Fusion zwischen BA & Qantas gescheitert
Welt-Airline bleibt am Boden

Die ehrgeizigen Pläne zur Gründung einer globalen Fluggesellschaft sind gescheitert. Gut zwei Wochen nach der Bekanntgabe von Fusionsgesprächen zwischen British Airways und der australischen Qantas gaben die Unternehmen am Donnerstag ihr Vorhaben auf. Die parallel laufenden Fusionsverhandlungen der Briten mit der spanischen Iberia laufen jedoch weiter.

LONDON. British Airways (BA) habe sich mit dem Streben nach einer Fusion unter Gleichen nicht durchsetzen können, hieß es in Kreisen der britischen Fluggesellschaft.

Das rasche Ende der britisch-australischen Gespräche ist eine Niederlage für den forschen BA-Chef Willie Walsh. Er wollte den Rückstand, den BA in der europäischen Konsolidierung der Branche hat, mit einem gewagten Doppelschlag in einen Vorsprung umwandeln. Im Juli vereinbarte Walsh zunächst eine Fusion mit Iberia. Im August nahm er dann, wie am Donnerstag ein BA-Sprecher sagte, heimlich parallele Fusionsverhandlungen mit dem langjährigen Partner Qantas auf. Die Australier hätten BA kontaktiert. Eine anstehende Gesetzesänderung erlaubt es ihnen erstmals, einen ausländischen Partner mit bis zu 49 Prozent am Unternehmen zu beteiligen.

Allerdings eben nur bis 49 Prozent. BA wollte, wie aus Firmenkreisen verlautete, eine Konstruktion mit zwei Firmensitzen und zwei Börsennotierungen finden, die eine Fusion unter Gleichen erlaubt hätte. Dieses Modell sei nun daran gescheitert, dass die Fusionsgespräche Anfang Dezember an die australische Presse durchsickerten. Das habe dort die unrealistische Erwartung geweckt, dass Qantas die Mehrheit an dem neuen Unternehmen halten würde. BA hat zwar den größeren Umsatz, aber mit drei Mrd. gegenüber 3,4 Mrd. Dollar bei Qantas den niedrigeren Börsenwert.

Walshs Vision war die eines globalen Luftfahrtriesen aus BA, Qantas, Iberia und einem weiteren langjährigen Partner, der US-Fluggesellschaft American Airlines. Ein solcher Gigant würde mit 180 000 Beschäftigten und 1 560 Flugzeugen 200 Millionen Passagiere im Jahr zu knapp 600 Zielen auf der Welt befördern. Im vergangenen Geschäftsjahr wäre er auf einen Umsatz von 42 Mrd. Dollar und einen Gewinn von gut zwei Mrd. Dollar gekommen.

Doch die Chefs von Iberia und Qantas stellten bereits in den vergangenen Wochen klar, dass sie keine Dreier- oder gar Viererfusion wünschten. Zusätzlich sorgte Walsh für Irritationen, indem er BA auch noch als kommerziellen Partner von Alitalia ins Gespräch brachte. Doch ein BA-Sprecher stellte klar, dass es dabei nicht um eine Beteiligung gehe.

Offiziell teilten Qantas und BA am Donnerstag nach Börsenschluss in Australien gleichlautend mit, dass sie sich zurzeit nicht auf die Bedingungen für eine Fusion hätten einigen können. Die Gespräche seien detailliert und fortgeschritten gewesen, sagte ein BA-Sprecher. Er wies die in der Branche geäußerte Vermutung zurück, dass die Verhandlungen mit Qantas vor allem dazu dienten, den zögernden Fusionspartner Iberia unter Druck zu setzen. Die Spanier wollten sich am Donnerstag zunächst nicht dazu äußern. Analyst Douglas McNeill vom Brokerhaus Blue Oar sagte, die Wahrscheinlichkeit einer Fusion von BA und Iberia steige nun.

Auch in diesen Verhandlungen geht es um die Frage, wessen Aktionäre welche Anteile an der neuen Holding bekommen. Ursprünglich war ein Verhältnis von 65 zu 35 zugunsten von BA im Gespräch gewesen. Der BA-Aktienkurs ist jedoch in den vergangenen Monaten stärker gesunken als der von Iberia, sodass zwischenzeitlich sogar eine 50/50-Lösung in den Bereich des Möglichen rückte. Die Gespräche mit Qantas gaben der BA-Aktie dann wieder Auftrieb und vergrößerten den Abstand im Börsenwert zu Iberia. Am Donnerstag sackte die BA-Aktie um fünf Prozent ab.

Qantas-Chef Alan Joyce hat zuletzt angekündigt, dass er Gespräche mit einigen asiatischen Fluggesellschaften aufnehmen wolle, falls die Fusion mit BA scheitere.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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