Fusionsgerangel
WPP lässt nicht locker

Die Sache schien schon fast entschieden: Das britische Marktforschungsunternehmen TNS und die deutsche GFK würde gerne fusionieren - doch jetzt drängt sich Konkurrent WPP ein weiteres Mal dazwischen und will in die Bücher von TNs schauen. Was ist das Motiv - Übernahme oder Ausforschung?

LONDON/MÜNCHEN.Der Werbekonzern WPP macht im Kampf um das britische Marktforschungsunternehmen TNS Boden gut. TNS stimmte gestern zu, die Bücher für WPP zu öffnen. Gleichzeitig beteuerten die Briten aber, dass sie weiterhin die bereits vereinbarte Fusion mit dem Konkurrenten GfK bevorzugten. Die Nürnberger Firma wollte sich zu dem Vorgang nicht äußern.

Der Vorstand von TNS teilte mit, er glaube weiterhin, dass eine Fusion mit GfK den Wert des Unternehmens bedeutend steigern werde. Durch den Zusammenschluss würden die Kosten sinken und der Umsatz könnte schneller zulegen als bisher: „Der Vorstand bleibt entschlossen, die Fusion zu verwirklichen und glaubt, dass sie im besten Interesse der Aktionäre ist.“

Nach Ansicht von Experten ist offen, was WPP mit dem Vorstoß bezweckt. „Es ist nicht ganz klar, ob WPP wirklich an TNS interessiert ist, oder ob sie nur Informationen über einen Wettbewerber haben wollen“, urteilte Johnathan Barrett, Analyst von Kaupthing Singer & Friedlander in London.

GfK und TNS planen, ihr Geschäft im Herbst zusammenzulegen. Sollte das wie geplant klappen, entstünde die weltweite Nummer zwei unter den Marktforschern mit einem Umsatz von rund 2,7 Mrd. Euro. Führend ist die US-amerikanischen Nielsen Company mit Erlösen von knapp 3,2 Mrd. Euro. GfK und TNS sind eigenen Angaben zufolge mit rund 24 000 Mitarbeitern in 111 Ländern vertreten und verfügen über das weltweit umfangreichste Netz für Verbraucherbefragungen.

Aus mit dem Vorgang vertrauten Kreisen hieß es, TNS folge mit der Öffnung der Bücher der Vorschrift des Londoner Übernahmekodex. Danach muss ein konkurrierender Bieter zu den gleichen Informationen Zugang bekommen wie andere Interessenten. Er hat nur formal korrekt danach zu fragen. Deshalb habe TNS nun keine Wahl gehabt.

TNS hat bereits zwei Angebote von WPP abgelehnt. Das letzte belief sich auf 241,5 Pence je Aktie. Es bestand aus einer Kombination von Aktien und Barzahlung und bewertete das Unternehmen mit 1,3 Mrd. Euro. GfK und TNS haben sich vor einer Woche auf eine Fusion verständigt, bei der die Aktionäre jeder Seite die Hälfte der Aktien am neuen Unternehmen halten würde – von daher ist hier die Bewertung unerheblich.

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