Fusionsgespräche
„Berger wird in Deloitte aufgenommen“

Kaum ist Firmengründer Roland Berger von Bord, bahnt sich für die wohl prominenteste Beratungsfirma Deutschlands ein Epochenwechsel an. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte will Roland Berger übernehmen. Durch den Zusammenschluss würde das weltweit zweitgrößte Beratungsunternehmen entstehen.
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DÜSSELDORF. Ende einer Ära: Der Wirtschaftsprüfungskonzern Deloitte will die Unternehmensberatung Roland Berger übernehmen und mit einem Teil des eigenen Beratungsgeschäfts zusammenführen. Die Unternehmensberatung Roland Berger solle in der entsprechenden Sparte der Prüfungsgesellschaft Deloitte aufgehen, sagte Deloitte-Deutschland-Chef Martin Plendl am Mittwoch in München. „Berger wird in Deloitte aufgenommen.“ Damit würde nach dem Abschied von Firmengrüner Roland Berger Mitte des Jahres das Unternehmen nun auch seine Eigenständigkeit verlieren.

Die formale Entscheidung soll in Versammlungen der Partner beider Unternehmen Mitte Dezember fallen. Das Unternehmen Roland Berger betonte, das Ergebnis der Verhandlungen sei noch offen. Ein Sprecher von Roland Berger bestätigte am Mittwoch in München, dass es Gespräche zwischen beiden Unternehmen gebe, wollte zu den konkreten Inhalten aber keine Angaben machen. Mit dem Ergebnis der Verhandlungen würden sich die Partner der Firma Mitte Dezember auf einem Treffen auseinandersetzen. Der 72 Jahre alte Firmengründer Roland Berger hatte sich erst Mitte des Jahres als Aufsichtsratschef zurückgezogen.

Das neue Unternehmen solle „Roland Berger Deloitte Strategy Consultants“ heißen, sagte Plendl von Deloitte. Beide Beratungsorganisationen zusammen kämen auf einen Umsatz von 2,8 Milliarden Dollar (2,1 Milliarden Euro). Roland Berger hatte im vergangenen Jahr mit 2000 Mitarbeitern gut 600 Millionen Euro umgesetzt. „Wir wollen auch in diesem Bereich die Marktführerschaft übernehmen. Das ist eine ideale Kombination von Stärken“, sagte Plendl.

Wie viele Menschen künftig bei RBDSC arbeiten werden, werde derzeit noch verhandelt, sagte Plendl. Die Initiative zu dem Deal sei von beiden Häusern ausgegangen.

In einer Mail von Roland Berger Chef Martin Wittig, die dem Handelsblatt vorliegt, spricht Wittig von einer "konkreten Gelegenheit", die sich für Roland Berger ergeben habe - und die "vielversprechend genug" sei, sie den "internationalen Partnern zu präsentieren und gründlich durch zu denken". Die Offerte ist, so vermuten Insider, bewusst freundlich gehalten. Tatsächlich stehe hinter dem Fusionsangebot jedoch eine Übernahme. Der Kaufpreis dürfte bei etwa einer Mrd. Euro liegen.

Durch den Zusammenschluss würde das weltweit zweitgrößte Beratungsunternehmen nach McKinsey entstehen, heißt es in den Berichten. Roland Berger mit weltweit 2000 Mitarbeitern setzte 2009 rund 615 Millionen Euro um. In wichtigen Märkten wie den USA, Großbritannien, China und Frankreich würde das neue Unternehmen deutlich Boden gutmachen.

Roland Berger hatte sich im Juli endgültig aus dem Tagesgeschäft der Firma zurückzugezogen und seinen Posten als Aufsichtsratschef verlassen. Er hatte die Firma 1967 in München gegründet und sich zwischenzeitlich von der Mehrheit getrennt. 1998 kaufte er das Unternehmen von der Deutschen Bank zurück, die Ende der 80er Jahre die Mehrheit an der Unternehmensberatung übernommen hatte. Nach dem Rückkauf übertrug Berger die Anteile an gleichberechtigte Partner. 2003 zog sich Berger vom Chefposten zurück und wechselte an die Spitze des Aufsichtsrates.

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