlen, weil der zweitgrößte Discounter ähnlich wie Netto auch eine Reihe von Markenartikel in seinen Regalen führe. Aldi biete dagegen hauptsächlich "No-Name"-Artikel an. Nach Einschätzung von Queck steigt die Einkaufsmacht die Netto-Mutter Edeka weiter deutlich, da etwa sechs Mrd. Euro Umsatz durch die Plus- Filialen hinzukämen. "Die Botschaft höre ich wohl, allein mir fehlt der Glaube", sagte Queck zu der Einschätzung des Bundeskartellamtes, dass der höhere Anteil bei der Warenbeschaffung von Edeka nur gering sein werde.

Der Anteil der Discounter am Lebensmitteleinzelhandel werde mittel- bis langfristig von jetzt mehr als 40 Prozent Richtung 50 Prozent zunehmen. "Die Discounter werden nach wie vor wachsen", betonte Queck. Selbst Lidl hat nach seiner Ansicht "noch Platz für 1 000 Filialen" in Deutschland. Das gelte erst recht für Netto, Penny und Norma. Lediglich Aldi stoße mit seinem dicht geknüpften Filialnetz von bundesweit 4 200 Märkten an Expansionsgrenzen in Deutschland, weil der führende Discounter mit dieser hohen Anzahl schon flächendeckend vertreten sei. Andere Handelsformate wie gerade SB-Warenhäuser auf der Grünen Wiese vor den Toren der Stadt hätten es dagegen schwer.

Die Discounter würden aber nicht nur am schnellsten expandieren. "Sie haben immer wieder bewiesen, wie anpassungsfähig sie sind", sagte Queck am Beispiel von Aldi. So habe Aldi Süd Frischfleisch in das Sortiment genommen und sich unter anderem damit zu einem Nahversorger entwickelt. Das Konzept von Netto mit einer breiten Palette von Markenartikeln und den angebotenen frischen Waren gehe in Richtung preisaggressiver Supermarkt. "Der Verbraucher wird das eher als straffgeführten Supermarkt wahrnehmen", meinte Queck. Mit Netto habe Edeka die Lücke zwischen Discounter und Supermarkt geschlossen.

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